(openPR) Der Gesetzgeber hat nun so lange an der Stellschraube der Gesundheitsreform gedreht, dass sich keiner mehr auskennt, aber dass ausgerechnet Kinder, Behinderte sowie Angstpatienten die größten Verlierer sein sollen ist unverständlich. Bei besonders kleinen und ängstlichen Kindern kann nur mehr eine Grundversorgung oder Schmerzbehandlung gewährleistet werden.
Nach den neuen Regelungen sollen für ambulant tätige Anästhesisten (Narkoseärzte) bei zahnärztlichen Narkosen ab Januar 2009 künftig nur noch 29,- bis 49,- Euro bezahlt werden, unabhängig von der Dauer der Narkose. Dr. Clarissa Benz, Inhaberin der Kinderzahnarztpraxis Landshut kann seitdem kaum noch Aufträge vergeben, was dazu führte, dass drei ihrer Anästhesisten sich in ihrer Existenz bedroht sehen.
Warum ist die Narkose so wichtig?
Backen- und Eckzähne sind besonders wichtige Platzhalter bis zum Alter von etwa elf Jahren. Wenn diese nicht frühzeitig versorgt werden kommt es zum Verlust von wichtigen Stützzonen und führt zu Folgekosten für Zahnersatz und Kieferorthopädie. Durch Nichtwissen oder Fehlverhalten (Nichtputzen der Kinderzähne) einiger Eltern werden Kinder viel zu spät zur Erstuntersuchung gebracht, zu diesem Zeitpunkt sind oftmals viele Zähne zerstört. Die Grundsanierung soll und muss in diesem Fall sichergestellt werden, dies geht allerdings meistens nur unter Vollnarkose. Die Versorgung von Milchzähnen mit Füllungen oder Kinderkronen, evtl. Wurzelbehandlungen nimmt eine gewisse Zeit in Anspruch. Kinder zu mehreren Behandlungen – ohne Anästhesie – zu zwingen führt zwangsläufig zu Angst- und traumatisierten Patienten, die nicht mehr kommen.
Warum wird die Vollnarkose nicht mehr übernommen?
Seit Inkrafttreten des Gesundheitsfonds am 01. Januar 2009 wurde in Bayern eine Honorarabsenkung von Vollnarkosen bei Zahnbehandlungen beschlossen und werden nicht mehr ausreichend finanziert. Infolgedessen komme es zu einer Versorgungslücke zu Lasten der Schwächsten. Aus Krankenkassenkreisen ist zu hören, dass die Eltern selbst Schuld an den schlechten Zähnen ihrer Kinder sind und demzufolge die Versorgungskosten nicht zu Lasten aller gehen sollen. ABER, warum müssen ausgerechnet die Kinder und Behinderte darunter leiden?
Baden-Württemberg macht es Richtig:
Hier sind die Zahnbehandlungen für Kinder unter Anästhesie aus dem so genannten Regelleistungsvolumen für Vertragsärzte heraus genommen. Der deutlich erhöhte personelle und räumliche Aufwand wird angemessen honoriert, außerhalb vom Budget. Dadurch können die Kinder ausreichend versorgt werden und ohne Angst und späteren psychischen Problemen in das Erwachsenenalter eintreten.
Die zukünftigen Stützen unserer Gesellschaft, die die später mal unsere Rente zahlen, sollen am Gebiss erkannt werden? Dadurch keinen Job, Partner finden und in der Gesellschaft untergehen? Wollen wir tatsächlich Menschen zweiter Klasse züchten?










