(openPR) Dresden und Leipzig faszinieren den Besucher aufgrund ihrer kontrastreichen Baugeschichte. Die Entwicklung der beiden sächsischen Universitätsstädte stand jetzt auch im Mittelpunkt der diesjährigen Professoren-Exkursion des „Ziegel Zentrum Süd“. Die Organisation aus München ist in ganz Süddeutschland im Rahmen ihrer Hochschularbeit in den Fachbereichen Architektur und Bauingenieurwesen tätig. Jedes Jahr veranstaltet sie eine Exkursion zu Architektur-Highlights, die mit dem traditionellen Baustoff Ziegel errichtet sind. Diesmal standen Dresden und Leipzig mit ihren verschiedenen Ansätzen zur Denkmalpflege auf dem Programm. Plattenbauten aus den 60er Jahren, eine Vielzahl an denkmalgeschützten Gebäuden und deutlich ablesbare Baumaßnahmen nach der Wende sollen hier zu einem harmonischen Stadtbild zusammen geführt werden.
Frauenkirche, Semperoper, Gewandhaus, Industriearchitektur und Völkerschlachtdenkmal – Dresdens und Leipzigs touristische Ziele ziehen jährlich viele Besucher an. Die Stadtbilder sind jedoch weitaus vielseitiger geprägt: Hier trifft die politische und planerische Entwicklung der DDR-Zeit auf den Neubau-Boom nach der Wiedervereinigung, der wiederum durch eine Sanierungswelle in den gewachsenen Stadtvierteln abgelöst wurde. Das heterogene Stadtbild, das sich dadurch ergibt, zog jetzt auch die Teilnehmer der diesjährigen Professoren-Exkursion des Ziegel Zentrum Süd in seinen Bann. Sie ist Teil eines intensiven Austausches zwischen Ziegelherstellern und Hochschulen aus dem süddeutschen Raum. Professoren der Architektur und des Bauingenieurwesens werden hier zu einem interdisziplinären Diskurs zusammengebracht. „Die Exkursion bietet die rare Gelegenheit, bestehende Beziehungen zu vertiefen, neue Anknüpfungspunkte zu finden und interessante Konzepte für die Zukunft anzudenken. Dresden und Leipzig bieten dabei eine Vielzahl interessanter Ansätze“, erklärt Waltraud Vogler, Geschäftsführerin des Ziegel Zentrum Süd, die die Fahrt persönlich begleitete.
Frei geformte Mauerschale
Aufhänger der diesjährigen Exkursion war ein Forschungsprojekt aus Ziegelmauerwerk auf dem Campus der TU Dresden, das auch in München beim Ziegel Zentrum Süd Aufsehen erregt hatte. Die frei geformte Mauerschale wurde von Studenten entworfen, die auch ihre konstruktive Ausbildung entwickelten und ihr Tragverhalten auf der Basis einer numerischen Modellierung optimierten. Sie demonstrieren an diesem kleinen Bauwerk eine geometrisch komplexe Form aus unbewehrtem Mauerwerk, die ohne vollflächige Schalung errichtet wurde. Die freie Formbarkeit von Ziegelmauerwerk ist mit dem Trend zu großformatigen Elementen und dünnen Fugen in den Hintergrund getreten. In der Architekturgeschichte finden sich jedoch viele Beispiele doppelt gekrümmter Mauerwerksflächen, insbesondere Gewölbe. Die experimentelle Schalenkonstruktion und ihre Entstehung als physisches und digitales Modell präsentierten Professor Christoph Schulten, Dr. David Wendland und die Diplomingenieure Wolf Kurtz und Florian Schneider vom Lehrstuhl für Hochbaukonstruktion und Gebäudeerhaltung der TU Dresden. Die Teilnehmer der Exkursion besichtigten mit viel Interesse die Neubauten der sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek ebenso wie die historisierenden Universitätsgebäude aus Sichtziegel auf dem alten Campusgelände. Auch nach 100 Jahren bestechen sie durch ihre handwerklich anspruchsvolle Ausführung.
