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Neue EU-Länder - altbewährte Forschungspartner

01.01.200410:00 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Die Europäische Union wächst und mit ihr die Forschungslandschaft. Mit den zehn neuen EU-Mitgliedsländern kommen zahlreiche renommierte Universitäten und Laboratorien im Osten zur Gemeinschaft hinzu. Für die Fraunhofer-Forscher sind sie keine Unbekannten: In zahlreichen Projekten haben sie mit den Kollegen über Jahre eng zusammengearbeitet.



Tschechien: Kompetenz und Kooperationsbereitschaft

Höchste wissenschaftliche Kompetenz fanden die Forscher vom Fraunhofer-Institut für Chemische Technologie ICT bei Werkstoffwissenschaftlern in Pilsen und Prag. »Die Arbeitsgruppen vom KODA Forschungszentrum und an der Westböhmischen Universität Pilsen sind Pioniere bei der Untersuchung von Alterungszuständen mit Röntgenbeugung. Die UJP PRAHA verfügt darüber hinaus über eine ausführliche Datenbank zur Alterung von Hochtemperatur-Stählen«, erklärt Vladislav Kolarik vom ICT. »Mit der zweidimensionalen Röntgenfeinstrukturanalyse können zum Beispiel Bauteile zerstörungsfrei geprüft werden.«

Im EU-Projekt Xpection, das im nächsten Jahr ausläuft, entwickeln die Theoretiker aus Pilsen und die Werkstoffwissenschaftler aus Prag zusammen mit den Fraunhofer-Wissenschaftlern, den Spezialisten für Angewandte Forschung, einer spanischen Inspektionsfirma sowie einer Gruppe von Anwendern aus dem Kraftwerksbereich und der Petrochemie ein praxistaugliches, transportables Mess- und Analyseverfahren. Mit dem Xpection-Verfahren können metallische Bauteile, beispielsweise Rohre, die in Wärmetauschern von Kraftwerken oder petrochemischen Reaktoren extremen Temperaturen standhalten müssen, vor Ort untersucht werden. Da die Bauteile für die Prüfung nicht ausgebaut werden müssen, lassen sich mit dem Xpection-Verfahren Wartungskosten senken und Ausfallzeiten reduzieren.

Ungarn: neue Messtechnik aus Budapest

Gemeinsam mit den Wissenschaftlern des Forschungsinstitutes für Technische Physik und Materialwissenschaften der Budapester Akademie der Wissenschaften entwickeln Fraunhofer-Forscher neue Messverfahren, um die Produktion von Integrierten Schaltungen zu überprüfen. »Die Zusammenarbeit hat eine lange Tradition und basiert auf persönlichen Freundschaften zwischen unseren Mitarbeitern und den Kollegen in Budapest«, erklärt Dr. Andreas Nutsch vom Fraunhofer-Institut für Integrierte Systeme und Bauelementetechnologie IISB in Erlangen. Speziell für die Bestimmung von Schichtdicken während der Produktion wurde in Ungarn ein neues optisches Messverfahren entwickelt. Am Erlanger Fraunhofer-Institut integrierten die Forscher den ersten Prototypen in ein Prozessmodul. Das fertige Gerät soll schon bald in der Halbleiterindustrie eingesetzt werden.

Slowenien: Stoffströme optimieren

Was tun mit den ausgedienten Haushaltsgeräten? Müllberge und Schrotthaufen sind in vielen Ländern Osteuropas bis heute ein Problem. Im Projekt RECAP erforschten Wissenschaftler vom Fraunhofer-Institut für Materialfluss und Logistik IML gemeinsam mit Partnern an der Universität Lubjlana in Slowenien, wie sich die Stoffströme bei der Entsorgung von Kühlschränken optimieren und welche Bauteile sich weiter verwerten lassen.

Slowakei: verbesserte Wettbewerbsfähigkeit

Unternehmen in der Slowakei sind gut vorbereitet auf den europäischen Binnenmarkt. Schon vor drei Jahren unterstützte das Informationszentrum Benchmarking am Fraunhofer-Institut für Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik IPK zusammen mit dem Wirtschaftsministerium der Slowakischen Republik, dem Slovak Productivity Center und dem Institut Ekonomservis den Aufbau des Slovak Benchmarking Information Center in Bratislava. »Das Zentrum gab und gibt insbesondere kleinen und mittleren Unternehmen die Möglichkeit, ihre Wettbewerbsfähigkeit zu vergleichen und gezielt zu verbessern«, erklärt Holger Kohl, Leiter des Informationszentrums Benchmarking. Eine Datenbank erlaubt den Vergleich von Unternehmensdaten mit Finanz-, Management- und Business Excellence-Kennzahlen von über neuntausend europäischen Firmen. »Durch das Benchmarking können Unternehmen sehr genau erkennen, wo sie im gesamteuropäischen Vergleich stehen und an welchen Stellen sie sich noch verbessern müssen, um jetzt in der erweiterten EU konkurrenzfähig zu sein«, resümiert Kohl.

