(openPR) Während der klassische Lebensmittelhandel heuer in Österreich nur gebremste Expansiongelüste zeigt, boomt ein Segment entgegen dem Wirtschaftstrend: die Sozi-almärkte. Was 1999 als engagiertes Sozialprojekt begann, hat sich mittlerweile zu einem gesellschaftlich relevanten Faktor entwickelt: Waren des täglichen Bedarfs für Einkommensschwache zu absoluten Diskontpreisen. Etwa 7.000 m² Verkaufsflä-che verteilt auf rund 40 Märkte in 8 Bundesländern – Tendenz steigend!
Trend Armutsfalle
Österreich zählt zu den reichsten Ländern der Welt. Trotzdem ist jeder 8. Österreicher armutsgefährdet. Sozialhilfeempfänger, Mindestpensio-nisten, Alleinerzieherinnen, Behinderte und Migranten sind jene Men-schen, die unter der aktuellen Krise doppelt leiden.
Trend Corporate Social Responsibility
Im krassen Gegensatz dazu stehen die prall gefüllten Regale im Le-bensmitteleinzelhandel (LEH). „Frische bis zum Ladenschluss“ bedeutet jedoch Überproduktionen. Ein Großteil der Waren landet originalverpackt im Mist. „Verschenken statt entsorgen“ lautet der Appell von Wohl-fahrtsorganisationen an das soziale Gewissen von Wirtschaft, Industrie und Handel.
Trend Erfolgskonzept Sozialmarkt
Die Prinzip ist simpel: Die im Überfluss haben, geben jenen, die wenig oder gar nichts haben. Der LEH stellt seine „Ausschussware“ bzw. die Überproduktionen gemeinnützigen Organisationen zur Verfügung. Diese verkaufen die Ware dann zu absoluten Diskontpreisen in sogenannten Sozialmärkten. Derzeit gibt es in Österreich rund 40 Sozialmärkte, die von verschiedenen Organisationen betrieben werden – Tendenz stei-gend!
Trend Expansion – Kein Ende in Sicht!
Die 40 Sozialmärkte Österreichs präsentieren ihr Sortiment auf einer Ge-samtverkaufsfläche von rund 7.000 m². Im Schnitt werden auf knapp 200m² Güter des täglich Bedarfes wie Grundnahrungsmittel, Waschmit-tel und Hygieneartikel angeboten. Der Kundenandrang ist enorm. Alle Betreiber bestätigen einhellig die Notwendigkeit von noch mehr Filialen.
Trend Massiver Andrang im „VIP-Club“ der anderen Art
Wer im Sozialmarkt einkaufen will, muss allerdings bestimmte Kriterien erfüllen: maximal € 700,- bis € 900,- Netto-Einkommen pro Monat für eine Person sowie der Nachweis der Bedürftigkeit, z.B. mit dem Sozial-pass bzw. Arbeitslosenbestätigung berechtigen zum Bezug eines „Ein-kaufspasses“. Trauriger Erfolg: der „Run“ auf die Einkaufspässe ist e-norm!
Trend Kaufrauschgefahr?
Wer glaubt, die Kunden fallen ob der enorm günstigen Preise in einen „Kaufrausch“, der irrt. In den Sozialmärkten ist das Einkaufsvolumen streng limittiert. Für maximal € 21,- bis € 35,- pro Woche „dürfen“ die Kunden einkaufen. 1 L Milch kostet um die 20 Cent.
Von der Krise in die Armut
12 % der österreichischen Bevölkerung sind armutsgefährdet. Vor allem Alleinerzieherinnen, Mirgranten, Arbeitslose und Mehrkind-Familien haben ein erhöhtes Risko an den Rand einer gesicherten Existenz zu geraten. Regional gesehen ist die Armutsgefährdung in Wien und den Landeshauptstädten Graz, Linz, Salzburg und Innsbruck überdurchschnittlich hoch. Allein in Wien leben ca. 2/3 der Sozialhilfeempfänger. Die aktuelle Wirtschaftskrise verschärft für die genannten Bevölkerungsgruppen ihre ohnehin prekäre Situation noch mehr.
Appell an Handel und Wirtschaft soziale Verantwortung zu zeigen
Dass rund 1 Mio. Österreicher unter der Armutsgrenze leben, ist an den prall gefüllten Super-marktregalen nicht zu erkennen. Die Konsumenten erwarten frische Ware bis zum Laden-schluss. Um Ausverkauftsituationen zu vermeiden, kommt es zu Überproduktionen. Mit dem Ergebnis, dass allein in Wien rund 70.000 Tonnen noch genießbarer Lebensmittel pro Jahr auf dem Müll landen. Um den krassen Gegensatz von Überfluss und Armut zu mildern, appellieren Wohlfahrtsorganisationen an den Handel, ihre „Ausschussware" Bedürftigen zu überlassen und somit für alle Beteiligten eine win-win-Situation zu schaffen. Corporate Social Responsibility – soziale Verantwortung zu zeigen – ist für Unternehmen nicht nur eine nette Geste sondern von gesellschaftlicher Relevanz.
