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Impulse für eine Innovationsoffensive

01.01.200410:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Die Anzeichen für einen wirtschaftlichen Aufschwung mehren sich. Jedoch kaum für Deutschland. Der Internationale Währungsfonds mahnt sogar, dass Deutschland zur Wachstumsbremse für das ganze EURO-Gebiet werden könne. Der Patient Deutschland ist chronisch krank. Seit Anfang der neunziger Jahre kommt die Bundesrepublik beim Wirtschaftswachstum nicht vom letzten Platz in der Europäischen Union weg.



Voraussetzung für eine Belebung der Wirtschaft ist eine rasche Beseitigung der Hindernisse. Die Politik muss Rahmenbedingungen schaffen, die Veränderungsprozesse auf allen Gebieten - in Wissenschaft, Wirtschaft und Verwaltung - beschleunigen, statt zu verzögern. »So notwendig das ist, so wenig reicht das jedoch aus, um wieder signifikantes Wachstum zu generieren. Hinzukommen muss eine Innovationsoffensive«, fordert Prof. Hans-Jörg Bullinger, der Präsident der Fraunhofer-Gesellschaft. »Nur mit innovativen Produkten und Dienstleistungen können wir den Schwung einer wirtschaftlichen Erholung nutzen zu neuer Wettbewerbsfähigkeit.« Innovationen treiben die Wirtschaft an. Langfristig erfolgreich sind nur diejenigen Unternehmen, die ihr Produktspektrum schneller erneuern als andere. Nicht durch verbesserte, sondern durch neuartige Produkte eröffnet man neue Märkte. Vorsprung erreicht man nicht durch Hinterherrennen, sondern durch Überholen auf neuen Wegen. »Für ein Hochlohnland wie die Bundesrepublik gibt es keine Alternative«, mahnt Bullinger. »Wenn wir in Deutschland einen deutlich höheren Lebensstandard haben wollen als Länder wie Korea, Taiwan oder Brasilien, dann müssen wir auch etwas herstellen oder etwas leisten, was diese Länder nicht können.«

Dass man trotz Konjunkturflaute und ungünstiger Rahmenbedingungen Gewinnzuwächse erzielen und die Marktposition ausbauen kann, machen uns auch in Deutschland eine ganze Reihe von Unternehmen vor. Die erfolgreichen Unternehmen zeichnet eine konsequente Innovationsstrategie aus. Während andere allein auf Kostenreduzierungen und Personalabbau setzen, investieren sie in neue Technologien und zielen auf qualitativ hochwertige Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen, guten Service und Kundennähe ab.

Nicht nur mittelständische, auch große Unternehmen stehen aufgrund der zunehmenden Globalisierung unter einem stetig wachsenden Innovationsdruck. Immer weniger deutschen Unternehmen gelingt es, sich an die Spitze des technischen Fortschritts zu setzen. Die deutsche Wirtschaft zehrt seit vielen Jahren von der Substanz. Das Gros der kleinen und mittleren Unternehmen hat sich weitgehend aus der Forschung verabschiedet. Dabei stehen gerade die Zulieferfirmen unter enormem Druck, sich an die Großunternehmen anzupassen. Wenn Unternehmen Investitionen in neue Technologien länger aussetzen und verschieben, verlieren sie an Leistungs- und Wettbewerbsfähigkeit. Besonders besorgniserregend ist, dass über die Hälfte aller Unternehmen auf stagnierenden oder schrumpfenden Märkten tätig sind. Wenn wir auch morgen noch wettbewerbsfähig sein wollen, müssen wir einen großen Speicher an zukunftsfähigen Ideen anlegen und diese auch Wirklichkeit werden lassen.

Bildung, Wissenschaft, Forschung und Technologie sind das Rück- grat für Deutschlands Position im internationalen Wettbewerb und die Grundlage für Wohlstand und Beschäftigung. Doch seit Anfang der 90er-Jahre ist Deutschland gerade auf diesen Gebieten zurückgefallen. Heute setzen andere Länder die Maßstäbe und Deutschland hat Mühe, ihnen zu folgen. Zwar ist es Bundesforschungsministerin Bulmahn seit 1998 permanent gelungen, den Etat zu erhöhen, doch 2003 wurde auch hier der Rotstift angesetzt. Bundeskanzler Gerhard Schröder hat angekündigt, die Etats der Forschungsorganisationen nach der Nullrunde in diesem Jahr ab 2004 wieder um jährlich drei Prozent zu erhöhen. Doch das reicht nicht aus, um internationale Spitzenpositionen zu erreichen.

Andere Industriestaaten haben eine Erhöhung der Forschungsausgaben konsequent umgesetzt: Von 2000 bis 2002 hat Schweden die Forschungsausgaben um 30 Prozent, die USA um 25 Prozent und selbst das rezessiongeplagte Japan um 15 Prozent erhöht. Deutschland hat im selben Zeitraum gerade noch sechs Prozent geschafft. Mit 2,5 Prozent Anteil der Forschungsausgaben am BIP lag Deutschland im Jahr 2002 auf Platz 7, hinter Schweden 3,9, Finnland 3,7, Japan 3,0, USA 2,8, Korea 2,7 und der Schweiz mit 2,7 Prozent.

Hier ist nicht nur der Staat, sondern vor allem auch die Wirtschaft gefordert. Sie muss ihre Ausgaben erheblich steigern. »Wenn wir nur mittelmäßig in Forschung investieren, werden wir auch nur mittelmäßige Ergebnisse bekommen«, betont der Fraunhofer-Präsident. »Wir müssen uns entscheiden, ob wir hinterher-, mitlaufen oder an der Spitze rennen wollen.«

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