(openPR) Antidepressiva sind kein Allheilmittel, in der Therapie aber unverzichtbar. Unsachgemäße Berichte gefährden Patienten
Münster, 7. März 2008 - Die Verunsicherung ist groß, seitdem britische Wissenschaftler der University of Hull zum wiederholten Male die Wirksamkeit von Antidepressiva anzweifeln. Dabei ist das Ergebnis ihrer Studie seit langem bekannt: Der Unterschied zwischen Placebo und Antidepressivum ist desto ausgeprägter je schwerer die Depression des Patienten ist. Daraus zu schließen, dass Antidepressiva kaum mehr als Placebos helfen und therapeutisch verzichtbar seien, ist jedoch gefährlich und unverantwortlich.
„Die Vorbehalte gegen Antidepressiva sind in Deutschland allgemein sehr hoch. Wir müssen viel Überzeugungsarbeit leisten, bevor Patienten einer medikamentösen Behandlung zustimmen. Dabei werden einige überhaupt erst durch den Einsatz von Antidepressiva psychotherapiefähig. Unsachgemäße Berichte über deren Wirksamkeit schüren unnötig Ängste und gefährden das Leben der Patienten“, warnt Schide Nedjat, Ärztliche Direktorin der Christoph-Dornier-Klinik für Psychotherapie in Münster.
Der Einsatz von Antidepressiva ist die Konsequenz einer sorgfältigen psychiatrischen Diagnostik. Ein eigenmächtiges Absetzen der Medikamente ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt kann lebensbedrohliche Rückfälle auslösen.
„Es geht mir doch schon schlecht genug. Jetzt soll ich auch noch Tabletten nehmen, die mich umbringen?“
Dass Antidepressiva unruhig machen und Suizidgedanken fördern können, ist Experten ebenfalls bekannt und kein Argument gegen deren Einsatz, sofern dem Risiko therapeutisch Rechnung getragen wird. Mit Hilfe ergänzender Psychotherapie lassen sich Risikofaktoren frühzeitig identifizieren und behandeln. Gegebenenfalls hilft auch ein Medikamentenwechsel, denn nicht jedes Antidepressivum ist für jeden Patienten gleichermaßen geeignet.
„Patienten mit Depressionen haben meist einen langen Weg voller Zweifel hinter sich. Sie leiden schon genug unter dem Stigma psychisch krank zu sein und Tabletten nehmen zu müssen. Wenn man ihnen diese Stütze nun auch noch nimmt, werden viele ein-knicken. Die Wirkung mag sich erst im Verborgenen zeigen, offenbart sich später aber möglicherweise in steigenden Suizidraten“, sagt Schide Nedjat von der Christoph-Dornier-Klinik.
Antidepressiva sind sicherlich kein Allheilmittel und ihr Nutzen muss individuell abgewogen werden. Für die Behandlung von Depressionen sind sie aber unverzichtbar.







