(openPR) Der 1. Weltkongress der Führungskräfte von Pflegeheimen ging am Samstag, den 17. November 2007, mit positiver Stimmung zu Ende. An drei Kongresstagen haben sich über 850 Teilnehmer aller fünf Kontinente über die Zukunft des Alterns verständigt. Die Veranstalter, der Deutsche Verband der Leitungskräfte von Alten- und Behinderteneinrichtungen e. V. (DVLAB) und die European Association for Directors of Residential Care Homes for the Elderly (E.D.E.), haben eine überdurchschnittlich gute Resonanz erfahren. Als Perspektiven kristallisierten sich drei Aspekte heraus:
1. Die Vermeidung der Pflegebedürftigkeit und die Beschaffung alternativer Wohn- und Lebensformen haben oberste Priorität. Heimkonzepte müssen stärker auf die Minderung der Pflegebedürftigkeit ausgerichtet werden.
2. Das Versorgungsprinzip "Heim" muss im Stadtteil, im Quartier zum Dienstleistungs- und Servicezentrum werden.
3. Die Verbesserung der Qualifizierungsmöglichkeiten und Erhöhung der Kompetenzen von Führungskräften der Langzeitpflege durch Hochschulausbildung.
"Veränderung beginnt im Kopf", meint Alfred T. Hoffmann, Mitglied des DVLAB und Geschäftsführer von "IQ - Innovative Qualifikation in der Altenpflege“. „Dieser Kongress war der erste Schritt, um tradierte Denkgrenzen in der Heimleiterschaft zu verändern."
Mit etwa 50 hochkarätigen Akteuren aus der Branche und Referenten wie Alexandre Sidorenko von den Vereinten Nationen sowie Marion Caspers-Merk, der parlamentarischen Staatssekretärin des Bundesministeriums für Gesundheit, wurde die Zukunft des Alterns thematisiert. Besondere Beachtung aus der Politik erhielt die noch vorherrschende Unterscheidung ambulanter und stationärer Trennung, deren Abgrenzung es aufzubrechen gilt. Weitere Ansätze aus Wirtschaft und sozialen Institutionen lieferten Teilnehmern und Referenten den Stoff für den internationalen Dialog. Innovative Finanzierungsprojekte wurden ebenso erörtert wie gesellschaftliche Problematiken.
So stellte Prince Bengha Ngochia aus Kamerun letzte Erkenntnisse über traditionelle Veränderungen in seinem Land heraus. Dort ist ein Wandel zu verzeichnen, durch den der Stellenwert des Nachwuchses als einzige Altersversorgung nicht mehr erstrangig ist. Verursacht wird die aufkeimende Altersarmut durch die wirtschaftlichen Verhältnisse, die die jungen Leute in die Großstädte zieht, und das Wegbrechen der mittleren Generation durch die HIV-Problematik. Aus dieser Not heraus entstehen auch in Afrika immer mehr Organisationen, die sich um die alternde Bevölkerung kümmern und den internationalen Dialog suchen.
"Es wurde sehr deutlich, dass die deutschen Pflegestandards im Vergleich zu anderen Ländern sehr gut sind. Wir liegen weit vorn", kommentierte Claire Désenfant, Geschäftsleiterin der Seniorenresidenz Erlenhof in Freiburg, den Kongress. Auch für sie eröffneten sich neue Perspektiven. "Man ist in seinem eigenen Reich betriebsblind. Der Austausch mit anderen Heimleitern ist sehr wichtig, um zwischenzeitlich eigene Bestandsaufnahmen machen zu können", sagt sie. "Ich habe hier neue überregionale Netzwerke gesucht und gefunden. Wir werden uns verständigen, gegenseitig bewerten und so weitere Verbesserungen forcieren."
Besonders intensiv wurde ein Finanzierungsmodell aus den USA diskutiert. Das "OnLok"-Modell gewährt sämtliche Pflegeleistungen zu einem festen Satz, der 10 % unter der vergleichbaren staatlichen Pflegeunterstützung liegt. Für die Pflegenden bedeutet dies, dass die Leistungen zur Erhaltung der Selbständigkeit der betreuten Senioren besser entlohnt wird als die kostenaufwändigeren Betreuungsmodelle, etwa die stationäre Pflege. Das Modell funktioniert also gegenläufig zum bundesdeutschen, bei dem die meisten Gelder erst im Pflegefall fließen.
"Hier herrscht Aufbruchstimung, und ich habe einen Traum:" sagt Professor Wilfried Schlüter, Präsident des E.D.E. "Professionelle Führungskräfte in der Langzeitpflege werden in der Lage sein, ihre mentalen Mauern zu beseitigen und den unterschiedlichen Partnern im Arbeitsfeld Langzeitpflege mit gegenseitiger Wertschätzung und Vertrauen begegnen und die Zukunft evolutionär gestalten. Hierfür wünsche ich mir einen weltumspannenden Berufsverband, der die Entwicklungen der Langzeitpflege auf den fünf Kontinenten gestaltet und kritisch, aber konstruktiv begleitet."
Der zweite Weltkongress der Führungskräfte von Pflegeeinrichtungen wird im Jahr 2010 in Vancouver, Canada, stattfinden









