(openPR) „Kriege sind wieder en vogue!“ heißt es im Beiheft des neuen Albums der Berliner Electro-Avantgarde-Formation KOMA69.
„Ich zertrete Berge, werfe Bomben auf die Welt“ schmettert Alexander Graeff, Frontmann von KOMA69, mit eindringlicher Stimme, während René Glase und Mario Leichsenring für industrielle Klänge, kaum zu bändigende Gitarren und schleppende Rhythmen sorgen. Was hier beschworen wird ist ein vergessener Geist – vielleicht sogar ein Gespenst!
Mit dem neuen Album „IL FUTURISMO“ legen die Klangexperimentatoren von KOMA69 die ungewöhnliche Bearbeitung eines unbequemen Themas vor. Texte, Themen und Ästhetik von „IL FUTURISMO“ kreisen, wie der Titel unmissverständlich zu verstehen gibt, um den italienischen Futurismus.
Graeffs skurrile Poesie geht mit der avantgardistischen Kunstströmung des frühen 20. Jahrhunderts durchaus kritisch ins Gericht, spielt aber auch bewusst mit verlorengegangenen Ästhetizismen.
Die Umsetzung des Themas folgt dabei keinem strikten Muster. Die Musik lässt sich nur sehr schwer einem bestimmten Genre zuteilen. Elemente von Rock, Funk, NDW, Metal und einer Brise Dadaismus vereinen sich zu einer bewegenden Gesamtkomposition. Die Musik ist wie „das berauschende Vibrieren des Propellers“, wie das subtile „Klagen der grünen Orpheus-Maschine“ und unterbreitet somit keine besinnlichen Töne, sondern eine expressive, aufregende bis aufrüttelnde Text- und Toninszenierung.
Die harten Töne und Zitate sollen beim Erinnern helfen, wie Alexander Graeff betont: die radikale Brisanz des Albums müsse aber selbst wieder aufgebrochen werden und könne nur mittels eines „selbstironischen Seitenhiebs“ relativiert werden, der dem Hörer hier und da zwischen den Zeilen begegnet. So heißt es im Beiheft von „IL FUTURISMO“: „Der schiefe Blick des Künstlers auf die Welt braucht nicht so schief zu sein, um zu erkennen, dass Krieg niemals richtig unpopulär war.“
Wie der italienische Futurismus greift auch KOMA69 die Themen Krieg, zunehmende Technisierung, und den ambivalenten Sieg der Maschine über den Menschen wieder auf, plakatiert aber nicht oder zeigt mit sittenstrengem Finger auf die Brandherde in der Welt. KOMA69 geht es um die persönlichen Beschreibungen dieser Phänomene, Zustände und Entwicklungen. Vielmehr um „revolutionäre Entwicklungssprünge des menschlichen Gehirns“, um „Lebensfragen, Sinn“ und um „hypnotisierende Traurigkeit“.
Der Ausspruch „Der Mensch entwickelt sich zur Maschine, und die Maschine zum Menschen“ des Futuristen Umberto Boccioni ist heute ein Allgemeinplatz geworden, KOMA69 pflügt diesen Ort um. Das, was längst Konsens geworden ist, kann so erneut problematisiert werden.
„IL FUTURISMO“ ist beim Indie-Label KATAKOMBEN REKORDZ erschienen. Record-Release ist am 21. Februar 2008. Zu diesem Anlass präsentieren KOMA69 ihre experimentelle Liveshow im ZMF in Berlin.
Weitere Informationen über die Band und das neue Album auf www.koma69.com.












