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KUNST-INVESTMENT

24.09.200908:54 UhrKunst & Kultur
Bild: KUNST-INVESTMENT
Entwicklung der Kunstpreise. Quelle: artprice.com
Entwicklung der Kunstpreise. Quelle: artprice.com

(openPR) KUNST-INVESTMENT
Autorin: Dagmar Gold

Die exorbitante Preisentwicklung im internationalen Kunstmarkt reguliert sich. Aber nach wie vor ist die Wertschöpfung enorm. Arrivierte, gute Kunst findet seine Käufer. Paris und London haben als bedeutende Handelsplätze New York abgelöst.



Der globale Kunstmarkt hatte 2008 einen Gesamtwert von rund 28 Milliarden Dollar, Mit neuen Investoren aus Indien, China und Russland meldete er bis Ende 2008 regelmäßig neue Superlative. Nach einer Studie des Kunstversicherers Hiscox ist der globale Markt für die Kunst der klassischen Moderne, auf dem Künstler von Picasso bis Beuys gehandelt werden, von 2007 bis 2008 um 44 Prozent gewachsen. Der Markt für zeitgenössische Kunst wie die von Gerhard Richter und Damien Hirst gar um 55 Prozent. Durch die neuen Kunstkäufer aus der Finanzwelt, besonders in London und den USA, sowie aus Asien, arabischen Ländern und Russland erlebte der Kunstmarkt ab 2004 einen beispiellosen Boom. Moderne Kunst wurde weltweit, anscheinend jenseits der Religionsunterschiede, gesell¬schaftsfähiger, und der internationale Kunstmarkt erlebte einen beispielslosen Aufwärtstrend (Welt Online, 27.5.2006). Auch für die Globalisierungsgewinner in Asien – von Seoul bis Peking und Mumbai – galt Kunst als ein „Must to have“ und interessante Investition.
Die Finanzkrise wird den Kunstmarkt verändern - doch nicht unbedingt zum Schlechten.
„Nie war das Interesse an Kunst größer und ernster als heute - auf Biennalen, in Museen und bei Sammlern“, konstatiert Monopol"-Chefredakteur Cornelius Tittel (Monopol, 11/08). Auch wenn sich die Kunstpreise wieder auf das Niveau von 2005 einpendeln, bleibt der Trend Kunst zu kaufen insgesamt stabil. Das Stimmungsbarometer „AMCI“ von artprice.com hat gezeigt, das 70 % der Befragten auch jetzt ein starkes Interesse am Kunstkauf haben. Die etablierte Kunst kann nicht wirklich im Wert fallen, denn vermögende Sammler, große Museen und bedeutende Händler haben ein Interesse am Werterhalt und werden keine Notverkäufe tätigen. Es ist eher so, dass auf Kunstauktionen Spitzenlose über die Millionengrenze knapp werden, denn die Eigentümer großer Kunst liefern derzeit wenig ein. Die Flucht in sichere Sachanlagen und die Besinnung auf arrivierte Zeitgenossen, alte Meister und Klassische Moderne trägt zur Konsolidierung des Kunstmarkts bei. Eine sichere Anlage bietet in der Regel arrivierte Kunst bis 10.000 Euro – das zeigen die ungebrochen guten Verkäufe in diesem Segment. Auf jeden Fall ist es vorbei mit dem Contemporary Boom für unbekannte Künstler, deren Leinwände aus dem Atelier heraus sich für 200.000 Euro verkauft haben, wie noch vor einem Jahr in New Yorker Galerien und auf den internationalen Kunstmessen. Im Trend liegt die Besinnung auf gesicherte Werte und Tradition. Ist ein Künstler erst einmal etabliert, besteht für seine Werke eine weltweite Nachfrage. Arrivierte Kunstwerke unterliegen kaum den Gesetzen des Alterns und behalten ihre Attraktivität und damit Werthaltigkeit.
Gemälde, Skulpturen, Graphiken und Fotografien sind begehrte Anlageobjekte, von denen ansehnliche Renditen erwartet werden. Dabei hatte die Geldanlage in Kunstwerke vor allem einen Vorteil: Auf die üblichen Indikatoren, die Aktien oft kurzfristig abstürzen lassen, reagierte sie bislang kaum. »Der Ölpreis kann steigen, Inflationszahlen oder die Arbeitslosenquote können mies ausfallen – der Kunstmarkt ist gegenüber all diese Ereignisse relativ immun«, sagte im Frühjahr 2008 der Londoner Kunstmarktexperte Stuart O’Donnell. Ein Jahr später hat sich diese These nur bedingt bewahrheitet. Die großen Auktionshäuser Christie’s und Sotheby’s vermelden signifikante Umsatzeinbrüche von ca. 45 % im 2. Quartal 2009 im Vergleich zum Vorjahr (1,7 Mrd. $ im 1. Hj. 2009 im Vgl. zu ca. 3 Mrd. $ im 1. Hj. 2008). Das ist auf die Kaufzurückhaltung in den USA, Asien und Russland zurückzuführen. Die europäischen Sammler kaufen nach wie vor qualitätvolle Kunst, wie es die Auktion der Sammlung Yves Saint-Laurent in Paris gezeigt hat. Nicht zuletzt durch diese Auktion nimmt derzeit die französische Hauptstadt den Spitzenplatz im Kunstauktionsmarkt ein vor London und New York.
Kunst als Investition ist nach¬haltig inter¬essant. In Krisenzeiten konnte schon immer günstig Kunst eingekauft werden. Ge¬winne durch Kunst-Invest¬ment sind statistisch nach¬weisbar: So brachte es Sigmar Polke innerhalb von zwei Jahrzehnten 30,1 % Rendite pro Jahr (Quelle: Kunstmarkt.com). Der Kunstmarkt beweist, dass seit Jahren der Aufwärtstrend stabil ist und mit einer jährlichen Wachstumsquote von 5 % (artinvestor) auch für Anleger attraktiv sein kann.

