(openPR) Gemischte Nachbarschaften sind schwierig. Das weiß jeder Student, dem der Familienvater von oben um drei Uhr morgens wütend im Türrahmen steht, weil die Fete am Montag Abend nicht zum Job um sechs Uhr Morgens passt. Das weiß auch die sechzigjährige Hausfrau, die nicht versteht, warum die junge Nachbarin mit Vollzeitjob und zwei Kindern tatsächlich nur alle zwei Wochen den Flur putzt. So weit die Vorurteile, so gut.
Aber wenn auch noch unterschiedliche Kulturen und Ethnien aufeinander in einem Wohnhaus treffen, dann sei es mit der friedlichen Nachbarschaft vorbei, so Thomas Dilger von der Wohnungsgesellschaft Nassauische Heimstätte. Denn die Migrantenfamilie putzt nicht gut genug für die deutsche Omi und — so ein Pressesprecher der Wohnungsgesellschaft — der strenggläubige Muslim will keinen deutschen, türkischen oder sonstigen Bauch unter dem T-Shirt sehen. Die Lösung für die interkulturelle Misere seien die Milieuhäuser. Gemischte Stadtviertel ja, gemischte Häuser nein. Der politische Aufschrei ließ nicht lange auf sich warten und die Wohnungsgesellschaft fragte erstaunt, wie man denn hier eine Ghettoisierung vermuten könne.
Ob man bei Milieuhäusern allerdings die Integration fördert, das bleibt genauso fraglich, wie die Klischees deren sich Herr Dilger und sein Pressesprecher bedienen. Auf der einen Straßenseite die fröhlich putzende deutsche Oma, im Nachbarhaus schmutzige Korridore, schreiende Kinder und betende, bärtige Muslime. Hier spielen Vorurteile gegenüber Migranten natürlich keine Rolle und die Integration ist vorprogrammiert. Von Ghettoisierung nicht die Spur. Und alles zum Schutz der Mieter, bleibt nur die Frager welcher. Vermutlich all jener, die bei der Wohnungserstbesichtigung zufällig nicht gesehen haben, dass auf jeder zweiten Klingel Yilmaz oder Chertoff steht. Die Idee des Milieuhaus ist einmalig und es bleibt zu hoffen, dass sie einmalig bleibt. Ansonsten kann man nach Milieus noch Single Wohnhäuser (zu einsam), Studentenwohnhäuser (zu schmutzig), Dreikindfamilienwohnhäuser (zu laut) und natürlich Wohnhäuser für alle ordentlichen, pünktlichen und putzenden Deutschen (zu selten) einrichten.
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