(openPR) Dieser Hamlet ist "phat". Ein Zeitgenosse demzufolge, jugendsprachlich-anglizistisch aufgepeppt. "Phat" heißt hier so viel wie großartig, fantastisch, super. Doch halt! Hier wird nicht ein altbekannter Klassiker verhackstückt, um einen irgendwie verrückten Bühnenabend auf die Beine zu stellen. Die Sache ist ernster.
Denn "phat" heißt daneben auch nichts anderes als einfach - fett. Ein dicker Hamlet! Einer, der nicht aussieht, wie ihn die Romantik sich träumte, ach so schön anzuschauen, schlank und bleich. Nein, dieser Hamlet ist schwer und kurzatmig, und er ist introvertiert, nicht zuletzt, weil er mit all der Last seiner fleischlichen Hülle ringt. Darunter schlummert durchaus Explosivität - doch die Explosion verröchelt allzu schnell in einem Asthmaanfall. Folgerichtig bekommt er auch seine Ophelia nicht. Natürlich nicht. (Erinnert die nicht fast etwas an Amy Winehouse... schon lange auf dem Weg... fort von hier... im Wasser verschwindend...?)
Und "phat" meint, in einem übertragenen Sinne, nicht zuletzt auch: schwergewichtig. Seit nunmehr über 400 Jahren sucht Hamlet nach Antworten auf seine existenziellen Fragen, nach Lösungen für seine Probleme - und scheitert heute nicht minder verzweifelt, als er das in der Vergangenheit immer tat.
So fragt sich, wie es Hamlet, dieser, wie man sagt, erste Individualist der Weltliteratur, eigentlich zu all dem Ruhm bringen konnte. Warum ist er mehr als ein zögerlicher Versager mit Mutterkomplex, der keine Ahnung von Politik hat und schließlich alle um sich herum ins Verderben reißt, trotz aller Denkerei und Grübelei? (Wohingegen sein Kontrahent Claudius, der kalte Pragmatiker des Machterhalts, wenigstens dafür sorgt, das der Laden in geregelten Bahnen läuft...)
Antworten darauf finden sich zuhauf, in zahllosen Variationen. So wenig also Hamlet, begraben unter einem Gebirge von Theatergeschichte, neu erfunden werden kann, so fordert er doch jede Generation aufs neue heraus, ihn für sich ganz neu zu definieren. Das ist seine Gegenwärtigkeit. Und das ist die Herausforderung, wenn man ihn einmal mehr auf die Bühne stellt - und sei es in Neukölln. So kann der Titel letzten Endes also ganz vielschichtig als Antwort auf die Frage nach dem unglücklichen Dänenprinzen verstanden werden: Hamlet? Phat!
Schauspiel Neukölln No.27
HAMLET (phat)
nach Willam Shakespeare
Regie: Rüdiger W. Kunze
Mit Anke Rupp, Paul-Alexander Aubin, Alexander Haugg,
Wolfgang Huxoll, Heinz-Jürgen Müller, Dirk Oskar Plate,
Manfred Wilhelm
Premiere: 4. September 2008, 20 Uhr
Weitere Vorstellungen:
6., 7., 10., 12., 14., 15., 16., 22., 23. September, 20 Uhr;
21. und 28. September, 17 Uhr













