(openPR) Bill Holler Kolumne vom 12.2.2009
Der Rettungsschirm für die HypoRealEstate Bank hat inzwischen das gigantische Ausmaß von 102.000.000.000 EUR erreicht. Und trotzdem fragen sich die Mitglieder unserer Bundesregierung hinter vorgehaltener Hand: “Reicht das diesmal?”
Das Beben der vergangenen 2 Jahre im Bankensektor hat sich trotz der weltweit laufenden Rettungsaktionen zu einer nicht enden wollenden Dauerkrise entwickelt, von der nur wenige Finanzinstitute verschont geblieben sind. Nicht oder nur in geringem Maße betroffen sind gerade diejenigen Institute, welche in der Vergangenheit milde belächelt wurden und von den Ackermännern dieser vergangenen Zeit als Verlierer im internationalen Finanzgeschäft gebrandmarkt worden sind.
Die langfristig angelegten Strategien und die Fürsorge um das ihnen anvertraute Geld ihrer Kunden (Bundespräsident Horst Köhler) haben diese Bankiers umsichtig handeln lassen und sie vor riskanten Abenteuern bewahrt. Dies war ein Musterstück von Dekadenstrategie. Und sie hat diese Institute davor bewahrt, von der Woge der Erfolgsgeilheit in den Strudel der bitteren Realität hinab gezogen zu werden.
Diese Institute gibt es also noch und das ist beruhigend in unserer Zeit, in der viele der Großen der Finanzwelt am Tropf des Steuerzahlers hängen. Die Hypo Real Estate ist ein schlimmes Beispiel für Zockerei und sie steht damit in einer Reihe mit vielen namhaften Instituten. Selbst die Landesbanken waren nicht gefeit davor, sich dem leicht verdienten Profit unterzuordnen. Nur der Tatsache, dass die blamable Krise so viele Finanzinstitute trifft, ist es zu verdanken, dass wir schon längst wieder vergessen haben, welche Schäden sogar einige der von der Politik beaufsichtigten Landesbanken angerichtet haben.
Nun wird der Staat zwangsläufig immer weiter einsteigen und das Bankgeschäft übernehmen. Die gigantischen Bürgschaften sind letztlich nichts anderes als der mehr oder weniger stille Einstieg in das Finanzgeschäft. Die Commerzbank winkt schon mit dem Zaunpfahl des Finanzministeriums.
Und nun wird der Ruf nach einer “Bad Bank” immer lauter. Die U.S. Regierung Obama will jetzt bis zu 1.000.000.000.000 USD für eine solche Bank locker machen (woher eigentlich, wenn nicht aus der Geldpresse?). Auch in Deutschland gibt es Befürworter einer oder gar mehrerer solcher “Bad Banks”.
Haben wir nicht wahrlich schon genug von diesen “Bad Banks”?
Brauchen wir nicht vielmehr die “Good Banks”?
Ist es nicht viel wichtiger, dass Vertrauen in die Solidität der Finanzinstitute wachsen kann?
Oder müssen wir uns wirklich darauf einstellen, dass es zukünftig eben Klassifizierungen wie bei den Hotels geben wird. Am Eingang zur Bank schauen wir uns dann an, wie viele Sterne hier auf dem Schild prangen. Dann können wir wählen, ob wir unser Geld langfristig sicher – mit niedriger Rendite – oder kurzfristig spekulativ anlegen wollen. Für das letztere nehmen wir dann lieber eine der “Bad Banks” mit nur zwei Sternchen auf dem Schild.
Diejenigen Unternehmer, welche in den vergangenen Jahren bei der Suche nach Finanzierungen abgewiesen wurden, weil sie die Basel II Bedingungen eben (noch) nicht erfüllen konnten, werden sich nun fragen: “Gibt es dann zukünftig Basel III für Banken?”
Ich hoffe, dass die handelnden Personen in Politik und im Finanzwesen die Verantwortung ernst nehmen, die sie für unsere internationalen Volkswirtschaften haben. Nicht jede Bank muss gerettet werden. So wie jedem Unternehmen sollte es auch Finanzinstituten möglich sein, den Marktaustritt als Konsequenz für unwirtschaftliches oder fehlerhaftes Handeln zu wählen.
Bei all diesen unüberblickbar großen Finanzspritzen ist doch klar, dass eines auf jeden Fall irreparablen Schaden nehmen wird: Unser gesamtes Währungssystem in USA und Europa.











