(openPR) Von Jürgen P. Fuß – In Reisekatalogen und Reiseführern für die Türkei wird immer wieder von der abwechslungsreichen und vorzüglichen türkischen Küche berichtet. Urlauber und Residenten verbinden mit der türkischen Küche darüber hinaus auch eine vitaminreiche und gesunde Ernährung. Sollten sich die Europäer also türkische Essgewohnheiten zum Vorbild nehmen?
Die Redaktion der Aktuellen Türkei Rundschau (ATR) ist der Frage nachgegangen und hat sich mit einem in der Türkei praktizierenden Internisten unterhalten. Das vollständige Interview ist abgedruckt in dem am 15. August erschienenen AKTUELLEN TÜRKEI MAGAZIN «Leben in der Türkei 2008», einem Spezialheft der ATR mit dem Titel.
VON TÜRKISCHEN ESSGEWOHNHEITEN LERNEN?
«Ich finde es interessant, dass Sie von den türkischen Essgewohnheiten etwas lernen wollen», beginnt unser Interviewpartner, Dr. Süer, seine Erläuterung zu den türkischen Essgewohnheiten. «Tatsächlich vermittelt ja das Marktangebot, dass man sehr viele landwirtschaftliche Produkte direkt vom Bauern und damit natürlich frisch kaufen kann.»
Doch dann folgt schnell die erste Einschränkung: «Insbesondere die einkommensschwachen Schichten essen viel zu viele Kohlenhydrate, weil diese billiger sind. Zu jeder Speise werden großen Mengen Brot gereicht.» Hinzu kommt auch, dass viele Türken andere Vorstellungen von Gesundheit und der eigenen Verantwortung für ihre Gesundheit haben.
Man esse viel Weißbrot, weil dieses dank staatlich vorgeschriebener Preise besonders günstig sei. Das mache zwar schnell satt, sei aber weniger gesund, als dieses auf den ersten Blick erscheine. Dr. Süer: «Durch diese Preispolitik wird aber die Ernährung in die falsche Richtung gelenkt.» So koste das weitaus gesündere Roggenbrot rund sechsmal soviel wie das Weißbrot.
Dr. Süer: «Wenn Sie bedenken, dass eine türkische Durchschnittsfamilie pro Tag drei Weißbrote verbraucht, wird schnell deutlich, welche finanzielle Mehrbelastung auf sie zu kommen würde. Die meisten Türken wären damit finanziell hoffnungslos überfordert.»
TÜRKISCHES SPRICHWORT MIT FALSCHER BOTSCHAFT
«Es gibt ein türkisches Sprichwort, das sagt „der Lebensgeist kommt vom Essen“. Aber als Arzt sage ich, dieses Sprichwort ist ein Irrtum. Richtig müsste es heißen: „Der Lebensgeist geht mit dem Essen“, bewertet unser Gesprächspartner türkische Essgewohnheiten. Dr. Süer: «In der Wirklichkeit ist es so, dass auch in der Türkei die Zuckerkrankheit zu einer Zivilisationskrankheit geworden ist. insofern unterscheidet sich die Türkei nicht von vielen westlichen Ländern.»
Neben Weißbrot werde der tägliche Speiseplan stark geprägt von Teigwaren, Mehlspeisen, Nudeln und Kartoffeln, also lauter Kohlenhydrate. Zusätzlich werde mit viel Fett gekocht, Salat dagegen finde sich nur in vergleichsweise kleinen Mengen auf dem Tisch.
ESSEN ZUR FALSCHEN TAGESZEIT
«Ein weiteres Problem, das sich aus den Tageszeiten ergibt, zu denen gegessen wird. Häufig geht der Vater ohne Frühstück zur Arbeit,» klärt Dr. Süer die ATR-Redaktion über die weiteren Essgewohnheiten auf. Mittags isst er etwas Gebäck und trinkt Tee dazu, sicherlich kein Beitrag für eine gesunde Ernährung!“
Am Abend trifft sich die ganze Familie zum gemeinsamen Abendessen. Hierzu die Bewertung des Mediziners: «Kräftiges Essen zu später Stunde. Danach Nüsse und Obst nach dem Essen. Und das Ganze bis zum Schlafen gehen. Ein grundlegend falsches Ernährungskonzept.»
ERNÜCHTERNDES FAZIT
Im Gespräch wird uns immer deutlicher, dass türkische Essgewohnheiten für uns kein Vorbild sein sollten. Auf der Suche nach den Gründen für das Übergewicht stoßen wir dann noch auf zwei weitere Sünden. Bei den regelmäßigen Treffen, zu denen sich die türkischen Frauen mehr als einmal in der Woche verabreden, um miteinander zu plauschen, werden zum Tee Naschereien gereicht – also weitere Kalorienbomben.
Bei dieser Gelegenheit kann dann den schwangeren Frauen auch gleich noch eine weitere falsche Botschaft mit auf den Weg gegeben werden: „Du bist schwanger, also musst du jetzt für zwei essen.“ Spätestens nach der dritten oder vierten Schwangerschaft hat sich das Übergewicht dann so verfestigt, dass man(n) / frau sich damit abfindet.
Das AKTUELLE TÜRKEI MAGAZIN August 2008 mit dem Titel: «Leben in der Türkei 2008» kann für 2,- Euro im Internet als pdf-Datei zum Download bestellt werden.
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