(openPR) Seine Bilder stehen wortwörtlich „Kopf“. Mit diesem Markenzeichen hat Georg Baselitz die internationale Kunstwelt erobert. Alle Museen mit Rang und Namen zeigen seine neoexpressionistisch-figurativen Kunstwerke. Wenn es einen Nobelpreis der Künste gibt, dann ist es der „Praemium Imperiale“ der Japan Art Association. 2004 erhielt Baselitz diese begehrte Auszeichnung. Im Foyer des Kanzleramts war der Künstler mit einer großen Holzskulptur vertreten. Georg Baselitz hat es geschafft, weltweit als einer der wichtigsten deutschen Künstler der Gegenwart wahrgenommen zu werden. Seit vielen Jahren belegt er erste Plätze in dem jährlich erscheinenden Capital-Kunstkompass.
Seine Bilder sind hingetupft, mit wenigen dünnen Zeichnestrichen umrissen oder mit einem riesigen Pinsel in großen Gesten auf die Leinwand gebracht. Immer sind sie isoliert und stehen außerhalb eines Bildzusammenhangs. In der fast dämonischen Verzerrung der menschlichen Gestalt, die er hauptsächlich zum Bildthema macht, zeigt sein Stil Einflüsse des deutschen Expressionismus. Seine Sujets sind ihm Anlass für eine gestische Kunst, die sich selbst als solche thematisiert. „Niemals aber hat das Naturstudium oder das Schönschreiben wirklich neue Ergebnisse gebracht. Ich glaube nicht, dass man durch besseres Hinsehen noch bessere Bilder malen kann als die, die es schon gibt. Darin liegt nicht das Problem der Malerei. Für mich ist das Sichtbare nur eine Haut“, sagte Georg Baselitz vor einigen Jahren.
Unter surrealistischem Einfluss fragmentiert er 1966 seine Bilder durch Schnitte und setzt sie gegeneinander. Ab 1969 stellt er die Bildsujets auf den Kopf, wodurch Baselitz die Blickrichtung von der Bildmotivik weg und hin auf die Malweise mit Nachdruck akzentuiert. Die kopfüber dargestellte Figur, ob Mensch oder Tier, ruft viele unterschiedliche Interpretationen hervor. Der Kunsthistoriker Werner Spies sieht darin den „Umgang mit abgehängtem Fleisch, der sich auf Auschwitz bezieht, auf das industrielle Töten und Zerlegen“ und stellt den Bezug zu Tizians berühmtem Spätwerk mit der kopfüber dargestellten Marsyas-Gestalt her. Weniger düstere Assoziationen kommen vor allem Künstler-Kollegen in den Sinn. Sie sehen in den umgekehrten Sujets eine neue Perspektive, die eine freiere Maltechnik und ein neues Sehen jenseits vorgefertigter ästhetischer Schubladen ermöglichen. Der Kunstliebhaber erfreut sich an dem Wiedererkennungswert der Baselitz-Bilder und schätzt den anderen Blickwinkel. Diese Perspektive nimmt der Künstler tatsächlich ein. Wer meint, dieser male seine Figuren erst „richtig herum“ und drehe sie nach Fertigstellung des Bildes um 180 Grad, der irrt.
Georg Baselitz schält in seiner Kunst eine allgemeine menschliche Dramatik heraus. Vor allem aber befreit er das Motiv von der Erinnerung an jene engen ästhetischen Normen, die im Namen des Sozialistischen Realismus auch ihm selbst in seiner Jugend auferlegt worden waren. „Das Charakteristikum meiner Bilder“, sagt Baselitz, „war und ist immer der Gegenstand, und der hatte oft mit meiner Biografie zu tun – Personen, Landschaften, Ereignisse“.?Die erstmals in Deutschland in den Hamburger Deichtorhallen gezeigte Serie großformatiger Bilder thematisiert Lenin, Stalin und dessen Propaganda, die russisch-deutsche Geschichte im 20. Jahrhundert und die Frage des Realismus in der Malerei. Die Bejahung und Rückgewinnung der Malerei aus der unterkühlten Welt des Sozialistischen Realismus oder anderer neoakademischer Stile sei denn auch ein untergründiges Thema der Russenbilder, stellt der Direktor der Deichtorhallen, Robert Fleck fest.
(Dagmar Gold)
Georg Baselitz wurde am 23. Januar 2008 70 Jahre alt. Die Londoner Royal Academy hatte dem Künstler eine große Retrospektive gewidmet. In Deutschland widmet die Kunsthalle Würth dem Künstler eine Ausstellung ab 27.9.2008 bis Anfang Februar 2009.
Kunstwerke Baselitz: www.arteviva.de












