(openPR) Einer Mitteilung in der Ärztezeitung Online (04.12.07) zufolge plädiert der Gesundheitsökonom Jürgen Wasem offensichtlich für eine stärkere Berücksichtigung von Therapiekosten bei Leitlinien.
„Künftig werde es immer mehr zu einer expliziten Priorisierung über die Definition von Versorgungsstandards oder über Kosten-Nutzen-Analysen kommen, so Wasem. Er persönlich würde dabei sogenannte kostensensitive Leitlinien bevorzugen, also die Integration von ökonomischer Evidenz in Behandlungsleitlinien.
Wasem räumte ein, dass derzeit viele Leitlinien nicht auf dem aktuellen Stand sind. Das werde sich aber rasch ändern, wenn dabei auch die Kosten einer Behandlung stärker ins Blickfeld gerückt werden.“
Quelle: Ärztezeitung Online (04.12.07) http://www.aerztezeitung.de/politik_gesellschaft/default.aspx?sid=475095
Kurze Anmerkung (L. Barth):
Ob es künftig zu einer expliziten Rationierung kommen wird, bleibt abzuwarten. Bedenklich hingegen muss der Hinweis von Wasem stimmen, dass derzeit viele Leitlinien nicht auf dem „aktuellen Stand“ seien. Dieser Hinweis würde im Ergebnis bedeuten, dass die Leitlinien offensichtlich nicht mehr die „gute medizinische Behandlung“ verbürgen und demzufolge der Therapeut gehalten ist, eben diese „nicht mehr aktuellen“ Leitlinien nicht mehr zu berücksichtigen. Ist dem tatsächlich so?
Die These allerdings, dass die Aktualität der Leitlinien sich schnell ändern werde, wenn dabei auch die Kosten einer Behandlung ins Blickfeld rücken, dürfte einigermaßen rabulistisch sein. In erster Linie sollen die Leitlinien Ausdruck einer lege artis Behandlung sein und der fachlich gebotene Standard ist unabhängig von den Kosten zu beurteilen. Eine ökonomische Evidenz steigert regelmäßig nicht den fachlichen Standard, sondern begrenzt diesen lediglich in Form einer expliziten Rationierung, ohne dass hiermit ein Beitrag zum leitliniengerechten Handeln des Therapeuten geleistet wäre.













