(openPR) Ausgerechnet der Kardinal, der im letzten Jahr vor einer „entarteten“ Kultur gewarnt hat, schwingt sich auf, gleichsam in einem Rundumschlag Politik, Medien und die Gesellschaft auf das Schärfste zu kritisieren.
Deutschland lebe unter seinen geistigen und geistlichen Verhältnissen und fügte hinzu: «So kann es nicht mehr weitergehen», so Kardinal Meißner am 11.05.08 im Deutschlandrundfunk (Quelle: Netzzeitung.de v. 11.05.08).
In der Tat: So kann es wahrlich nicht weitergehen, da hier erneut der Kardinal die Grenzen des guten Geschmacks überschritten hat. Kritisch zu hinterfragen ist, wer hier „geistvergessen“ ist – das Volk oder die Kirche. In einem säkularen Verfassungsstaat ist es unerträglich, wenn der aufgeklärte Bürger mit derartigen Visionen eines Kardinals über Gebühr konfrontiert wird, lassen diese doch auf ein wenig tugendhaftes Verhalten der Umsetzung seiner Ziele schließen. Es bleibt nur zu hoffen, dass hier die Politik, aber auch die Gesellschaft deutliche Zeichen setzt. Es stehen gewichtige Themen (z.B. die gesetzliche Regelung zur Patientenverfügung) zur Entscheidung an und es besteht kein Anlass, aus Respekt vor irgendwelchen archaischen Positionen bar jeder Vernunft die gebotene Parlamentsarbeit zu verweigern. Dem Kardinal sei hier ausdrücklich empfohlen, ein wenig mehr Distanz zu den Problemen unserer Gesellschaft zu bewahren, die er meint, öffentlich wirksam geißeln zu müssen. In dem aktuellen Wertediskurs benötigen wir „keine Pharisäer und Schriftgelehrten“, die da meinen, das Monopol auf die „Wahrheit“ auf ewig gepachtet zu haben.
„Denn ich sage euch: Wenn eure Gerechtigkeit nicht besser ist als die der Schriftgelehrten und Pharisäer, werdet ihr nicht in das Reich der Himmel kommen“ (Mat 5,20)
Keine guten Aussichten! Nun möchte ich zwar nicht in den Himmel kommen und dort ggf. mit den übereifrigen Normexergeten an einem Tisch sitzen, aber uns allen dürfte gut zu Gesichte anstehen, ein wenig mehr Toleranz zu üben – ein Gebot, das unabhängig von einer Konfessionszugehörigkeit Geltung beansprucht und hieran sind die Kirchen und ihre namhaften Vertreter auch im aufgeklärten Zeitalter zu erinnern.
Lutz Barth