Eignet sich tatsächlich Moderne oder Zeitgenössische Kunst als Kapitalanlage? Mit dieser Frage beschäftigt sich die Studie „Contemporary Art – eine Assetklasse zur Portfoliodiversifikation“, die das F.A.Z.-Institut herausgegeben hat. Redakteur und Autor Eric Czotscher vom F.A.Z.-Institut gibt einen ausführlichen Einblick in den Kunstmarkt und stellt den Vergleich zu anderen Investmentmärkten her. Auch die Dresdner Bank Studie „Investing in art – the art of investing“ gibt Einblicke in die Kunst des Kunstinvestments. Und wie kann man nun in Kunst gezielt investieren? Wie jede andere Anlageform braucht der Anleger auch bei der Kunst fundierte Sachkenntnis, langjähriges Fachwissen und viel Zeit zum Sehen und Vergleichen. Leider ist der Kunstmarkt, anders als andere Märkte, nicht strukturiert und von Intransparenz und Diffusion geprägt. Deshalb ist die Einschaltung von Experten beim Kunstkauf ratsam.

Man kann Kunst kaufen oder in einen Kunstfonds investieren.

Die Hamburger Art Estate Funds GmbH hat den ersten geschlossenen Kunstfonds mit einem Gesamtvolumen von 7,3 Millionen Euro vollständig platziert. Allerdings gilt dieser Fonds der Art Estate GmbH & Co I. Fonds KG aus dem EECH-Konzern für Anleger als riskant, denn prognostizierte jährliche Wertsteigerungen von 10 Prozent für die Bilder erscheinen wenig realistisch. Die in den Fonds eingebrachten Kunstwerke wurden nämlich bereits innerhalb des Konzerns mit Zwischengewinn weiterverkauft. So zahlte die Art Estate Funds für die Kunstwerke 5,1 Millionen Euro, um sie sodann für 5,5 Millionen Euro an den Kunstfonds weiterzuverkaufen. Anleger haben in den Fonds ­inklusive Kosten 7,3 Millionen Euro eingezahlt. Das Landgericht Hamburg untersagte der EECH Group mit dem Satz „Bafin (Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, die Red.) genehmigt erste deutsche Kunstanleihe“ zu werben. Hierüber wurde auf kapital-rechtinfo.de berichtet.

