(openPR) Stellungnahme der chirurgischen Fachgesellschaften und der Adipositas-Gesellschaft zum HTA-Bericht
Das Deutsche Institut für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) hat im August 2008 den HTA-Bericht zur medizinischen und ökonomischen Beurteilung adipositas-chirurgischer Maßnahmen gegenüber konservativen Strategien der Lebensstil-änderung bei erwachsenen Patienten mit morbidem Übergewicht (Adipositas Grad III) veröffentlicht.
„Grundsätzlich ist unsere Haltung zum HTA-Bericht positiv, denn er bestätigt einmal mehr, dass die chirurgische Therapie der krankhaften Adipositas (sehr starkes Übergewicht ab BMI 40) das Auftreten von Begleiterkrankungen deutlich reduzieren bzw. ihr Auftreten verhindern kann“, kommentierte Prof. Dr. med. Rudolf A. Weiner, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie der Adipositas (DGCA) und Mitglied im Beirat der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG), den HTA-Bericht. „Wir kritisieren jedoch, dass die in Deutschland seit 2005 laufende Studie zur Qualitätssicherung im Bericht keine Erwähnung findet, obwohl ihre Daten mehrfach publiziert wurden; gleichzeitig wird die angeblich fehlende Qualitätssicherung angemahnt“, so Weiner weiter. Derzeit werde jedoch alles daran gesetzt, die Qualität in der Adipositaschirurgie bei stark zunehmender Nachfrage bundesweit zu sichern. So sei auch kürzlich die Zertifizierung von Kompetenz- und Referenzzentren ab 2009 durch die Deutsche Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAVC) und deren Servicegesellschaft SAVC durch die Chirurgische Arbeitsgemeinschaft für Adipositastherapie der DGAVC beschlossen worden, fügte Weiner hinzu.
„Hinsichtlich der ökonomischen Beurteilung der Adipositaschirurgie zeigt der HTA-Bericht einige Schwächen - eine wissenschaftlich hinreichende Aussage zu diesem Aspekt ist derzeit aber noch nicht möglich“, so Prof. Dr. med. Manfred J. Müller, Präsident der DAG. Der konservativen Therapie komme nach wie vor eine wichtige Bedeutung zu: „Operative Maßnahmen sind in der Regel erst im hochgradigen Adipositasbereich ab BMI 40 sinnvoll, wenn konservative Therapien nachweislich versagt haben“, stellte der Präsident der DAG fest. Es werde auch zunehmend deutlich, dass erst eine konsequente Vorbereitung durch spezialisierte Mediziner und Lebensstiltherapeuten für die Bereiche Ernährung, Bewegung und Verhaltensänderung die Patienten optimal auf adipositas-chirurgische Eingriffe und das Leben danach vorbereiten kann. Nach einer Operation sei eine langfristige interdisziplinäre Weiterbetreuung und Anleitung zu einem gesunden Lebensstil eine notwendige Voraussetzung für die Begrenzung möglicher Nebenwirkungen und das Wiedererlangen einer langfristig hohen Lebensqualität. „Zukünftig werden sich der ambulante und der chirurgische Bereich enger vernetzen. Hier müssen Strukturen aufgebaut und Konzepte entwickelt werden“, forderte der DAG-Präsident. „Die Adipositas-Gesellschaft kann hier z. B. durch fortlaufende Aktualisierung der evidenzbasierten Leitlinien zur konservativen und chirurgischen Therapie der Adipositas, durch eine Vernetzung der Akteure und die geplante Zertifizierung ambulanter Einrichtungen einen wichtigen Beitrag leisten“, so der Ausblick des DAG-Präsidenten.
Die Stellungnahme zum HTA-Bericht im Original finden Sie unter „Mitteilungen“ bei: www.adipositas-gesellschaft.de
Hintergrundinformationen:
HTA ist die Abkürzung für „Health Technology Assessment“ und bezeichnet den Prozess der systematischen Bewertung medizinischer Verfahren und Techno-logien mit Bezug zur gesundheitlichen Versorgung der Bevölkerung. Als koordinierende Instanz fördert die Deutsche Agentur für HTA (DAHTA@DIMDI) des Deutschen Instituts für Medizinische Dokumentation und Information (DIMDI) die Erstellung von HTA-Berichten zu Nutzen, Risiko, Kosten und Auswirkungen medizinischer Verfahren und Technologien. Als Basis dient eine öffentlich zugängliche Themensammlung, zu der grundsätzlich jeder eine gewünschte Fragestellung ergänzen kann.











