(openPR) Die zermürbende Kluft zwischen pädagogischem Ideal und alltäglicher Praxis sei es, die an Erzieherinnen und Erzieher sowie an Träger eine hohe Anforderung stellt, sagen die freien Träger Konzept-e für Bildung und Soziales, KiND e.V. und KiND und Beruf e.V. Die Forderungen müssten deshalb beim Personalschlüssel ansetzen und Bildungsqualität nicht nur in Kita-Bildungsplänen festschreiben, sondern auch in der Praxis ermöglichen. Handlungsbedarf sehen die Träger außerdem bei der Aus- und Weiterbildung.
Stuttgart (eos) – Die freien Träger von Kindertageseinrichtungen, Konzept-e für Bildung und Soziales, KiND e.V. Stuttgart sowie KiND und Beruf e.V. mit insgesamt 18 betriebsnahen, betrieblichen und wohnortorientierten Kinderhäusern im süddeutschen Raum, unterstützen die Forderungen nach besseren Arbeitsbedingungen, die es den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern in Kitas ermöglichen die gestiegenen Anforderungen von Eltern, Politik und Gesellschaft erfüllen zu können. „Die Kernpunkte der Problematik kommen in der aktuellen Diskussion um Lärmbelastung und kleine Stühle jedoch zu kurz“, sagt Konzept-e-Geschäftsführerin Waltraud Weegmann, die auch die anderen beiden Trägervereine führt. „Ein zu niedriger Stellenschlüssel wirkt sich direkt auf die Qualität der Arbeit in den Kindertagesstätten aus. Es ist deshalb wichtig, Rahmenbedingungen insbesondere in Bezug auf die Personalausstattung zu schaffen, die ein verändertes Verständnis von Bildung in Kindertagesstätten ermöglichen“, sagt sie.
Individuelle Förderung: Viel Zeit für jedes einzelne Kind
Die Anforderungen an Erzieherinnen und Erzieher sind in den letzten Jahren erheblich gestiegen. Sie sind heute idealerweise Bildungsbegleiter der Kinder: Sie unterstützen sie individuell, sie beobachten sie geduldig und lassen sich feinfühlig auf sie ein – und sie dokumentieren und reflektieren gewissenhaft, was sie bei jedem einzelnen Kind gesehen und mit ihm erlebt haben. Sie tauschen sich außerdem intensiv mit den Eltern aus und pflegen den Kontakt mit anderen sozialen Einrichtungen im Umfeld. Dazu brauchen sie Zeit, mehr Zeit als bisher. „In Krippen dürften auf eine Fachkraft höchstens drei Kinder kommen. Bei den Drei- bis Sechsjährigen sollte eine Pädagogin für maximal sechs Kinder zuständig sein. Ausreichend Zeit für die Vor- und Nachbereitung fehlt außerdem“, stellt Weegmann fest. „Das System ist hochgradig unterversorgt. Die Kluft zwischen pädagogischen Ideal und dem, was sich tatsächlich praktisch umsetzen lässt, belastet und demotiviert die Beteiligten.“
Studiengänge und Berufsausbildung verbessern
Ver.di berechnete, dass 86.975 zusätzliche Fachkräfte eingestellt werden müsste, um den angestrebten „Betreuungsschlüssel“ und damit eine wichtig Grundlage für nachhaltige Bildungsqualität zu erreichen. Doch Personalstärke allein genüge nicht, sagen die Träger. „Wir brauchen gut ausgebildetes Personal“, erklärt Konzept-e-Pädagogik-Geschäftsführerin Carola Kammerlander. „Die Studiengänge an den Fachhochschulen sind inhaltlich oft nicht auf dem neuesten Stand und die Berufsausbildung sollte, wie in anderen Berufen auch, komplett dual, das heißt mit abwechselnden Phasen in der Einrichtung und in der Berufsschule, organisiert werden.“ Auch auf die berufsbegleitende Weiterbildung werde zu wenig geachtet, monieren die Träger. „Bislang sind laufende Fortbildungen in den Zuschüssen, die wir erhalten, nicht vorgesehen“, sagt Kammerlander. „Wir überbrücken den Notstand, indem wir die Unternehmen um Unterstützung bitten, die in unseren Trägervereinen Mitglied sind. Das kann aber keine Dauerlösung sein.“ Um den Beruf, der wenig Aufstiegsmöglichkeiten bietet, attraktiver zu machen, fordern die freien Träger zudem mehr finanzielle Spielräume für eine leistungsabhängige Vergütung.
Kongress begleitet ein Bildungssystem im Wandel
Um die aktuelle Diskussion um das deutsche Bildungs- und Betreuungssystem inhaltlich voran zu bringen, veranstalten die Träger gemeinsam mit der Wirtschaftsförderung Region Stuttgart (WRS) den jährlichen interdisziplinären Kongress „Invest in Future“. 2009 findet das Symposium, dass sich an Interessierte aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Pädagogik wendet, am 19. und 20. Oktober in Stuttgart statt.











