(openPR) Nachwuchsmangel bei Ingenieuren bedroht den Standort Deutschland. Darunter leiden Wertschöpfung und Innovationskraft. Technikdeutschland steuert geradewegs auf die zweite Liga zu.
Unser Stammhaus liegt in einem kleinen Ort abseits der großen Infrastrukturen. Wir können es uns einfach nicht leisten, junge Menschen aus der Region abwandern zu lassen", sagt Peter Marcinkowski, Personalleiter und Mitglied der Geschäftsleitung bei Grenzebach Maschinenbau.
Das Unternehmen sitzt in Hamlar, etwa 100 Kilometer von München entfernt, und sucht Nachwuchs, wie viele andere Maschinenbauunternehmen. Die Ingenieurlücke ist zwar in den vergangenen Monaten geschrumpft, wurde aber keinesfalls geschlossen.
Nach einer Studie, die das Kölner Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) im Auftrag des Vereins Deutscher Ingenieure (VDI) durchgeführt hat, fehlten im vergangenen Oktober 69.000 Ingenieure, im März 2009 noch 44.000. Davon entfallen 42 Prozent auf den Maschinen- und Fahrzeugbau.
25.000 Jobs in Gefahr
Hinzu kommt, dass viele Unternehmen die Überalterung in der Branche unterschätzen. In der Studie heißt es: "Mit Blick auf die kommenden fünf Jahre werden die Auswirkungen des demografischen Wandels auf die Personalsituation der Unternehmen im Ingenieurbereich nur von einer Minderheit der Unternehmen als bedeutsam eingeschätzt."
Die Krise verschärft diese Lage: In den vergangenen drei Jahren entstanden noch 100.000 Stellen im Maschinenbau. Nach dem Konjunktureinbruch sind schon 2009 deutschlandweit 25.000 Jobs in Gefahr, schätzt der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA). Wertschöpfung und Innovationskraft des deutschen Maschinenbaus könnten deshalb schon bald enorm bedroht sein.
Willi Fuchs, Direktor des VDI, bringt die Befürchtungen auf den Punkt: "Wir müssen gerade jetzt die Gelegenheit nutzen, die Weichen richtig zu stellen. Sonst droht die Gefahr, dass Technikdeutschland künftig nicht mehr in der ersten Liga spielt."
Ältere Arbeitnehmer profitieren
Der Mangel an qualifiziertem Nachwuchs ist so eklatant, dass sich im Gegenzug die Lage für ältere Arbeitnehmer entspannt. Der IW-Studie zufolge hat in den vergangenen Jahren jedes vierte Unternehmen Ingenieure rekrutiert, die älter als 50 sind. Manche greifen sogar auf Rentner zurück, die sogenannten Silver Workers.
Doch der Rückgriff auf ältere Arbeitnehmer kann nur kurzfristige Entspannung bringen. Denn laut Studie scheiden in den kommenden fünf Jahren jährlich etwa 37.000 ältere Ingenieure aus dem Berufsleben aus, nach 2015 sind es sogar 43.000 Ingenieure pro Jahr. Beim Branchennachwuchs fehlt indes schon jetzt ein ganzer Absolventenjahrgang.