Alte und neue Bausubstanz
Aufgrund der singulären architektonischen Qualität durfte auch ein Besuch der Dresdner Frauenkirche bei der Exkursion nicht fehlen. Bei der archäologischen Rekonstruktion des im zweiten Weltkrieg zerstörten Bauwerkes mussten enorme baukonstruktive und statische Probleme gelöst werden, um die gewaltige, steinsichtige Kuppel der Kirche wieder herstellen zu können. Die Sicherung, Identifizierung und Wiederverwendung von Originalsubstanz aus dem Trümmerberg, der lange Jahre als Mahnmal fungiert hatte, zog umfangreiche Vorkehrungen für den Wiederaufbau an Ort und Stelle nach sich. Die um die Frauenkirche herum nach historischem Vorbild am Neumarkt bisher fertig gestellten Quartiere mit großflächiger Nutzung hinter kleinteiligen Fassaden rufen breite Kritik hervor: Manche Bauwerke wurden mit Außenwänden aus kleinformatigen Ziegeln nach historischen Vorbildern wieder errichtet, während daneben ganze Fassaden aus Beton gegossen und zum Teil mit Platten verkleidet wurden. Die kontroverse Diskussion um zeitgenössische Architektur in einem von Baudenkmälern geprägten Umfeld beschäftigte auch die Exkursionsteilnehmer. Weitere Stationen waren unter anderem die Neue Synagoge, das Militärhistorische Museum sowie die Gartenstadt Hellerau mit den Deutschen Werkstätten und dem Festspielhaus.
Ausgeprägte Stadtviertel
Leipzig präsentierte sich den Exkursionsteilnehmern mit seinen sehr ausgeprägten, unterschiedlichen Stadtvierteln. Im alten Musikerviertel entstehen neue Stadtvillen mit ambitionierten Entwürfen, die von Vertretern der Architekturbüros König Wanderer und Fuchshuber + Partner vorgestellt wurden. In Plagwitz ist dagegen eines der größten Industriedenkmäler Deutschlands zu finden. Die Architektur der Gründerzeit hat hier prachtvolle Backsteinfassaden hinterlassen. In den ehemaligen Buntgarnwerken und Baumwollspinnereinen, die jetzt noch ein Stück Wirtschafts- und Sozialgeschichte widerspiegeln, sind heute Büros, Ateliers und Lofts zu finden. Auch Stelzenhaus und Konsumzentrale sind Zeugen eines industriellen Booms der Region und bestechen mit ihrer architektonischen Qualität. Faszinierend auf ganz andere Art ist auch der „Rundling“ im Stadtteil Lößnig. Die Anlage ist in konzentrischen Kreisen aufgebaut und umfasst insgesamt 624 Wohnungen. Nach der Wende befand sich die Anlage in sehr schlechtem Zustand, so dass ein umfassendes Sanierungskonzept nötig war. Dipl.-Ing. Ines Gillner, Prokuristin der Leipziger Wohnungs- und Baugesellschaft, führte die Teilnehmer der Professoren-Exkursion durch die Siedlung und erläuterte zudem den Stadtumbau im Gebäudebestand Leipzigs, der Probleme und Potentiale der Stadt aufzeigt.
Nach vier ereignisreichen Tagen endete die Reise durch die beiden pulsierenden Großstädte in Sachsen, die auf eine ganz eigene Weise ein faszinierendes Spannungsfeld zwischen Alt und Neu vereinen. „Eine Vielzahl erhaltenswerter historischer Bauten findet sich überall zwischen moderner Architektur und bereits sanierten Baudenkmälern – auch mitten in Stadtzentren. Wirtschaftsaufschwung im Zeichen von Bevölkerungsschwund und Rückbau verlangt andere Maßnahmen als unsere Teilnehmer aus den süddeutschen Ländern es gewohnt sind“, erklärt Architektin Waltraud Vogler vom Ziegel Zentrum Süd.












