(openPR) Studie der TUHH sieht Kundennähe und Technologiezugang als Hauptmotive –
Immer mehr indische Unternehmen zieht es nach Deutschland. Auf der Suche nach weiteren Wachstumsmöglichkeiten investierten indische Unternehmen vergangenes Jahr (2008) geschätzte $ 2 Mrd. in Deutschland; nach $ 825 Millionen in 2007. Laut einer Studie der Technischen Universität Hamburg-Harburg (TUHH) waren 123 indische multinationale Unternehmen mit 167 Töchtern Ende 2008 in Deutschland aktiv. Minderheitsbeteiligungen und Holdinggesellschaften sind hierbei nicht berücksichtigt. Rund 20.000 Erwerbstätige und 1.000 Azubis waren nach Einschätzung der Studienautoren 2008 bei indischen Unternehmen in Deutschland beschäftigt.
Zwischen März 2005 und März 2008 hat sich der Bestand an weltweiten Auslandsdirektinvestitionen indischer Unternehmen von $ 10 Mrd. auf über $ 46 Mrd. beinahe verfünffacht. Noch 1997 betrug diese Summe lediglich $ 617 Mio. „Deutschland hat sich zu einem wichtigen Investitionsstandort indischer Unternehmen entwickelt“, erklärt Prof. Dr. Cornelius Herstatt, Leiter des Instituts für Technologie- und Innovationsmanagements (TIM) an der TUHH, an dem die Studie durchgeführt wurde. Zwischen 2001 und 2006 gab es 32 Firmenübernahmen durch indische Unternehmen in Deutschland, aber nur 21 durch chinesische Unternehmen. Laut einer Studie der Unternehmensberatung Deloitte (2007) entfiel knapp ein Viertel (23%) aller Übernahmen durch Firmen aus Schwellen- und Entwicklungsländern in Deutschland zwischen Mai 2004 und Juni 2007 auf indische Firmen.
„Indien ist inzwischen zu einer Hauptinvestitionsquelle aus Schwellen- und Entwicklungsländern in Deutschland avanciert“, bestätigt Rajnish Tiwari, der die Studie der TUHH leitete. Tiwari schätzt das Gesamtvolumen indischer Investitionen in Deutschland auf über $ 4 Mrd. Somit übertrifft es mittlerweile das Gesamtvolumen deutscher Investitionen in Indien, das nach statistischen Angaben bei rund $ 2,3 Mrd. liegt. Diese beachtliche Entwicklung hat in der Wissenschaft bisher wenig Aufmerksamkeit erfahren, so dass „bislang kaum empirische Erkenntnisse über die Motive, Erfahrungen und Beschäftigungseffekte indischer FDI in Deutschland vorlagen“, betont Prof. Herstatt, dessen Institut zu den wenigen wissenschaftlichen Einrichtungen in Deutschland zählt, die sich mit den ökonomisch-wirtschaftlichen Entwicklungen in Indien beschäftigen. Der traditionelle Schwerpunkt deutscher Forschung mit Indienbezug liegt bekanntermaßen im soziokulturellen Bereich.
Für die Studie führten die Autoren Rajnish Tiwari und Jayachandran K. Mani eine umfassende Analyse indischer Investitionen in Deutschland durch und interviewten mehrere Experten deutscher Investitionsförderungsinstitutionen. Zudem wurde eine Befragung indischer Unternehmen in Deutschland durchgeführt, an der sich 21 indische Unternehmen (17% der Grundgesamtheit) beteiligten. Erste Ergebnisse wurden im Rahmen der 2. India Week in Hamburg im letzten November vorgestellt.
Die Studie ergab, dass die „Kundennähe“, der „Zugang zu Technologie“ und der Wunsch nach einer „marktspezifischen Produktentwicklung“ oft die wichtigsten Investitionstreiber für indische Firmen in Deutschland sind. Die überwiegende Zahl der Respondenten war mit der Investitionsentscheidung zufrieden und vermeldete eine positive Geschäftsentwicklung. Des Weiteren gaben die meisten Respondenten an, Folgeinvestitionen bereits getätigt zu haben oder zu planen. Jedoch sahen sich viele auch mit Herausforderungen im Tagesgeschäft in Deutschland konfrontiert. Neben „hohen Operationskosten“, „Fachkräftemangel“ und „aufwendigen Aufenthalts-/Arbeitserlaubnisverfahren“ wurden auch Probleme wie „unterschiedliche Arbeitskultur“, „Sprachprobleme“ und „Integration von Expatriates in den deutschen Alltag“ thematisiert.
Die Studie gibt einen positiven Ausblick für indische Investitionen im laufenden Jahr. In diesem Zusammenhang verweist Tiwari auch auf die Anfang Januar getätigte Übernahme der britischen Firma Visiocorp durch den indischen Autozulieferer Motherson Sumi Systems Ltd. Visiocorp hat 4 Tochterunternehmen in Deutschland, u.a. die Visiocorp Automotive GmbH in Wolfsburg und Visiocorp Group Services GmbH in Stuttgart. Auch der IT-Konzern Infosys, der über Barreserven in Höhe von $ 1,9 Mrd. verfügt, hat Übernahmepläne für Kontinentaleuropa angekündigt. Deutschland dürfte in diesem Zusammenhang ein sehr interessanter Markt sein.
„Indische Unternehmen haben gerade erst angefangen, Deutschland zu entdecken“, sagt Prof. Herstatt, „es gibt weiterhin ein enormes Potential für deutsch-indische Zusammenarbeit“.
Studienergebnisse und weitere Informationen zum Forschungsprojekt:
http://www.global-innovation.net/projects/grd/india/outbound-fdi/index.html





