(openPR) Berühmtestes Lied des Mittelalters vervollständigt
Bamberg (CAB) Man könnte es als Weltprämiere bezeichnen, würde nicht einiges dafür sprechen, dass dieses Lied bereits vor 800 Jahren in einer ganz ähnlichen Weise erklang: Im Oktober 2008 steht in Wersdorf bei Bamberg eine musikalische Sensation bevor, wenn das Mittelalter-Ensemble der Capella Antiqua Bambergensis, unterstützt von der Perkussionistin Nora Thiele, das berühmteste Werk Walthers von der Vogelweide in der wohl authentischten Version seit vielen hundert Jahren präsentiert.
Es handelt sich um das so genannte Palästina-Lied des höfischen Dichters und Minnesängers. Dieses mittelalterliche Musikstück verdankt seine außerordentliche Prominenz dem Umstand, dass es das einzige des Künstlers ist, zu dem originale Noten überliefert sind. Dementsprechend häufig wurde
das Palästina-Lied in der Vergangenheit bereits öffentlich dargeboten. Man kannte seit Langem die Tonfolge des Liedes, was bisher jedoch fehlte, waren jegliche Infomationen zur Rhythmik und zum Intro des Werkes.
Dem Ziel diese Lücke zu schließen, widmeten die Mitglieder der Capella Antiqua Bambergensis, angeführt von ihrem Ensembleleiter, dem Musikwissenschaftler Prof. Dr. Wolfgang Spindler, monatelange Forschungen und Recherchen. Fündig wurden sie schließlich im arabischen Raum, wo sie die Überlieferung eines mittelalterlichen Liedes entdeckten, das der Ursprungsmelodie des Palästina-Liedes entspricht. Im Gegensatz zur mittelhochdeutschen Version ist vom arabischen "Palästina-Lied" Rhythmus und Intro bis heute bekannt. Es spricht viel dafür, dass Walther von der Vogelweide selbst dieses Musikstück hörte und sich von ihm zu seinem Meisterwerk inspirieren ließ. Wenn man der These folgt, dass der Künstler im Gefolge des staufischen Kaisers Friedrich II. 1217 zum fünften Kreuzzug aufbrach, könnte er es sogar selbst im arabischen Umfeld gehört haben. Aber auch ein "Import" des Liedes in den deutschen Sprachraum durch zurückkehrende Kreuzfahrer ist denkbar.
In der wiederentdeckten mittelalterlichen Fassung wird das Palästina-Lied zum ersten Mal seit über 800 Jahren am Samstag den 11. Oktober 2008 im Rahmen der Konzertreihe "Orient und Okzident" im historischen Konzertsaal des Schlosses Wernsdorf bei Bamberg erklingen. Es bildet den Höhepunkt eines besonderen Konzerts, in dem Stücke aus den Zeit des Frühmittelalters und der Gotik aus dem arabischen, maurischen, spanischen und jüdischen Kulturraum dargeboten werden, die die unglaubliche Vielfalt der damaligen Kultur widerspiegeln. Bei den Saltarellos, Estampien, Cantigas, Dance Royals, Rottas und Gahettas erklingen mehr als 25 verschiedene Trommeln, darunter Tar, Riq, Bendir, Dumbek,Tamburello und Tambor de Bombo, sowie über 60 Musikinstrumente des Mittelalters wie Schalmei, Pommer, Harfe, Portativ, Krummhorn, mittelalterliche Flöten und Fiedeln. Sie machen die ganze Klangpracht und Rhythmik des Mittelalters aus Orient und Okzident in der Gegenwart lebendig
Konzertreihe: "Orient & Okzident"mit Nora Thiele, Perkussion und der Capella Antiqua Bambergensis
Samstag, den 11.10. und 18.10.2008, jeweils um 18 Uhr
Sonntag, den 12.10. und 19.10.2008, jeweils um 17 Uhr
Im historischen Konzertsaal im Schloss Wernsdorf- bei Bamberg
Informationen und Karten unter: 0951-54900 oder www.capella-antiqua.de
Infotext zum Paleästinalied.
Das Palästinalied von Walther von der Vogelweide entstanden vermutlich um
1217. Überliefert sind 13 Strophen in mittelhochdeutscher Sprache.
Das Lied steht wahrscheinlich im Zusammenhang mit dem fünften Kreuzzug , zu
dem Kaiser Friedrich II. im Jahr 1217 aufbrach. Es ist ein
politisch-religiöses Propagandalied und das einzige Lied Walthers, welches
vollständig mit einer Melodie überliefert wurde. Die früheste Quelle ist das
Münstersche Fragment, eine Liederhandschrift aus der ersten Hälfte des 14.
Jahrhunderts.

