Christie’s hat angesichts der Finanzmarkt- und Wirtschaftskrise den geplanten eigenen Kunstfonds vorerst gestoppt. Die britische Fondsgesellschaft Castlestone hingegen hat im Mai 2009 ihren ersten Kunstfonds für Privatanleger aufgelegt. Der Collection of Modern Art Fund soll Anlegern aus Großbritannien, Europa und Asien ab einer Einlage von 10.000 $ offen stehen. Castlestone-Chef und Manager des Fonds Angus Murray will in Werke von Impressionisten, in Nachkriegs- und zeitgenössische Kunst investieren. Neben Bildern will er auch Skulpturen und Fotografien kaufen. Vorwiegend sollen Werke von Künstlern ins Portfolio kommen, die im AMR Art 100 Index von Art Market Research gelistet sind und regelmäßig gute Zweitmarktpreise erzielt haben; das sind etwa Jasper Johns, Damien Hirst und Willem de Kooning. „Kunst wird sich sehr gut entwickeln. Sie ist ein Sachwert, genau wie Gold ein Sachwert ist“, sagt Murray. Gerade nach den Korrekturen am Kunstmarkt seien die Aussichten gut, nicht zuletzt, weil in immer mehr neuen Metropolen Museen gebaut würden. „Viele dieser Museen werden versuchen, Weltklasse-Sammlungen aufzubauen und mit ihrer Nachfrage die Preise in die Höhe treiben.“ Murray berät seit 2000 Kunstinvestoren. Er selbst lässt sich von Auktionshäusern, Händlern und Künstlern selbst beraten. 25 Millionen Dollar hat Castlestone bereits eingesammelt, weitere 25 Millionen Dollar sind fest zugesagt. Der Fonds soll auf den Britischen Jungferninseln (British Virgin Islands, BVI) aufgelegt werden und acht Jahre laufen. Anleger können monatlich ein- und aussteigen, beim frühzeitigen Verkauf wird aber eine Rücknahmegebühr fällig. Ein Investment ist zudem nur über qualifizierte Berater möglich. Die Managementgebühr beträgt 1 Prozent, die erfolgsabhängige Gebühr 20 Prozent (Quelle: dasinvestment.com, Christopher Nachtweh).

Mit dem Konzept eines Kunstfonds war der legendäre British Rail and Pension Fund prominenter Vorreiter, der schon 1974 ca. 40 Mio. Englische Pfund in Kunst investiert hat. Innerhalb von acht Jahren erwarb der British Rail Pension Fund 2.245 Objekte aus 13 verschiedenen Sammelbereichen. Hierzu zählten so unterschiedliche Gebiete wie Altmeister-Gemälde und chinesisches Porzellan, französische Möbel ebenso wie Silber und alte Bücher, Glaskunst und Gemälde der Klassischen Moderne. Die Anlagepolitik in diesen 13 Sammelgebieten wurde dergestalt definiert, daß man in jedem Bereich die qualitativ hochwertigsten am Markt befindlichen Objekte zu kaufen beabsichtigte.??13 Jahre nach dem ersten Ankauf begann man 1987 mit dem schrittweisen Verkauf der zusammengetragenen Kunstobjekte. Zehn Jahre später, am 24. November 1997, war dieses erste große Experiment eines renditegetriebenen Investments in Kunst nahezu abgeschlossen: Lediglich 30 Objekte befanden sich nach der am gleichen Tag erfolgreich durchgeführten Auktion von 33 antiken Gläsern des Fonds noch in dessen Besitz. Das Ergebnis des Investments konnte sich sehen lassen und erstaunte die ursprünglich so skeptische Fachwelt aus der Kunst- und Investmentbranche: 11,8 % Rendite pro Jahr über einen Zeitraum von 23 Jahren stellte traditionelle Anlagen in festverzinslichen Wertpapieren und Immobilien weit in den Schatten und konnte selbst die Mehrzahl der langfristigen Ergebnisse von Aktienfonds übertrumpfen. Dabei hätte die Rendite durchaus noch wesentlich besser ausfallen können. Die Entscheidung, 13 sehr unterschiedliche Sammelgebiete zu verfolgen, führte in den einzelnen Investitionsbereichen zu durchschnittlichen Jahres-Returns zwischen knapp über 4 % bis zu über 20 %. Dieses zuletzt genannte herausragende Ergebnis erzielten Werke der Klassischen Moderne und des Impressionismus als der Fonds sie 1989 verkaufte. Leider hatte man nur 3,4 Millionen der 40 Millionen zur Verfügung stehenden Pfund in dieses Segment investiert. Eine weitere, das Gesamtergebnis negativ beeinflussende Größe war der Verkaufszeitraum, dessen überwiegender Teil in die Jahre nach dem Zerplatzen der großen Spekulationsblase am Kunstmarkt fiel. Konnte man 1987–1989 zu deutlich steigenden Preisen verkaufen, so war nach 1990 der Markt über Jahre hinweg völlig illiquide. Erst 1994 war es wieder möglich, auf einem markant reduzierten Preisniveau Sammlungsstücke des Fonds anzubieten. ?

