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Hannover geht beim Baden neue Wege

01.07.200810:10 UhrIndustrie, Bau & Immobilien
Bild: Hannover geht beim Baden neue Wege
Rudolf Scharping, Geschäftsführer der RSBK (links) und Harald Zimmermann, Vorstand der Urbana Energietechnik AG & Co. KG,
Rudolf Scharping, Geschäftsführer der RSBK (links) und Harald Zimmermann, Vorstand der Urbana Energietechnik AG & Co. KG,

(openPR) Das ist Ökologie am Puls der Zeit: der Gesundheits- und Badepark ,,aqua balance Hannover" hat komplett auf eine ganzheitliche Energieversorgung umgestellt. Ermöglicht wurde das ökologisch korrekte Badevergnügen durch ein Public-Private-Partnership-


Modell (PPP-Modell), bei dem der Hamburger Contractor Urbana konsequent auf ökologische Strom- und Wärmeversorgung aus regenerativen Energien setzt. Im Vergleich zu einem konventionellen Bad wird die Umwelt so jährlich um zirka 1090 Tonnen Kohlendioxid (CO2) entlastet. Dies entspricht einem Äquivalent von über 425 beheizten Einfamilienhäusern nach dem Wärmeschutzstandard gemäß WSV 95. Auch finanziell zahlt sich das ökologische Konzept aus: Jährlich werden in Kombination mit einem konsequenten Energiemanagement erfahrungsgemäß zwischen 20.000 und 40.000 Euro Energiekosten eingespart.

Das PPP war nötig, weil das Bad nach rund 30 Jahren Betrieb sanierungsbedürftig geworden war und die Stadt Hannover nicht für die Sanierungskosten aufkommen konnte. Zuletzt produzierten das Hallen- und Freibad ein jährliches Defizit von zirka 700.000 Euro. "Ohne PPP gäbe es das Bad in Hannover nicht mehr", brachte es Rudolf Scharping, der zur offiziellen Vorstellung des Bads nach Hannover angereist war, auf den Punkt. Der ehemalige Bundesminister und Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz, der mit seinem Unternehmen RSBK in Sachen Public Private Partnership berät, sieht PPP-Modelle angesichts leerer öffentlicher Kassen notwendiger denn je. "In Deutschland gibt es einen Investitionsrückstau von 70 Milliarden Euro und einen Renovierungsrückstau von 700 Milliarden Euro“, schätzt der frühere Politiker und rechnet damit, dass rund 15 Prozent über PPP-Modelle abgewickelt werden könnten. Und: „Der Steuerzahler hat ein Recht darauf, eine bestmögliche Leistung zu einem vernünftigen Preis zu bekommen." Dabei wird Scharping nicht müde, immer wieder zu betonen: Das dritte P muss großgeschrieben werden, nämlich das P für Partnerschaft“.

Mit dem Einstieg in Hannover ist auch Harald Zimmermann, Vorstand von Urbana, sehr zufrieden. Das Unternehmen hat in das umgebaute Bad insgesamt 1,8 Millionen Euro in neue Technik investiert, insbesondere in Effizienztechnologie und Messtechnik. "Die Bäderversorgung ist ein neuer Geschäftszweig der Urbana, und wir sind mit den bisherigen Erfahrungen mehr als zufrieden." Urbana hat neben Hannover die Versorgung etlicher weiterer Bäder im Bundesgebiet übernommen und wird diesen Geschäftszweig ausbauen. Die Nachfrage nach kompetenten Partnern ist Seitens der Komunen groß.

„Es war mit unser teuerstes Bad in der Stadt“, erinnert sich Bürgermeister Bernd Strauch. „Wir haben uns auf PPP eingelassen, weil wir eine deutliche Kostensenkung der städtischen Zuschüsse aber auch sozial verträgliche Eintrittspreise deren Erhöhung nur im Einvernehmen mit der Stadt möglich ist vereinbaren konnten.“ Die Sanierung des Bades wurde von der Friedrichshafener s.a.b. GmbH übernommen, die das Bad nach einer rund 14-monatigen Bauphase am 1. Februar 2008 als „aqua balance“ wiedereröffnete. Der PPP-Vertrag mit der Stadt Hannover sieht vor, dass das süddeutsche Unternehmen das Bad in Eigenregie betreibt, wofür die Landeshauptstadt Hannover innerhalb der nächsten 30 Jahre einen Betriebskostenzuschuss zahlt, der unter dem Defizit liegt, den die stadteigene Bewirtschaftung erbrachte. „Das ist kein kalter Vertrag, sondern eine gelebte Partnerschaft“, ist sich s.a.b.-Mann Wolfram Wäscher sicher. s.a.b. saniert pro Jahr 3 bis 4 Bäder und verfügt über das Know How wie so etwas kostengünstig bewerkstelligt werden kann. Das Know How im Bereich technische Gebäudeausrüstung sowie deren Finanzierung kommt von Urbana.