Litauen: Gesundheitswesen auf Europakurs

Nur wer internationale Standards erfüllt, ist wettbewerbsfähig. Das gilt auch für Unternehmen, die sich um die Gesundheit anderer sorgen. Eine eigene Norm regelt beispielsweise das Qualitätsmanagement für Medizinprodukte. Die mittelständischen Unternehmen der Orthopädiebranche erfahren im EU-Projekt PIMM², wie sie die Qualitäts-Anforderungen erfüllen können: In Workshops oder über Internet können sich Unternehmer aus Litauen informieren, welche Management-Auflagen sie erfüllen müssen, um von Banken weiterhin als kreditwürdig eingestuft oder als Partner von Krankenkassen akzeptiert zu werden. Die Experten am Fraunhofer-Institut für Integrierte Publikations- und Informationssysteme IPSI sorgen dafür, dass die Informationen über Web, E-Mail oder auch gebrannt auf CD die Interessenten erreichen.

Lettland: Energiemodelle für Europa

Lettland ist klein, verfügt aber über die drittgrößten Speicherkapazitäten für Gas in Europa. Jetzt helfen lettische Forscher mit, das europäische Gasnetz zu optimieren. Im EU-Projekt e_GASGRID arbeiten Experten vom Fraunhofer-Institut für Techno- und Wirtschaftsmathematik ITWM eng mit Wissenschaftlern am Ventspils University College zusammen. »Das Ziel ist es, die gesamteuropäische Gasversorgung zu modellieren, um auf technische Störungen mit überregionaler Wirkung schnell reagieren zu können«, sagt Jan Mohring, Projektleiter am ITWM. Bisher hat zwar jedes Land ein eigenes Computermodell seines Pipeline-Netzes, aber diese Modelle lassen sich nicht ohne weiteres länderübergreifend zusammenfassen. »Wir haben zusammen mit den lettischen Kollegen eine Methode entwickelt, um die Modelle systematisch zu vereinfachen und diese dann zu einem Gesamtmodell zusammenzufügen. Mit dessen Hilfe lassen sich dann Unfälle simulieren, Auslastungen oder Kosten optimieren.«

Malta: praktische Lösungen für mehr Sicherheit

Vernetzung schafft Vorteile: Wer heute nach Malta fährt, kann an jedem EC-Automaten Geld abheben und - fast - überall mit seinem Handy telefonieren. Doch die Vernetzung schafft auch Abhängigkeiten: Ein Anschlag auf das Stromnetz oder ein technischer Defekt in einem Kraftwerk kann den gesamten Telefon- und Datenverkehr zum Stillstand bringen; ein Ausfall des Telefonnetzes wiederum gefährdet die Energieversorgung und legt auch die Geldautomaten lahm. Die Bank of Valetta, der Festnetz- und Mobilfunkbetreiber Malta Com sowie das Ministery of IT and Investment in Malta untersuchen jetzt gemeinsam, wie sich im Notfall Netzausfälle vermeiden, Infrastrukturen schützen und Daten sichern lassen. Zusammen mit dem Fraunhofer-Institut für Sichere Telekooperation SIT analysieren sie die gegenseitigen Abhängigkeiten und suchen nach praktischen Lösungen – beispielsweise Programmen, die selbstständig Lücken im Sicherheitssystem erkennen und melden.

Polen: Umweltprobleme gemeinsam lösen

Schadstoffe kennen keine Grenzen. Deshalb suchen polnische Wissenschaftler gemeinsam mit den Forschern vom Fraunhofer-Institut für Umwelt-, Sicherheits- und Energietechnik UMSICHT nach effizienten und umweltschonenden Produktionsverfahren. Vor sieben Jahren wurde der deutsch-polnische Forschungsverbund INCREASE gegründet - die Abkürzung steht für International Cooperation on Research in Environmental Protection, Process Safety and Energy Technology. Insgesamt sind dreißig wissenschaftliche Einrichtungen an dem Verbund beteiligt. Jüngstes Forschungsbeispiel: Am UMSICHT wird untersucht, ob ein Biomasse-Kraftwerk, das im polnischen Kostrzyn geplant ist, rentabel arbeiten kann. »Die Frage bekommt vor dem Hintergrund des EU-Beitritts Polens besondere Brisanz«, sagt Dr. Barbara Zeidler: »Auch dort müssen demnächst landwirtschaftliche Flächen anders genutzt werden. Hier könnte man schnell wachsende Grünpflanzen anbauen, die sich für die Kohlendioxid-neutrale Energiegewinnung einsetzen lassen.«

Zypern: Software eint Europas Juweliere

Zypern ist eine Steueroase. Kein Wunder, dass dort die Juwelierläden guten Umsatz machen. Der Groß- und Einzelhändler Checklist Wholesale Limited in Nikosia verkauft nicht nur seine eigenen Bestände, sondern fordert, wenn es der Kunde wünscht, auch bei anderen Juwelieren Uhren und Schmuck an. »Dieser lose Verbund aus fünf Unternehmen in ganz Europa existiert schon seit langem, die Partner mussten allerdings mühsam zum Telefon oder Fax greifen, um Bestände abzufragen und Bestellungen aufzugeben«, berichtete Erne Schulz-Klein, Leiter des Projekts JEWEL am Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation IAO. Zusammen mit seinem Team erarbeitete der Forscher eine Softwarelösung: »Die Juweliere im traditionellen Europa haben das Unternehmen aus Zypern schon vor der EU-Erweiterung vollständig in ihre Community integriert.«

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