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Buchkritik: Bedeutender Publizist mit Hang zur Selbstzerstörung

11.12.200715:39 UhrKunst & Kultur

(openPR) Peter Merseburgers glänzende Biographie über den nationalliberalen Rudolf Augstein

Peter Merseburger hat eine erstaunliche Karriere gemacht. Von 1960 bis 1965 arbeitete der 1928 in Zeitz Geborene als Redakteur und Korrespondent beim Spiegel spiegel.de. Später moderierte er das Fernsehmagazin Panorama. Nach einer Station als Fernseh-Chefredakteur des NDR ging Merseburger als ARD-Korrespondent nach Washington, Ostberlin und London. Man kann mit Fug und Recht von einem erfüllten und beeindruckenden Journalistenleben sprechen. Doch seit seinem Ausscheiden aus dem aktiven Dienst vergnügt sich Merseburger keineswegs nur als Pensionär in Südfrankreich. In den letzten zwölf Jahren hat er sich unter anderem als Biograph von Kurt Schumacher und Willy Brandt hervorgetan.



Jetzt ist Rudolf Augstein dran, immerhin einer der wichtigsten Publizisten der alten Bundesrepublik. Und auch in diesem Fall ist Merseburger nur zu loben. Sein Buch über den Spiegel-Gründer ist hervorragend geschrieben und recherchiert. Der Biograph findet immer die richtige Balance zwischen Sympathie und Kritik. Wenn er Augsteins spätere alkoholische Exzesse oder auch seine amourösen Eskapaden schildert, dann lüftet hier nie ein Voyeur den Vorhang. In seinen späten Jahren hatte Augstein einen Hang zur Selbstzerstörung. Der „gnadenlose Realist“ hätte sich bestimmt nicht gewünscht, dass diese Zeit geschönt dargestellt worden wäre. Seine oft etwas despektierlichen Äußerungen über Katholiken, Klerus und Chistdemokratie hätte Merseburger sich jedoch verkneifen können. Die manchmal etwas kleinkarierten Hiebe gegen den angeblich katholischen Adenauer-Staat hat ein so brillanter Stilist und Historiker wie Merseburger gar nicht nötig.

Vor allem unter seinem Pseudonym Jens Daniel galt Augstein als der intellektuelle Widerpart des Gründungskanzlers. Doch dass er ein Linker gewesen sei, zu dem ihn manche aus der Hamburger Medienschickeria gern machen würden, dies entlarvt der Biograph als Irrglaube. Augstein war ein in der Wolle gefärbter Nationalliberaler, der sich für die deutsche Einheit einsetzte, keine Skrupel beim journalistischen Einsatz ehemaliger Nazis zeigte und zum Nachbarn Frankreich nie einen positiven Draht finden konnte. Merseburger spielt dabei gekonnt den Vorteil aus, dass er erstmals Einsicht nehmen durfte in die bislang unter Verschluss gehaltene private Korrespondenz und die privaten Aufzeichnungen.

Dankenswerterweise räumt der Autor mit manchen linken Legenden auf. So berichtet er über eine Kaffeehandel- und Schmuggelserie, in der so genannte displaced persons (DPs) auftauchen, und schreibt zurecht, dass die Wortwahl des Spiegel an diejenige des „Dritten Reiches“ erinnert – Gesetzesbrecher sind oft von „südländischem Typ“, „Menschen fremdrassigen Ursprungs“ oder stammen von obskurem „Grenzvolk“ ab. Auch die Recherchequalitäten seines Magazins reichten in der Anfangszeit bei weitem nicht an das heran, was der Spiegel heute zum Standard hat. Man klaute unbekümmert bei der New York Times, der Time oder bei Newsweek. Rudolf Augstein kommentierte Kritik an der Auslandsberichterstattung seines Organs mit den Worten: „Fauzi el Khauki aus Arabien dementiert sowieso nicht“.

Und um die Auflage zu steigern, hatte Augstein auch keinerlei Berührungsängste mit ehemaligen Nazis. Crime stories aus der NS-Welt oder Interna aus dem „Tausendjährigen Reich“ versprachen oder versprechen immer noch Auflage, wobei sich der Spiegel heutzutage selbstverständlich anderer Quellen und Informanten bedient.

Sicher, Augsteins Versuche, als FDP-Politiker zu reüssieren, waren lächerlich. Er hätte sie besser unterlassen. Sicher, seine Versuche, neue Zeitungen und Magazine aus dem Boden zu stampfen, waren ebenfalls nicht von Erfolg gekrönt, wenn man mal von dem Manager-Magazin absieht. Axel Springer war einfach der genialere Geschäftsmann. Trotz alledem bleibt Rudolf Augstein, der in seinen späteren Jahren auch als Hobby-Historiker zu einem gewissen Ruhm kam, eine imposante Figur der bundesdeutschen Nachkriegsgeschichte. Dass ein netter Herr Kleber, der viel Mattscheiben-, aber keinerlei Print-Erfahrung mit bringt, als neuer Chefredakteur des Spiegel im Gespräch ist, zeigt viel über den Bedeutungsverlust dieses ehemaligen Leitmediums. Man sollte nie kulturpessimistisch argumentieren: Aber, mit Verlaub, die Schuhe des im wahren Leben kleinwüchsigen Rudolf waren für seine Erben ein wenig zu groß. Von seiner Tochter Franziska, einer echten Nervensäge, wollen wir hier lieber ganz schweigen.

Peter Merseburger: Rudolf Augstein. Biographie. Deutsche Verlags-Anstalt: München 2007. 560 Seiten. 29,95 Euro.

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