Das „Erfolgskonzept Sozialmarkt“ bewährt sich
Die erfolgreiche Umverteilung basiert auf einem einfachen Prinzip: gemeinnützige Vereine holen die „Ausschussware“ von den Supermärkten und verkaufen sie zu Niedrigstpreisen in Sozial-märkten an Bedürftige. Die Produkte sind von einwandfreier Qualität, weisen aber meist Verpa-ckungsschäden auf, sind falsch etikettiert oder an der Grenze zum Haltbarkeitsdatum. In den Regalen finden sich vorwiegend Produkte des täglichen Bedarfs wie Milchprodukte, Brot, Teig-waren, Obst und Gemüse aber auch Haushaltswaren, Hygieneartikel und Bücher. Die Artikel sind im Schnitt um 2/3 billiger als in den regulären Supermärkten; Brot ist oft gratis. Seit April 09 bietet der SOMA Markt Neubau auch gebrauchte Computer inkl. Monitor und Tastatur um € 50,- - 1 Jahr Gewährleistung inklusive. Instand gesetzt werden die PCs von einem sozialökono-misch Betrieb, dem Demonatage- und Recyclingzentrum D.R.Z. Shopping-Flair? Wer Impulszo-nen, Werbeplakate und POS-Promotions in den Sozialmärkten erwartet, wird enttäuscht. Hier dominert Funktionalität vor Werbewirksamkeit.
Strenge Aufnahmekriterien
Wer in Sozialmärkten einkaufen will, muss gewisse Kriterien erfüllen. Diese variieren je nach Organisation. Das monatliche Netto-Einkommen für eine Person darf nicht höher als € 700,- - € 900,- sein und der Kunden muss seine Bedürftigkeit nachweisen. Danach erhält er eine Kun-denkarte bzw. einen Einkaufspass. Um Hamsterkäufe zu vermeiden und eine gerechte Vertei-lung zu sichern, ist das Einkäufsvolumen pro Person zwischen € 21,- und € 30,- pro Woche streng limitiert.
Das Österreichische „Filialnetz“ der Sozialmärkte
Derzeit gibt es in Österreich rund 40 Sozialmärkte auf 8 Bundesländer verteilt mit einer Ge-samtverkaufsfläche von ca. 7.000 m². Mit derzeit 9 Standorten verfügt Niederösterreich über die meisten „Filialen“, während es in Vorarlberg zurzeit keinen Sozialmarkt im klassischen Sinne gibt. Der mobile Sozialdienst „Tischlein-deck-dich“ verschenkt Lebensmittel an 4 Standorten im Ländle.
1999 eröffnete in Linz der gemeinnützige Verein SOMA den ersten Sozialmarkt Österreichs und ist damit der Pionier der Sozialmärkte. „SOMA Österreich & Partner“ ist ein gemeinnütziger Ver-ein und koordiniert als größter Dachverband in Österreich für derzeit rund 20 Sozialmärkte die Abhol- und Verteilungslogistik. Unter diesem Dach agieren auch der Wiener VinziMarkt (Wien 6) sowie die 6 Märkte des gemeinnützigen Vereines „Sozialmarkt Kärnten“.
Die Bundeshauptstadt erhielt erst im Mai 08 ihren ersten Sozialmarkt. Alexander Schiel (30) erkannte den dringenden Bedarf und eröffnete in Wien 10 und Wien 17 seine Filialen.
In den Bundesländern betreiben verschiedene gemeinnützige Organisationen Sozialmärkte, wie die Laube GmbH (Salzburg), VinziGemeinschaft (Wien, Steiermark), TISO Tiroler Sozialmarkt Lebensmittelversorgung GmbH (Tirol) oder die Pannonische Tafel (Burgenland).
Ungebremste Expansionspläne bei Österreichs Sozialmärkten
In einem Punkt sind sich alle Sozialmarktbetreiber einig: Der Bedarf an weiteren Outlets ist mehr als gegeben. In den beiden Wiener Sozialmärkten von Alexander Schiel werden pro Monat rund 100 Tonnen Ware benötigt, daher plant Schiel einen weiteren Markt in Floridsdorf oder Donaustadt. Gespräche mit den Bezirkvorstehungen sind schon im Laufen. Die SOMA-Märkte suchen einen geeigneten Standort außerhalb des Gürtels. Im Burgenland plant die Pannonische Tafel zwei Standorte in Neusiedl und Mattersburg.
Einen geeigneten Standort mit entsprechend günstigen finanziellen Rahmenbedingungen zu finden, stellt für die Betreiber eine große Herausforderung dar. Ohne Unterstützung von Politik und Wirtschaft lassen sich die ambitionierten Sozialmarkt-Konzepte kaum verwirklichen.
Mobile Sozialmärkte als kreative Lösung
Kreativität ist also gefordert. So wurde im Herbst 08 von der LAUBE der erste „mobile Sozial-markt“ ins Leben gerufen. Ein Transporter, der 1x pro Woche in den Pinzgauer Gemeinden so-zial Schwache mit Ware versorgt. Im Waldviertel ist das SomaMobil in 14 Gemeinden unterwegs. Und auch im Westen macht das Konzept Schule: in Tirol organisiert das Rote Kreuz 1 x wöchentlich Lebensmittelabgaben in Kufstein, Telfs, Wörgl und Lienz und im Ländle verteilt der Verein Tischlein-deck-dich an „Busstationen“ in Bludenz, Feldkirch, Götzis und Dornbirn Lebensmittel an Bedürftige – allerdings gratis.
Die vorliegenden Informationen beruhen auf einer aktuellen RegioData Analyse zum Thema „Sozialmärkte“.
RegioData Research ist der Spezialist für regionale Markt- und Wirtschaftsdaten für Handel, Immobilien und Finanzierung in Mittel- und Osteuropa. Unsere Daten unterstützen Marketing-, Vertriebs- und Expansionsentscheidungen in ganz Europa. Wir bieten Kaufkraftkennziffern für alle Länder Europas, Handels- und Immobilienmarktdaten, demographische und makroökono-mische Daten und Prognosen sowie Geomarketing-Software und Schulungen.













