(openPR) Nach langem Ringen hat das Bundeskabinett vor kurzem die Reform der Erbschaftssteuer beschlossen. Schon schlagen einige der betroffenen Personengruppen Alarm. Mittelständische Familienunternehmen etwa fürchten einen deutlichen Anstieg ihrer steuerlichen Belastung. Hausbesitzer sehen umgekehrt eine klare Benachteiligung von Immobilien gegenüber Betriebsvermögen. Eingetragene Lebenspartnerschaften freuen sich zwar dass sie künftig den gleichen Freibetrag erhalten wie Eheleute, vermögen aber nicht einzusehen, weshalb Heteros 7 % bis 30 % Steuern zahlen sollen, Schwule und Lesben dagegen 30 % bis 50 %. Neuer Streit scheint damit vorprogrammiert.
Dabei kommt es heute schon in Deutschland in jedem zweiten Erbfall zum Streit, der in jeder vierten dieser Familien vor Gericht ausgetragen wird.
Wie der Bremer Psychologe und Vermögensberater Horst Nosofsky in seinem Buch "Erb gut! - Zur Psychologie des Erbens und Vererbens" berichtet, geht es dabei allerdings kaum um die Frage, wer wie viel Steuern zu entrichten hat. Ohnehin betrage die real gezahlte Erbschaftssteuer nur 1% bis 2% vom Nachlass. Vielmehr spielten psychologische und soziale Faktoren die Hauptrolle, also Gefühle und Erwartungen: Habgier, Angst, Mißgunst, Enttäuschung, Rachsucht etc. schöben sich wie ein Keil zwischen die Menschen.
Weiter fragt der Autor: Wie schaffen es künftige Erblasser, die Tabu-Themen Erbschaft, Geld und Tod aus der Sphäre einer meist verkappten Kommunikation heraus zu holen? Wie kommt es, dass mehr als die Hälfte der Über-60-Jährigen weder ein Testament noch einen Erbvertrag aufgesetzt hat? Wodurch zeichnet sich ein liebevolles Verhältnis der Geschwister zueinander aus, so dass sich diese alles Gute gönnen können? Wie können sie gemeinsam rechtzeitig in die notwendige Auseinandersetzung mit den vererbenden Eltern gehen und sich diese nicht von deren Tod wegnehmen lassen? Und falls sie doch zu spät kommen: Was können Kinder tun, um nach einem unerwarteten Todesfall bisherige Differenzen und Konflikte untereinander zusammen mit dem Verblichenen endgültig zu begraben?
Horst Nosofsky legt jedem ans Herz, das Thema Nachlaß frühzeitig anzugehen. Für Eltern lohne es sich, mit "warmen Händen" zu geben und so miterleben zu können, was die Kinder damit anfangen. Künftigen Erben rät er, ehrlich mit den elterlichen Ängsten umzugehen: "Wer sorgt für mich, wenn ich jetzt schon etwas weg gebe?"
Sein im Verlag Hartmut Becker erschienener neuartiger Ratgeber wendet sich an alle, die "von Todes wegen" unverhofft zu Geld gelangen. Neben wertvollen Informationen werden konkrete Wege aufgezeigt, die eigene Rolle zu bestimmen und die Bedeutung des Erbes für die weitere Lebensgestaltung aktiv zu klären.
In seiner Beratungspraxis hält der Experte auch Vorträge und gibt Seminare zum Tabu-Thema Erbschaft. Oft stellt er zur Einstimmung das einprägsame Gedicht von Gottfried August Bürger vorweg:
Die Schatzgräber
Ein Winzer der im Tode lag
rief seine Kinder an und sprach:
"In unserem Weinberg liegt ein Schatz,
grabt nur danach!" "An welchem Platz?"
schrie alles laut den Vater an.
"Grabt nur!" Oh weh, da starb der Mann.
Kaum war der Vater dann im Grab
so grub man dass den Schatz man hab.
Mit Hacke, Schipp und Spaten ward
der Weinberg um und um gescharrt.
Kein Klumpen der da ruhig blieb.
Man warf die Erde gar durchs Sieb
und zog mit Harken kreuz und quer
nach jedem Steinchen hin und her.
Allein man keinen Schatz aufspürt,
und jeder hielt sich angeführt,
Doch kaum erschien das nächste Jahr
so nahm man mit Erstaunen wahr,
dass jede Rebe dreifach trug.
Da wurden erste die Söhne klug
und gruben nun jahrein jahraus
vom Schatze immer mehr heraus.








