(openPR) Von Jürgen P. Fuß - Seit nahezu zwei Monaten vergeht keine Woche, in der nicht in deutschen Medien über die Einrichtung des TÜV-TURK berichtet wird, der Einrichtung, die seit Januar diesen Jahres für die regelmäßige technische Überprüfung der türkischen Kraftfahrzeuge zuständig ist. Der Grundtenor ist dabei immer der Gleiche: Mit Hilfe der Deutschen wird ab jetzt auch in der Türkei für mehr Sicherheit im Straßenverkehr gesorgt.
Das ist genau die Botschaft, die der deutsche Partner des deutsch-türkischen Konsortiums - die TÜV-Süd AG - in Pressemitteilungen und Pressekonferenzen gebetsmühlenartig schon seit Ende letzten Jahres verbreitet. Spätestens in fünf Jahren werde Dank der deutschen Unterstützung auch in der Türkei die Verkehrssicherheit auf europäischem Niveau liegen, so zumindest stellt es der deutsche Partner dar. Genau diese Botschaft wird von den deutschen Medien übernommen und verbreitet, zuletzt in einer zweiteiligen Fernsehreportage bei Spiegel-tv.
VIELE VERKEHRSTOTE -
TEILWEISE KATASTROPHALER ZUSTAND DER FAHRZEUGE
Damit keine Missverständnisse aufkommen: die Zahl der Verkehrstoten beträgt in der Türkei nahezu das Doppelte der Verkehrsopfer in Deutschland, obwohl es weit weniger Fahrzeuge gibt und diese eine deutlich geringere jährliche Fahrleistung aufweisen. Das durchschnittliche Alter der türkischen Kraftfahrzeuge ist - insbesondere bei den Personenwagen in ländlichen Regionen - wesentlich höher als in Deutschland und nicht zuletzt deshalb der technische Zustand vieler Autos katastrophal. Eine Feststellung, die nicht nur für private Fahrzeuge, sondern teilweise auch Fahrzeuge der Polizei und anderer staatlicher Einrichtungen gilt.
So wird niemand bezweifeln wollen, dass erheblicher Handlungsbedarf besteht. Doch niemand sollte den Türken unterstellen, dass sie mit diesen Autos glücklich sind. Eine vor einigen Monaten durchgeführte Untersuchung ergab, dass mehr als die Hälfte der befragten Bürger innerhalb des kommenden Jahres die Anschaffung eines neuen Autos geplant haben. Ob es dazu tatsächlich kommen wird, ist mehr als zweifelhaft. Denn die finanziellen Verhältnisse eines großen Teils der türkischen Bevölkerung machen es diesen Menschen schon jetzt unmöglich, notwendige Reparaturen an ihren Fahrzeugen ausführen lassen können. Woher soll dann das Geld für ein neues Fahrzeug kommen?
TÜV-TURK - KEINE GUTE LÖSUNG
Aber ist der TÜV-Türk wirklich das richtige Instrument, um die Verkehrsprobleme in der Türkei grundlegend zu beseitigen? Zweifel sind angesagt! Sie beginnen damit, dass mit der regelmäßigen Fahrzeitkontrolle nur eines der zahlreichen türkischen Verkehrsprobleme angefasst wird. Zweifel sind auch deshalb angesagt, weil sich die türkische Regierung für eine Privatisierung dieser Fahrzeugkontrollen entschieden hat. Die Fachkunde der TÜV Süd AG wird niemand bezweifeln wollen, aber dessen Einfluss ist vergleichsweise gering.
Zum einen, weil er ein ausländisches Unternehmen ist und nur ein Drittel der Eigentümeranteile an TÜV-TURK hält und zum anderen, weil er nur eine kleine Zahl der türkischen Prüfer selbst ausgebildet hat. Was diese unter dem Einfluss der türkischen Anteilseigner aus dem Erlernten machen, steht kaum noch in der Macht des TÜV-TURK. Beachte: Türkische Verträge werden grundsätzlich so formuliert, dass sie eine breiten Interpretationsspielraum lassen.
Weit wichtiger ist aber, dass man bei den beiden türkischen Partnern vorwiegend wirtschaftliche Gründe vermuten muss, die sie zu einem Engagement für „mehr Sicherheit im türkischen Straßenverkehr“ bewogen haben. Der eine Partner ist stark engagiert im Bereich Immobilien und Bauunternehmung und der andere Partner ist einer der größten - wenn nicht sogar der größte - Automobilimporteur des Landes!
DEUTSCHE MEDIENBERICHTE ÜBERSEHEN VIELE TÜRKISCHE PROBLEME
Es ist bedauerlich, dass in den deutschen Medienberichten bisher wesentliche Teile der türkischen Verkehrsprobleme und deren Gründe nicht angesprochen worden sind. Die wirtschaftliche Lage großer Teile der türkischen Bevölkerung, die den Traum eines sicheren Autos unmöglich macht, obwohl diese zwingend auf ein eigenes Fahrzeug angewiesen sind, wurden ebenso wenig thematisiert, wie die angesprochenen Interessenkollisionen, die durch die Privatisierung und die türkischen Anteilseigner vorprogrammiert sind.
Doch es gibt viele andere Gründe, die für die geringe Verkehrssicherheit in der Türkei verantwortlich sind. Die weit verbreitete Ignoranz von Verkehrsregeln, die sich zum Beispiel darin ausdrückt, dass eine rote Ampel von Vielen nur als eine „eher unverbindliche Empfehlung betrachtet wird“, die Missachtung von Fahrspuren und der oft unkontrollierte Wechsel der Fahrspur zählen ebenso dazu, wie die Tatsache, dass „Geisterfahrer“ allerorten anzutreffen sind. Hinzu kommt, dass viele türkische Autofahrer mit kritischeren Fahrsituationen nicht umgehen können und deshalb falsch reagieren.
Doch mit der Abstellung dieser Mängel hätte man kein so großes Geschäft machen können, wie mit der regelmäßigen technischen Überprüfung von Kfz und mit Gebühren, die über dem deutschen Preisniveau liegen. Zur Verdeutlichung: die Überprüfung eines KZ in der Türkei kostet rund ein Fünftel des monatlich zu zahlenden türkischen Mindestlohns!
Weitere Informationen zu diesem Thema auf der Homepage der Aktuellen Türkei Rundschau.
Hier der direkte Link zum Thema (erschienen in ATR-Ausgabe Nr. 218):
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