(openPR) Russland ist ein großes Fußballland, doch ihre Größe auf dem Spielfeld müssen die Russen erst noch beweisen. Ein Sieg bei einer Europameisterschaft (1960, als UdSSR) und ein Sieg im UEFA-Cup (CSKA Moskau, 2005) – eine magere Ausbeute für ein Land, in dem 142 Millionen Menschen leben, deren Liebe zum Fußball durch ein ganzes Jahrhundert voller politischer und gesellschaftlicher Unruhen unverändert blieb.
Zu Zeiten des Kommunismus gab man oft der ungeschickten Einmischung durch den Staat die Schuld an den verwunderlichen Fehltritten der Nationalmannschaft. Doch auch nach dem Ende des Kalten Krieges frustriert die Unbeständigkeit der Mannschaft noch immer die russischen Fans. Bei der EM 2004 gewann die russische Mannschaft ein Spiel – gegen die späteren Europameister aus Griechenland –, dies allerdings auch erst, nachdem sie nach zwei Niederlagen in den ersten beiden Spielen bereits in der Vorrunde ausgeschieden waren.
Optimismus ohne Ende
Trotz allem strahlt Russland auf einmal Optimismus ohne Ende aus. Zwar finden sich nur zwei russische Spieler in den Top 10-Ranglisten des Castrol Performance Index wieder (vgl. http://euro2008.castrolindex.com/?language=de), doch Trainer Guus Hiddink hat bereits Südkorea und Australien zu Höchstleistungen beflügelt, als seine Mannschaften bei der WM 2002 bzw. 2006 alle Erwartungen übertrafen. Die russischen Fans erwarten daher in diesem Sommer mit gesundem Selbstvertrauen eine ähnliche Wandlung ihrer Mannschaft, nicht zuletzt, da die russische Mannschaft bei der Auslosung relativ viel Glück hatte. (Russland ist in einer Gruppe mit Schweden, Spanien und Griechenland.)
„Wir haben das russische Spiel fundamental geändert,“ so Hiddink. „Sie spielten ziemlich altmodischen Fußball. Wir haben ihnen einen moderneren Stil beigebracht. Doch die Jungs haben immer noch viel zu lernen.“
Der russische Ronaldinho
Obwohl Russland in der Qualifikation nur sieben Gegentreffer zugelassen hatte, sah die Hintermannschaft nicht unbedingt immer souverän aus – England fegte in Wembley mühelos durch –, da sich die Mannschaft noch nicht richtig an Hiddinks 3-4-1-2-System gewöhnt hatte. Im Spiel gegen England in Moskau spielten sie auf Verteidigung und kassierten ein Gegentor. Doch in der zweiten Hälfte spielten sie intelligent, technisch versiert und leidenschaftlich, dominierten den Ballbesitz und griffen aus jedem erdenklichen Winkel an.
Die russische Mannschaft ist nicht um eine einzige Tormaschine aufgebaut. Dmitri Sychev (den man einst zum russischen Michael Owen erklärte), Roman Pavlyuchenko (dessen Doppelpack die Niederlage der Engländer in Moskau besiegelte), Alexandr Kerzhakov und Andrei Arshavin treffen im Durchschnitt jeweils alle einmal in drei Spielen. Arshavin, Russlands Fußballer des Jahres 2006, hat bei der Qualifikation außerdem vier Tore vorbereitet. Der starke Einsatz des 26-Jährigen verhilft ihm zu Platz 70 in der Rangliste der besten Spieler und zu Platz 12 in der Rangliste der besten Torjäger (http://euro2008.castrolindex.com/Stats.aspx?language=de&type=4). Damit ist er der höchstplatzierte russische Stürmer im CPI.
Shooting Star Diniyar Bilyaletdinov spielt am liebsten als hängende Spitze hinter den Stürmern, doch mit seiner taktischen Intelligenz kann er auch hervorragend im zentralen Mittelfeld sowie links außen spielen. Dank seinem vielseitigen Spiel und seinem Engagement im Offensivspiel hat er es als einer der wenigen russischen Stars in den CPI geschafft und wird auf Platz 4 aller qualifizierten Mittelfeldspieler geführt und steht in der Gesamtrangliste der besten Spieler auf dem 34. Rang – nur einen Platz hinter dem bestplatzierten Spieler Russlands, Torhüter Igor Akinfeev (http://euro2008.castrolindex.com/Stats.aspx?language=de&type=5).
Yuri Zhirkov, der gewitzte, quirlige Flügelstürmer von CSKA Moskau, hat inzwischen bereits so viel kreatives Genie bewiesen und so spektakuläre Aktionen gestartet, dass der Spitzname „der russische Ronaldinho“ gar nicht so weit hergeholt scheint.
Arshavin, Bilyaletdinov, Kerzhakov, Pavlyuchenko, Sychev und Zhirkov – alle erst Mitte zwanzig – gehören zu den größten Talenten in der russischen Mannschaft, die Hiddink für die Zukunft aufbaut. Russlands Chancen – für die EM 2008 und die WM 2010 – standen nicht mehr so gut, seit der große Lev Yashin sich vor gut einem halben Jahrhundert die Handschuhe überstreifte.
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