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IMS – Katerstimmung nach dem Hype

23.04.200817:50 UhrMedien & Telekommunikation

(openPR) BEDFORD, Mass./USA – 23. April 2008 – Es war eine schöne neue Welt von der die Telekom-Branche in den letzten Jahren träumte: Die Titelstory lautete IP Multimedia Subsystem oder kurz IMS. Ein Systemansatz, der als einheitliche und offene Plattform die Integration und Implementierung neuer Services mit verschiedensten Datenformaten wie Sprache, Videos, Bilder oder Text in kürzester Zeit versprach. Ob Musikdownloads, Videokonferenzen, Reisebuchungen oder IP-TV im heimischen Wohnzimmer: IMS sollte alle technologischen Grenzen schwinden lassen und lukrative Services völlig unerheblich vom Endgerät, Netz oder Datentyp ermöglichen - komfortabel für den Anwender und vor allem umsatzträchtig für die Provider. Der Traum der Netzbetreiber ging jedoch zu Ende und die Realität ernüchtert. Konkurrierende Technologieansätze, eine aufgewirbelte Branche und keine klare Marschrichtung – das ist der Status quo, den die Experten des internationalen VoIP- und IMS-Spezialisten Empirix konstatieren.





Wo ist IMS?

„Die Telekom-Branche hat in den letzten Jahren zwar Milliarden in Forschung und Entwicklung von IMS investiert, verdient hat sie damit aber bisher kaum“, bilanziert Reinhard Reinhard Schmied, Account Manager Empirix Voice Deutschland. „Zwar gibt es schon seit 2006 VoIP-Angebote von DSL-Providern, sehr viel Umsatz generieren diese aber nicht. Erst seit kurzem werden den Verbrauchern Produkte wie IP-TV oder Video-on-Demand schmackhaft gemacht, eine breite Akzeptanz fehlt dafür aber genauso wie für VoIP-Telefonie.“ Als Experte auf dem Gebiet Qualitätssicherung von VoIP- und IMS-Anwendungen kennt Empirix die Kinderkrankheiten der IMS-Technologie nur zu gut.



Spezialfall Deutschland

Deutschland verfügt im Gegensatz zu anderen Industriestaaten wie Großbritannien oder den USA über ein Telefonnetz mit hervorragender Sprachqualität und Datensicherheit – eine Folge der politischen Wende, infolge derer Milliarden in ein leistungsfähiges ISDN-Netz investiert wurden. Da das deutsche Netz relativ neu ist und deshalb zusätzliche Services technisch ermöglicht, sehen viele deutsche Provider kaum Veranlassung, die Aufrüstung Ihrer Infrastruktur auf neue Technologien wie IMS voranzutreiben. Zudem bietet ISDN eine sehr hohe Sprachqualität, mit der VoIP-Services nur schwer konkurrieren können – auch dies hemmt die Investitionsbereitschaft der Anbieter in VoIP- und IMS-Technologien.



Große Merger bremsen Entwicklung

Nokia Siemens Networks, Alcatel Lucent und einige kleinere Network Equipment Hersteller haben in den letzten Jahren fusioniert. Das bremst die Entwicklung der gesamten Branche, denn die neu entstandenen Unternehmen müssen sich erst einmal selbst finden. Dabei wurden viele Projekte eingestampft und neue ins Leben gerufen. Das kostet Zeit. Viel Zeit, wenn man bedenkt, dass die großen Merger bereits ein bis zwei Jahre zurück liegen.



Fest- und Mobilnetze verheiraten

Bisher sind Fest- und Mobilfunknetze getrennt– ein klarer Nachteil in der heutigen mobilen Welt. Beide Netze haben eigene Übertragungstechnologien und Schnittstellen. Das erfordert jeweils eigene Geräte und Zugänge für den Endanwender. Der technische Status-quo ist, dass sich kabellose Endgeräte im Privatbereich via DSL oder Breitband-Kabelanschluss Zugang zum Internet verschaffen.



Um zwischen Fest- und Mobilfunknetzen künftig Verbindungen zu schaffen, gibt es drei konkurrierende Ansätze:



UMA (Unlicensed Mobile Access): Erlaubt den Zugriff auf GSM und GPRS-Dienste via Bluetooth oder WLAN
SIP/IMS (Session Initiation Protocol): Ein Netzprotokoll zur Steuerung einer Kommunikationssitzung mit zwei oder mehreren Teilnehmern, das IP-basierte Kommunikation ermöglicht.
Femtozellen: Das sind kleine UMTS-Basisstationen für den Hausgebrauch, die angeschlossen an das DSL-Netz eine preiswerte Nutzung von Internet und Telefonie mit Mobilfunkgeräten ermöglichen.


Die Deutsche Telekom und Vodafone führen in Deutschland bereits erste Feldversuche mit Femtozellen durch – es bleibt also spannend, welche Technologie am Ende das Rennen macht.



Netzneutralität oder Zwei-Klassen Internet

Rein netztechnisch gesehen sind alle Nutzer gleich. Denn bisher hing die Anbindung an das Web fast ausschließlich von der eigenen Bandbreite ab. Laut Empirix kann sich das auch hierzulande ändern. Denn was in Amerika gerade beginnt, wird in Europa bereits diskutiert: Das Zwei-Klassen Internet. Künftig lassen sich die Provider womöglich für eine komfortable Anbindung extra bezahlen. Und zwar einerseits nach der Schnelligkeit der Verbindung und andererseits nach den zu übertragenden Inhalten. Das bedeutet in der Konsequenz, dass die großen Web-Verkäufer möglicherweise besser und schneller zu erreichen sind, als der kleine mittelständische Shop.



Was bringt die Zukunft?

Die Bilanz der Empirix-Spezialisten: Bis auf weiteres werden sich die Erwartungen an die IMS-Technologie und die damit verbundenen Möglichkeiten relativieren. Fakt ist, dass in Deutschland derzeit keine ausreichende Nachfrage besteht, die einen schnellen Durchbruch der Technologie hierzulande erwarten lässt. Es liegt in den Händen der Netzbetreiber und Serviceanbieter, Dienste zu entwickeln, die für den Verbraucher so attraktiv sind, dass er monatlich dafür Geld ausgeben will. Noch gibt es sie nicht.

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