(openPR) Albert Borsig rettete 1867 die Sandsteintrophäen in sein Landidyll nach Groß Behnitz
Wenn Albert Borsig aus dem Fenster seiner Fabrik an der Berliner Chausseestraße blickte, sah er direkt auf das zur Berliner Zollmauer gehörende Oranienburger Tor. Als dieses 1867 abgetragen wurde, kaufte er kurzerhand den Figurenschmuck und brachte ihn auf seinen neuen Sommersitz in das brandenburgische Groß Behnitz. Dort hatte er dem hoch verschuldeten Grafen von Itzenpitz dessen Gut, Schloss und traumhaften Park am Behnitzer See abgekauft und begonnen ein landwirtschaftliches Mustergut aufzubauen. Selbstverständlich geschah dies mit modernster Landmaschinentechnik, Bahnanschluss und einer Architektur, die gekonnt zwischen italinienischem Villenstil und der modernen Ziegelarchitektur der Borsigschen Industrieanlagen angesiedelt wurde. Der traditionellen feudalen Landarchitektur wird plötzlich der Unternehmergeist der Gründerzeit entgegegesetzt. Borsig spürt, dass in der von Mensch und Tier betriebenen Landwirtschaft noch unerschlossene Mechanisie-rungspotenziale stecken und die Maschine soll dem Menschen helfen modern zu werden.
Vom Vater August Borsig hatte der Sohn Albert die große Tatkraft geerbt. Als Technik-Pionier und Gartenliebhaber lebte er interessante Gegensätze. Während er als erfolgreicher Unternehmer gründerzeitliche Industriegeschichte schrieb, zeigte er eine weichere Seite bei der Gestaltung seines Landgutes in Groß Behnitz. Schon die Auswahl des Ortes zeugt von einer romantischen Ader: Den Schlosspark am Behnitzer See hatten die Grafen von Itzenplitz nach englischen Vorbildern gestaltet, 300jährige Platanen und Sumpfzypressen sind noch heute als Naturdenkmäler zu bewundern. Wie die Grafen liebte auch Borsig den Garten. Mit Alexander von Humboldt hatte August Borsig die Deutsche Gartenbaugesellschaft begründet, für die Berliner Villa hatte er den berühmten Gartenarchitekt Lenné engagiert. Aber nicht nur die Platanen hat der Industrielle im Sinn- die Verbindung von Natur und Technik interessiert Albert Borsig. Er führt Sie aus der Grundidee bis in alle Details, vom eigenen Wirken in der pulsierenden Metropole in die verschlafene idyllische Provinz. Aus der eher protzigen Villa Borsig in Moabit in die feinsinnige märkische Sommerresidenz. In ihre Mauern sind kunstvoll gestaltete Ziegelformsteine eingearbeitet, die die ornamentale Verbindung eines Eisenbahnrades mit einer Sonnenblume darstellen. Ziegel mit verschiedenen Oberflächen wechseln mit fein gearbeiteten Gußstützen und zarten Stahlsprossenfenstern. Zwei weitere Generationen der Familie von Borsig genießen das süße Leben auf dem Lande und schreiten durch das große Tor, dass Albert Borsig mit den Berliner Sandsteintrophäen vom „Oranienburger Tor“ schmückte. Schließlich erlangt Alberts Sohn den Adelstitel. Mit dessen Sohn Ernst jun. von Borsig trifft sich der „Kreisauer Kreis“ mehrmals konspirativ im Landgut Borsig. Nach Ende des zweiten Weltkriegs verschweigt Ernst von Borsig seine Mitgliedschaft in der zivilen Widerstandsgruppe. Den Mißmut der einmarschierenden Russen verursacht er, indem er die Schnapsproduktion des Gutes vernichten läßt, um Übergriffe betrunkener Soldaten zu vermeiden. Nach wenigen Monaten Haft verstirbt er 1947 in sowjetischer Gefangenschaft.
Ein Brand, jahrelange Vernachlässigung und am Ende Leerstand verwandeln das Gut beinahe in eine Ruine. Als 11 Jahre nach der Wende der Besitz durch eine Versteigerung in die Hände eines privaten Investors gelangt, ist dies ein außerordentlicher Glücksgriff für den geschichtsträchtigen Ort. Mit Michael Stober hat sich ein Mann mit der Verrücktheit und Tatkraft von Borsigscher Qualität gefunden, der mit Idealismus und Durchhaltevermögen ein gewaltiges Projekt startet.
Nach jahrelangen Sanierungsarbeiten und millionenschweren Investitionen am denkmalgeschützen Ensemble ist das Landgut Borsig jetzt in weiten Teilen wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Mit viel Aufwand und Liebe wurden die verschiedenen Funktionsgebäude des Gutes rekonstruiert und mit neuen Nutzungen versehen. Bereits geöffnet ist das Café/ Restaurant „Seeterrassen“, in Kürze eröffnet ein kleines Hotel mit 48 Betten im ehemaligen Logierhaus. Große Säle in den ziegelbelassenen Ställen sind für Veranstaltungen von Hochzeit bis Kongresse mit bis zu 2.000 Personen ausgebaut worden. Daneben gibt es Ausstellungsbereiche, eine originale Dampfmaschine und unglaublich viel Atmosphäre. Das alles hat einen eigenen Charme, der die industriehistorische Luft der Familie Borsig atmet und diesen spannenden Kontrast mit der Traumkulisse der romantischen Natur am Behnitzer See aufbaut. Die Umnutzung wurde mit viel Gespür für den Ort und seine Geschichte realisiert und begeistert durch ihre Stilsicherheit bis ins Detail.
Die Macher der „Ribbecker Sommernacht“ – dem feinen kleinen havelländischen Pendant zur Potsdamer Schlössernacht- hat der Ort und sein neues Landgut Borsig so begeistert, dass sie Ihre Veranstaltung dieses Jahr aus dem Fontane-Ribbeck in das etwas südlich gelegene Groß Behnitz verlagert haben. Am 9.August werden dann auf mehreren Bühnen Klassik, Jazz und Kleinkunst rund um das Landgut Borsig, den illuminierten Park und den See zelebriert werden. Dann werden 2.000 Gäste durch die Pforte mit dem Figurenschmuck des Oranienburger Tors treten und eine besonderen Ort der Kultur genießen. Albert Borsig hatte offenbar recht. Die Groß Behnitzer Landluft hat dem Oranienburger Tor gut getan.
Anfahrt: Von Berlin kommend, B5 westwärts bis Nauen, über kleine
Landstraßen 10 km weiter bis Groß Behnitz
Infos: www.landgut-borsig.de