Wer selbst Kunst kaufen und besitzen möchte, muss neben dem Kaufpreis auch die Versicherungskosten und eventuelle Lagerkosten sowie konservatorische Gesichtspunkte berücksichtigen. Kunst kann man in Kunsthandlungen und Galerien, auf Kunstmessen, in Auktionen oder seit 1990 auch über die nicht-öffentlichen „private sales“ der großen Auktionshäuser erwerben. Mit den Privatverkäufen sind die Auktionshäuser allerdings nicht mehr die unabhängigen Vermittler zwischen Käufer und Verkäufer. Sotheby’s erzielte zwischen April und Juni 2009 inzwischen 16,53 Prozent des Umsatzes mit privaten Vermittlungen (F.A.Z. Kunstmarkt 29.8.2009). Anders als die landläufige Auffassung, garantieren Auktionshäuser nicht für die Echtheit der Kunstwerke im Gegensatz zu Galerien oder Kunsthändlern, die von Gesetz wegen für die zugesicherten Eigenschaften haften und bei gegenteiligem Nachweis den Kauf rückabwickeln müssen.

Auf dem Kunstmarkt spielen Psychologie, Emotionen und Spekulation, wie auch bei den anderen Anlageformen, eine Rolle.

Der Kunstmarkt jedoch ist besonders stark von wenig berechenbaren Größen geprägt. Darauf weist auch Astrid Kießling, Kuratorin bei der Commerzbank und Dresdner Bank, hin: „Der Kunstmarkt ist nach wie vor ein sehr emotionaler Markt. Neben Daten und Fakten, die man inzwischen durchaus zusammentragen kann, spielen hier persönliches Gefallen und Vorlieben bei Kaufentscheidungen oft keine zu unterschätzende Rolle“. Gründliche Recherche und Information, bekannte Künstler, die in bedeutenden internationalen Kunstinstitutionen und –sammlungen vertreten sind und die Beobachtung der Marktentwicklung anhand internationaler Auktionsergebnisse bilden die wesentlichen Faktoren beim Kunstinvestment. Gerald R. Wimmer, Bereichsleiter 1822 Private Banking der Frankfurter Sparkasse, hat Kunden, die auch Kunstliebhaber sind und bereits beachtliche Sammlungen aufweisen. Er rät: „Wer Kunst kaufen möchte, sollte sich wirklich gut auskennen. Auf diesem diffizilen Markt muss man ein Grundinteresse für die Kunst als solche haben und sollte Renditevorstellungen nicht a priori in den Vordergrund stellen. Daher sollte diese im Rahmen einer gesunden Asset-Allocation auch nur einen kleinen Prozentanteil erhalten; der sich aber durchaus auch ‘rechnen’ kann.“

Auswahl des richtigen Timings und des richtigen Kunstsegments sind beim Kunstinvestment entscheidend.

Als Fazit dieser Übersicht für Investments im Kunstmarkt kann man festhalten, daß ein langfristiger Investor mit der Auswahl des richtigen Zeitpunkts für An- und Ver¬käufe und der richtigen Kunstsegmente auch heute Renditen erzielen kann, die sogar die Erträge von Aktieninvestments deutlich übersteigen können. Art-Banking-Abteilungen der großen Banken und Private Equity Geselschaften empfehlen, bis zu 15 % in Kunst zu investieren. Absolute Sicherheit gibt es beim Kunst-Investment wie auch bei allen anderen Anlageformen nicht, wie die Finanzkrise vor Augen führt. Ein Manager des renommierten britischen Kunstauktionshauses Sotheby’s sagte zu dem Thema: „Man muß schon sehr schlecht sein, um für Fehlinvestitionen in Aktien kritisiert zu werden. Wenn man in Kunst investiert, wird man von vornherein kritisiert“.? Im Unterschied zu anderen Anlageformen haben Kunstwerke den Vorteil, dass sie der persönlichen Bildung und dem Kunstgenuss dienen, oder in den Worten von Jörg Immendorff ausgedrückt: „Kunst heißt Weiterentwicklung des Menschen. Sonst nichts“.
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