(openPR) München, 21. April – Das Jahr 2008 war mit einem Gesamtumsatz von 1,6 Milliarden Euro das erfolgreichste Jahr für Interim Management überhaupt. Diese frohe Botschaft wird jedoch von trüben Aussichten überschattet: Bereits jetzt ist absehbar, dass in diesem Jahr mit Umsatzeinbußen zu rechnen ist. Im Zuge der Wirtschaftkrise wurden die Wachstumsprognosen des Interim-Marktes für 2009 deutlich zurückgenommen: Noch im vergangenen Jahr erwartete die Providerumfrage 19 Prozent; aktuelle Ergebnisse, die im Januar 2009 erhoben wurden, prognostizieren nur noch 10 Prozent. Nach Auffassung der Provider, ist heute auch diese Erwartung längst Makulatur, weil die Unternehmen glauben, die derzeitige Wirtschaftskrise mit den tradierten Verhaltensmustern überstehen zu können.
„’Überwintern aus Bordmitteln’ ist angesagt“, so Jürgen Becker vom Arbeitskreis Interim Management Provider (AIMP). „Die Erklärung für die Rückgänge im ersten Quartal 2009 liegt vor allem an dieser Strategie der Unternehmen. Und zum ersten Mal sind auch die Interim Provider davon betroffen: Durch die Akzeptanz und breitere Nutzung unserer Dienstleistung in allen Sektoren entwickeln sich die Umsätze erstmals zyklisch mit der Gesamtwirtschaft – und nicht länger antizyklisch.“
Die Branche wächst und wächst
Dennoch sehen sich die Mitglieder des AIMP für die kommenden schwierigen Monate gut gerüstet. Die vierte Auflage der AIMP-Providerumfrage bescheinigt der Interim Branche für das Jahr 2008 einen wiederholten Zuwachs in fast allen Bereichen. Die Umsätze sind im Vergleich zum Vorjahr um 20 Prozent gestiegen. Auch die geschätzte Zahl der aktiven Interim Manager hat sich von 10.400 (2007) auf 12.000 (2008) Personen erhöht. Der durchschnittliche Tagessatz eines Interim Managers ist im gleichen Zeitraum um 60 Euro auf 940 Euro gestiegen.
„Besonders deutlich ist ein Wachstum bei Mandaten zu beobachten, die Positionen mit bis zu 100.000 Euro Jahresgehalt entsprechen. Schon heute arbeiten hier mehr als die Hälfte aller aktiven Interim Manager“, erläutert Dr. Anselm Görres, Vorsitzender des AIMP, und ergänzt: „In diesem Segment können wir uns gerade in diesen risikobehafteten Zeiten deutliches Wachstum vorstellen: Denn wer lässt sich heute schon aus einer komfortablen Festanstellung ins Risiko abwerben?“
Die Geschäftsentwicklung 2008 bestätigt den Trend der Vorjahresumfrage zu einem vermehrten Einsatz von Interim Management als ganz normaler Dienstleistung in den verschiedensten Branchen. Sogar in der öffentlichen Verwaltung wurde erstmals vom Einsatz von Interim Managern berichtet. Die Bedeutung der klassischen Kundenbranchen wie Automobilindustrie, Telekommunikation und Chemie/Pharma nahm dagegen leicht ab.
Prognose 2009: Weniger Restrukturierung und ungenutztes Potenzial
Die Auswirkungen der weltweiten Wirtschaftskrise auf die Interim Branche waren bereits im ersten Quartal 2009 zu spüren. Entgegen vielen Erwartungen kommt es noch nicht verstärkt zum Einsatz von Interim Managern im Zuge von Restrukturierungsmaßnahmen. „Das widerspräche eindeutig dem ‚Überwintern aus Bordmitteln’“, so Becker, „ein fataler Fehler, der Wettbewerbspositionen und Marktanteile kosten kann.“ Zudem bedeute Restrukturierung nicht zwingend Personalabbau. „So ist billiger einkaufen besser, als die eigenen Mitarbeiter zu entlassen“, ist sich Görres sicher und ergänzt: „In den dreißig Jahren seines Bestehens in Deutschland und der Schweiz hat sich Interim Management zu einer wichtigen Dienstleistung für Kunden aller Wirtschaftsbereiche entwickelt, weit über die Industrie hinaus. Interim Manager sind Agenten des Wandels und können einen wichtigen Beitrag zum Umbau unserer Wirtschaft in der Krise leisten.“
Die aktuelle Studie wurde vom Arbeitskreis Interim Management Provider (AIMP) in Zusammenarbeit mit Dr. Vera Bloemer, Interim Expertin und Sachbuchautorin, initiiert und durchgeführt. Sie kann unter www.aimp.de bezogen werden. Autoren des Fragebogens: Jürgen Becker, Thorsten Becker, Bodo Blanke, Dr. Vera Bloemer und Dr. Anselm Görres.









