(openPR) Fromme Mönche, strenges Fasten, starke Biere
In Bayern ticken die Uhren bekanntermaßen etwas anders. Begnügt man sich außerhalb des Freistaates mit vier Jahreszeiten, legen die Bayern großen Wert auf eine fünfte: die Zeit der Fastenstarkbiere. Vor Jahrhunderten in Klosterbrauereien entwickelt, haben die stark ein-gebrauten Biere von Josephi (19. März) bis zum Beginn der Karwoche im Bierland Bayern Hochsaison. Bei zahlreichen Starkbierfesten sind die gehaltvollen, malzbetonten Traditionsbiere die Stars.
München, Februar 2004 (trg). Von jeher brauten Ordensleute wohlschmeckendes Bier, das ihnen als köstliche Er-gänzung zu den kargen Klosterspeisen diente. Vor allem während der strengen Fastenzeit war den Mönchen daran gelegen, die wenige feste Nahrung, die sie zu sich nehmen durften, durch gehaltvolle Getränke zu kompensieren. Denn es galt die Regel: „Flüssiges bricht Fasten nicht!“. Die kundi-gen Braumeister erkannten rasch, dass Bier angenehm sättigte, wenn man es nur stark genug einbraute.
Die Braugenehmigung war „Chefsache“
Zur Starkbierherstellung benötigten die Klöster eine gesonderte Genehmigung durch die kirchliche Obrigkeit. Und so füllte man ein Fässchen ab und schickte es zum Papst nach Rom. Dort angekommen, kostete der Heilige Vater den viel gelobten Trank und hatte keinerlei Bedenken, dass er dem Seelenheil der Mönche abträglich sei: Durch die lange Reise, den holprigen Transport über die Alpen und die südlichen Temperaturen war das Bier sauer geworden und hatte einen grauslichen Geschmack.
In der Heimat schmeckte der Fastentrunk nicht nur den Mönchen. Die Kunde von den wuchtigen, malzbetonten Bie-ren hatte sich schnell herumgesprochen. Noch heute ist in Bayern alljährlich um den Josephitag (19. März) Starkbieran-stich und zahlreiche Brauereien und Wirtshäuser veranstalten zünftige Feste.
Das bekannteste und traditionsreichste bayerische Starkbier-fest findet auf dem höchsten Berg Münchens statt, dem Nockerherberg. Hier versammelt sich alljährlich die bayerische Prominenz zum „Salvatoranstich“, gewürzt durch das berühmte „Politiker-Derbleckn“ (Verspotten).
Heiteres Spiel um eine Rarität
Die Oberfranken pflegen mit den legendären „Eisbockfesten“ eine lebendige Tradition. Der Eisbock verdankt seine Entstehung einem fränkischen Brauergesellen, der nach einem langen Arbeitstag keine Lust mehr hatte, die schweren Bierfässer vom Brauereihof in den Keller zu rollen. In der eiskalten Nacht gefror das Bier in den Fässern und sie barsten. In der Mitte dieser Eisblöcke hatte sich jedoch ein Konzentrat gebildet, das dank seines hohen Alkoholgehaltes nicht gefroren war.
Als der Meister am nächsten Morgen das Unglück entdeckte, befahl er dem Gesellen zur Strafe die braune Flüssigkeit zu trinken. Der war nach anfänglichem Zaudern schnell begeis-tert: Das Gefrieren hatte dem kräftig eingebrauten Starkbier Wasser entzogen und so ein kräftiges, sämiges und sehr malziges Bier hervorgebracht. Der Eisbock war geboren.Bei den alljährlichen „Eisbockfesten“ in Kulmbach und Umgebung tragen Büttner zum offiziellen Eisbockanstich einige historische Holzfässer mit gefrorenem Starkbier auf die Büh-ne. Sie entfernen die Eisenringe des Fasses und zapfen den Eisbock durch ein in den Eismantel gebohrtes Spuntloch an. Beim anschließenden „Prosit der Gemütlichkeit“ schmeckt das Starkbier doppelt so gut!
BIERKUNDE Fastenstarkbiere
Bayerische Bock- und Doppelbockbiere gehören zu den Starkbieren. Für Bockbiere sind mindestens 16 % und für Doppel-bockbiere mindestens 18 % Stammwürzegehalt vorge-schrieben. Daraus ergibt sich ein Alkoholgehalt von ca. 6,5 % bis über 7,5 %.
Der Eisbock ist mit nahezu 25% Stammwürze- und über 8 % Alkoholgehalt eine der stärksten bayerischen Bier-Spezialitäten. Man nennt ihn auch „Bayerisch G’frorns“. Auch das obergärige Weizenbier gibt es als Weizenbock und Weizendoppelbock.Doppelbockbiere (hell oder dunkel) schmecken vollmundig, malzbetont und haben oft eine leichte Karamellnote.
Charakteristisch für die Fasten-Doppelbockbiere sind ihre klangvollen Namen, die allesamt auf -ator enden, z. B. Salvator, Animator, Bajuvator, Maximator, Optimator, Triumphator, Delicator, Vitaminator ...
Ob in der traditionellen Steingutmaß oder im 0,1-Liter-Krügerl als prickelnd vollmundiger Aperitif genossen, die bayerischen Starkbiere sind echte Feinschmecker-Biere!
Veranstaltungstermine finden Sie im Bayerischen Bier-kalender unter www.bayerisches-bier.de.







