(openPR) Memoiren eines armen Hundes:
Die Geometrie der Träume
von Olaf Trunschke
»Jedesmal, wenn ich mittags in die Tonne kam, saß Diogenes schon in seiner Ecke, vor sich die leere Tasse, und wartete, daß ihm jemand den nächsten Kaffee bezahlen würde.« - So beginnt die Geschichte der sonderbaren Freundschaft von Diogenes, Aristipp und dem Erzähler, der sich Jahre später erinnert an Tage und Nächte in Kneipen, Klubs und Kammern: Damals, als es noch aufwärts ging in Athen, dem kleinen akademischen Städtchen am Fluß, den alle nur Lethe, den Strom des Vergessens, nannten, weil er Zuflucht war für Lebensmüde und alles aufnehmen mußte, was den Athenern entbehrlich geworden.
Man traf sich mittags in der Tonne, trank abends Bier bei Bakchos und Ariadne, die einmal eine umworbene Schönheit gewesen sein soll, oder man stieg hinab in die Höhle, »wo vor der Bühne, im Licht der Scheinwerfer nur noch als Schatten erkennbar, bereits eine wogende Menge auf Orpheo wartete«.
Doch hinter den Fassaden verfielen die Häuser. Und Ohnmacht wuchs unter der Belustigung durch fortwährende Feiern und Feste, Jubiläen und Meetings. Längst war der Elan des Aufbruchs, der Athen belebt hatte nach der Befreiung von den Tyrannen, erstarrt zur Pose, die keinen Zweifel an sich duldete. Das berühmteste Opfer: Sokrates.
Um ihn, Sokrates, der einen vollkommenen Menschen träumte, zu ehren, wollen die Freunde ein Fragment des Aristophanes auf die Bühne bringen: die traurige Komödie vom halbierten Androgyn, die Platon später dreist seinem »Gastmahl« einverleiben sollte. - Aber das Stück wird zum Wettbewerb nicht zugelassen, denn: »Jene, die ihn heute als Athens großen Sohn feiern, sind dieselben, die Sokrates damals den Prozeß gemacht haben.«
So bleiben nur wieder Tage und Nächte in Cafés, Kneipen und Klubs und die Getränke, die mit dem Wasser des Lethe gebraut sind. Auch die Freundschaft, ohne Ziel, zerfällt. - »Wir hatten die Insel irgendwo in den Weiten des Meeres vermutet, eine Insel im Raum. Es war aber eine Insel in der Zeit gewesen; wir hatten mitten darauf gelebt und es nicht bemerkt. Sosehr ich auch suchte, ich würde Atlantis nicht wiederfinden. Denn Lethe, der Strom des Vergessens, wirft keinen zweimal an dasselbe Ufer.«
Weitere Informationen, Coverbilder sowie eine E-Book-Ausgabe, aus der Sie gern eine Leseprobe honorarfrei abdrucken dürfen, finden Sie auf unserer Website: www.amokbooks.de
Olaf Trunschke
Die Geometrie der Träume. Erinnerungen
Paperback, 88 Seiten, 9.90 EUR
ISBN 978-3-86157-130-8
Zum Autor:
Olaf Trunschke, geboren 1958 in Radebeul bei Dresden, war Chemiker, später Lektor, Werbetexter und Verleger. Heute arbeitet er als Designer und Dozent für digitale Medien. Außer Prosa (»Das Menschen-Museum« 1989, »Der Brandenburger Tor« 2007) veröffentlichte er bisher vor allem Aphorismen und Gedichte. Der Autor lebt in Berlin.













