(openPR) 2,7% Wachstum für die indische Landwirschaft 2006/07 gegenüber 10% für die Industrie und 11,2% für den Diensleistungsbereich. Die indische Landwirtschaft kann mit der allgemeinen wirtschaftlichen Entwicklung in Indien nicht Schritt halten. Zwei Drittel der arbeitenden Bevölkerung ist in der Landwirtschaft beschäftigt trägt aber nur noch 18,5% zum indischen Brutosozialprodukt bei.
Die Faktoren, die ein stärkeres Wachstum behindern, sind vielschichtig. Die Anbauflächen lassen sich kaum noch erweitern. Sie schrumpfen sogar durch den Landhunger der wachsenden Städte und der Industrie. Zudem sind die Felder der Bauern vielfach zu klein, um mechanisch bearbeitet zu werden. Die in Indien übliche Erbteilung vermindert die Betriebsflächen ebenfalls. Über 80% der Anbauflächen sind im Besitz von Kleinbauern, die sich kaum eigenes technisches Gerät leisten können. Der Einsatz von Düngemitteln und Pestiziden verbleibt im weltweiten Vergleich unterdurchschnittlich und die Erträge fallen geringer aus. Ein Großteil des Feldbaus bleibt auf natürliche Bewässerung angewiesen, so dass sich ein guter oder schlechter Monsun bis vor kurzem noch als ein entscheidender Faktor für die Höhe des nationalen Wirtschaftswachstums darstellte.
Politische Brisanz
Die Vorgängerregierung der jetzigen Kongressregierung stürzte über den Umstand, dass es ihr nicht gelang, einen Teil des durchaus gestiegenen nationalen Wohlstands in die ländlichen Regionen umzuleiten, in der immer noch die Bevölkerungsmehrheit lebt. Premierminister Manmohan Singh warnte eindringlich vor einem Land der Wohlstandinseln, zu dem sich Indien mit seinen urbanen Industrie- und Dienstleistungszentren immer mehr entwickelt. Trotz guter wirtschaftlicher Zahlen wurde bisher keine indische Regierung im Amt bestätigt, der es nicht gelang, die Landbevölkerung auf seine Seite zu ziehen.
Wandel durch Handel
Der Wandel in der landwirtschaftlichen Produktionsweise könnte ausgerechnet vom Konsumverhalten der neuen städtischen Mittelschicht begünstigt werden. Sowohl die Konsumenten als auch der Einzelhandel fragen mehr verarbeitete Lebensmittel nach. Der Nachschub für die neuen indischen Supermärkte kann aber nur mittels gleichbleibende Qualitäten durch die landwirtschaftlichen Erzeuger und eine funktionierende Logistik - unter anderem moderne Kühlketten - gelingen. Die indische Landwirtschaft wird darauf reagieren müssen.
Mechanisierung schreitet voran
Mit einem neuen Werk für 18 Mio. Euro in der Nähe Chandigarhs, der gemeinsamen Hauptstadt der Bundesstaaten Punjab und Haryana – den Kornkammern Indiens – drückt die Harsewinkler Firma CLAAS ihre ganze Zuversicht in den landwirtschaftlichen Sektor des Schwellenlands aus. „Eine Milliarde Menschen müssen ernährt werden“, so Allister Lamb von CLAAS INDIA. Die Firma stellt Erntemaschinen her, die an die besonderen Anforderungen der indischen Verhältnisse angepasst sind. Die teuren Maschinen würden gar nicht von den Bauern selbst, sondern meist von contractors gekauft. Diese ernteten dann die Felder der Landwirte ab. Trotz aller Hindernisse auf dem Subkontinent ist man beim münsterländisch-ostwestfälischen Landmaschinenhersteller sicher, auf den richtigen Markt gesetzt zu haben. Langfristig wird die Mechanisierung der indischen Landwirtschaft fortschreiten.
Export diversifiziert sich
Neben den klassischen indischen Exportgütern aus dem Agrarsektor wie Tee, Gewürze und Cachewnüssen, fördert Indien die Ausfuhr von Früchten wie Weintrauben und vor allem Mangos. Diese wurden bisher fast nur als Pulpe exportiert. Eine wahrhafte Sünde: Wissen doch alle Indienfahrer, um wieviel besser indische Mangos schmecken als ihre südamerikanischen Vettern, die in deutschen Supermärkten angeboten werden. Mit der Verbesserung der Logistikketten steigen die Chancen bald öfter indische Mangos in Deutschland genießen zu dürfen.
Chancen für deutsche Unternehmen
Die Möglichkeiten für deutsche Unternehmen von der indischen Landwirtschaft zu profitieren sind vielfältig. Neben den wenigen deutschen Unternehmen, die direkt an den indischen Landwirt herantreten, gibt es vor allem in der Lebensmittelverarbeitung, den Kühlketten, der Logistik und letztendlich sogar im derzeit noch nur den Indern vorbehaltenen Einzelhandel genügend Ansatzpunkte.