In vier Schritten zum neuen Bad

Schritt 1: Effiziente Technologie
Im Zuge der Sanierung wurde die technische Gebäudeausrüstung komplett erneuert. Die finanziellen Mittel dazu wurden mithilfe eines Contracting-Modells bereitgestellt. Die Strategie des Contractors Urbana: Einsatz von Effizienztechnologien und ein darauf abgestimmtes und optimiertes Betriebskonzept. So wurden in allen möglichen Bereichen – sei es bei den raumlufttechnischen Anlagen, in der Beckenwasseraufbereitungstechnik oder in der Duschwasseraufbereitung – grundsätzlich hocheffiziente Wärmerückgewinnungssysteme eingesetzt. In der Medienförderung (Luft, Pumpenwarmwasser, Beckenwasser und Trinkwarmwasser) fanden konsequent drehzahlgeregelte Antriebe Verwendung, die durch entsprechende Sensoren an die jeweiligen Anforderungen angepasst werden. Die Beleuchtungssysteme passen sich automatisch tageslicht- beziehungsweise Nutzerpräsenzabhängig an den jeweiligen Bedarf an.

Schrift 2: Nachhaltiger Brennstoff
Die Wärmeversorgung des Hannoveraner Bads erfolgt unter anderem über ein Blockheizkraftwerk (BHKW). Als Brennstoff kommt Palmöl aus ökologisch kontrolliertem Anbau zum Einsatz. Urbana orientiert sich hierbei an den Richtlinien einer nachhaltigen Produktion und Nutzung von Palmöl, die der „Roundtable on Sustainable Palmoil“ (RSPO), in dem unter
anderem der WWF Mitglied ist, erlassen hat. Eine Studie des WWF vom April 2007 („Ökologische Auswirkungen der energetischen Nutzung von Palmöl“) kommt zu dem Ergebnis, dass – im Vergleich zu der Erzeugung anderer Biokraftstoffe – die Energiebilanz für den Anbau von Ölpalmen positiv ausfällt. Palmöl gehört damit zu den wenigen CO2-neutralen Brennstoffen. (Ein Brennstoff ist dann CO2-neutral, wenn die Menge an Kohlendioxid, die bei seiner Verbrennung freigesetzt wird, im nachwachsenden Brennstoff wieder eingebunden wird.)

Schritt 3: Zuschüsse für Strom
In Hannover teilen sich Erdgas, das in einer Brennwert-Kesselanlage verbrannt wird, und Palmöl etwa zu gleichen Teilen die Arbeit. Zirka 1.020 Megawattstunden, also rund 50 Prozent der gesamten Wärmearbeit, wird durch die Integration des Blockheizkraftwerks erzeugt. Dabei wird mehr Strom produziert, als das Bad verbraucht. Infolge des Gesetzes zur Förderung Erneuerbaren Energien (EEG) wird der gesamte erzeugte Strom in das öffentliche Netz eingespeist und vergütet. Genau hierin lag auch ein wesentlicher Anreiz für die Investition, denn im EEG sind die Einspeisevergütungen für den erzeugten Strom langfristig geregelt – Geld, mit dem Urbana sicher planen kann. Zudem bietet das EEG für Stromerzeugung aus Biomassen und insbesondere aus nachwachsenden Rohstoffen einen weiteren deutlichen Anreiz: Strom aus Biomasse wird bezuschusst. Auf der Basis der gesetzlich garantierten Einspeisevergütung ergibt sich für die Hannoveraner Anlage mit einer Netto-Stromleistung von 70 Kilowatt damit eine Einspeisevergütung von zirka 189 Euro pro Megawattstunde. Im EEG wird die Stromvergütung des Inbetriebnahmejahres auf insgesamt 20 Jahre gesetzlich festgeschrieben. Die Stromeinnahmen, die den größten wirtschaftlichen Effekt ausüben, sind somit für die gesamte Vertragsdauer nach der Inbetriebnahme für 20 Jahre gesichert.

Schritt 4: Verbrauch optimieren
Damit die Kosten niedrig bleiben, hat Urbana in Hannover ein Energiemanagement mit aktiver Verbrauchsoptimierung installiert. Durch einen mathematisch-methodischen Ansatz werden Referenzwerte für die Energie- und Medienversorgung ermittelt und kontinuierlich mit den tatsächlichen Verbrauchswerten verglichen. Bei Abweichungen werden die Schwachstellen mittels der eingesetzten Messtechnik lokalisiert, durch den Contractor analysiert und in Zusammenarbeit mit dem Betriebspersonal gegengesteuert.

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