(openPR) Lüneburg 29.11.2007 - Kurz vor 100 Dollar für das Barrel US-Rohöl dreht der Aufwärtstrend ein zweites Mal ab. Allem Anschein nach wird die Luft in diesen Preishöhen als sehr dünn empfunden. Spekulanten mögen sich dort nicht lange aufhalten. Kleine Anzeichen von Kursschwäche führen zu Verkäufen. Ein erstes Zeichen wurde durch die These ausgelöst, dass die OPEC zu einer Förder- und Liefererhöhung bereit sei. Gestern gab es ein zweites Zeichen, das den US-Bestandsdaten zu verdanken ist. Es hatte eine massive Verkaufswelle zur Folge. Rohöl fiel um rund vier Dollar. Der Aufwärtstrend sieht dadurch lädiert aus. Es kommt Hoffnung auf eine Preiswende auf. Der Dollarkurs befindet sich in einer Gegenbewegung zum Abwärtstrend. Die wurde gestern durch Zinssenkungsspekulationen für die USA genährt.
Die von DOE (Department of Energy) und API (American Petroleum Institute) gemeldeten Daten über die US-Vorräte sind nicht ernsthaft bärisch. Sie sind sie widersprüchlich:
Rohöl: -0,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. -5,3 Mio. Barrel (API)
Heizöl und Diesel: -0,1 Mio. Barrel (DOE) bzw. +2,6 Mio. Barrel (API)
Benzin: +1,4 Mio. Barrel (DOE) bzw. +0,1 Mio. Barrel (API)
In Summe ergibt sich ein Aufbau von 0,9 (DOE) bzw. ein Abbau von 2,6 (API) Mio. Barrel. Die US-Importe sind geringer als in der Vorwoche und deutlich höher als im Vorjahr. Die Raffinerieverfügbarkeit ist auf 89 Prozent gestiegen. Die Zahl ist immer noch schwach. Dennoch könnte die Steigerung ein Schlüssel für die bärische Interpretation der Daten sein.
Dass diese eine Verkaufswelle auslösen konnte, könnte aber auch auf einen Sinneswandel an der Börse hindeuten. Möglicherweise hat das lange Wochenende um Thanksgiving in den USA der preistreibenden Euphorie geschadet. Spekulanten könnten sich beim Truthahnessen darüber bewusst geworden sein, dass sie eine Übertreibung erzeugt haben.
Hinweise auf eine Übertreibung der Preise gibt es zuhauf. Die Vorräte sind zwar nicht so hoch wie vor einem Jahr. Sie lassen aber nicht ernsthaft Zweifel an der Versorgungssicherheit für diesen Winter zu. Die angeschlagene US-Konjunktur legt einen Nachfragerückgang nahe. Aber auch ohne eine Konjunkturschwäche beginnt die Nachfrage in den alten Industrieländern zu sinken. Kurz- und Mittelfristig gibt es somit keinen Grund, auf Verknappung zu setzen. Langfristig sieht das wegen des starken Nachfragewachstums in China und Indien anders aus. Daher sind die aktuellen Preise auf lange Sicht in Ordnung. Kurzfristig sind sie aber vollkommen überzogen.
Zu diesem Schluss kommt auch die Investmentbank Bear Stearns. Zwar hob sie die Prognose für 2008 an. Ursprünglich schätze sie für das Barrel Texasöl einen Jahresdurchschnittspreis von 60 Dollar. Nun wird dieser Preis mit 75 Dollar angegeben. Wenn die Schätzung einen Hauch von Wirklichkeitsnähe hat, muss Öl aber wieder billiger werden.
Heute Morgen startet der Markt mit einer Gegenbewegung zu den gestrigen Verlusten. Die Tonne Gasöl verteuert sich auf 827,25 $. Bullische Spekulanten glauben, wieder billig einzukaufen. Verbraucher dürfen hoffen, dass sie falsch liegen.
Unsere Heizölpreise haben spürbar nachgegeben. Die zuletzt sehr bullische Börse scheint geläutet zu sein. Ob sich ein haltbarer Sinneswandel der Preistreiber einstellt, ist noch ungewiss. Die Aussichten hierfür sind immerhin besser als vor einer Woche. Wer dringend Heizöl benötigt, kann durch den Preisverfall der letzten Tage bei 3000 Liter Heizöl bereits einen Bonus von drei Prozent gegenüber den Höchstpreisen realisieren.
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