(openPR) Hamburg - Südkoreas Präsidenten Roh Moo- hyun ist gelungen, was ihm noch zu Jahresbeginn kaum jemand zugetraut hatte: Seine neue Uri-Partei, die seine Anhänger aus Frust über das verkrustete politische System gegründet hatten, hat die Parlamentswahl haushoch gewonnen. Das zeigt, dass die Wähler – vor allem die jungen – immer noch an den unkonventionellen Roh glauben. Er werde einen frischen Wind durch das Land wehen lassen, hoffen sie und verzeihen ihm dafür auch die Fehltritte, die sich Roh seit seinem Amtsantritt im vergangenen Jahr geleistet hatte. Roh darf nun nicht übermütig werden, zumal er seinen Wahlsieg nicht zuletzt dem ungeschickten Versuch der Opposition zu verdanken hat, die ihn mit juristischen Tricks aus dem Amt hebeln wollte.
Diesen Vorstoß wird das Verfassungsgericht wohl annullieren, sodass Roh aus der peinlichen Affäre gestärkt hervorgeht. Dem Vertrauen der Wähler muss er aber erst noch gerecht werden, indem er sich als ernsthafter Staatsmann bewährt. Der Selfmademan kann es sich nicht mehr leisten, sich einfach als überfordert zu bezeichnen. Wenn es Roh gelingt, seine junge Partei aus der üblichen Kungelei zwischen Politik und Großkonzernen herauszuhalten, könnte er ein überzeugendes Gegenmodell zu den Konservativen etablieren. Der jüngste Aufschwung in Südkorea kommt ihm gelegen, um sein Land gegenüber ausländischen Investoren präsentabel zu machen. Den Wunsch nach einer eigenständigen Außenpolitik aber muss Roh verbinden mit einer realistischen Einschätzung seiner Möglichkeiten – vor allem gegenüber dem mächtigen Bündnispartner USA.









