(openPR) Einfluss von Totalitarismus und Kriegen auf die Pädagogik im Geiste Don Boscos
Vom 31. Oktober bis zum 4. November 2007 hat im polnischen Krakau eine internationale Tagung des salesianischen Geschichtsvereins ACSSA (Associazione Cultori di Storia Salesiana) stattgefunden. 45 Salesianer Don Boscos, Don-Bosco-Schwestern und Laien aus 13 Ländern Europas befassten sich mit dem Einfluss der zwei Weltkriege, des Nationalsozialismus, des Kommunismus und des Faschismus auf die Pädagogik im Geiste Don Boscos. Den deutschen Sprachraum vertraten Schwester Katharina Schmid und Pater Johannes Wielgoß aus Essen/Ruhr sowie Pater Prof. Dr. Franz Schmid und Pater Prof. Dr. Norbert Wolff (ACSSA-Vorsitzender) aus Benediktbeuern.
Die bei der Tagung gehaltenen Referate machten deutlich, dass die Probleme der Ordensgemeinschaft je nach Land sehr unterschiedlich ausfallen konnten. Wo man im Erziehungs- und Bildungswesen mit dem Staat kooperierte (etwa in Deutschland im Bereich der Erziehungsheime und Schulen), ergab sich das Dilemma, dass ein totalitäres Regime, das an die Macht gelangte, Anforderungen an die Ordenseinrichtungen stellte, die in krassem Widerspruch zu den christlichen Werten standen. Es kam die Frage auf, ob man im System verbleiben sollte, um sich einen gewissen Handlungsspielraum zu bewahren, oder ob man dieses System verlassen sollte. In anderen Ländern wurden die Häuser des Ordens geschlossen und der Orden teilweise verboten. Salesianische Jugendarbeit und Jugendpastoral geschah dann vorwiegend in Pfarreien (etwa in Polen) oder im Untergrund (etwa in der Tschechoslowakei).
Pater Johannes Wielgoß behandelte in seinem Referat ein salesianisches Fürsorgeheim, dessen Direktor schwere Gewissenskonflikte hatte, weil der nationalsozialistische Staat Jugendliche »zur Verhütung erbkranken Nachwuchses« zwangsweise sterilisieren wollte. Pater Franz Schmid gab einen Überblick über den Einfluss des Nationalsozialismus auf die pädagogischen Konzepte und die Erziehungspraxis der Salesianer und der Don-Bosco-Schwestern in Österreich. Schwester Katharina Schmid beschäftigte sich in ähnlicher Weise mit den deutschen Don-Bosco-Schwestern. Pater Norbert Wolff sprach über »Oswiecim / Auschwitz als salesianischen Erinnerungsort«.
Eine bedrückende Atmosphäre herrschte bei einem Besuch des in der Nähe von Krakau befindlichen ehemaligen deutschen Konzentrationslagers Auschwitz. Hier hatten auch polnische Salesianer Don Boscos den Tod gefunden. Am Wochenende vor der Tagung waren übrigens in Rom fast 500 spanische Märtyrer seliggesprochen worden, darunter 63 Angehörige der Salesianischen Familie. Um Verfolgung, Inhaftierung und Tötung von Ordensleuten ging es dann auch in mehreren Referaten.
Besonders bewegend war die Begegnung mit Pater Ernest Macák. Der 87-jährige Slowake, dessen Lebensbeschreibung soeben in spanischer Sprache erschienen ist, wurde 1946 zum Priester geweiht und 1950 nach der gewaltsamen Auflösung der Ordensgemeinschaften in ein kommunistisches Konzentrationslager verbracht. Er konnte fliehen und lebte zunächst zwei Jahre lang im Untergrund. Erneut verhaftet wurde er für drei Jahre in die Psychiatrie eingewiesen und unter anderem mit Elektroschocks »behandelt«. Anschließend befand er sich dreizehn Jahre lang als vermeintlich psychisch Kranker auf dem Bauernhof seiner Eltern, wo er als Salesianerpriester im Verborgenen wirken konnte. Täglich feierte er die Eucharistie zusammen mit seiner Mutter; einmal im Monat besuchte ihn ein weiterer im Untergrund lebender Mitbruder. Der Prager Frühling ermöglichte ihm die Ausreise nach Rom. Von 1993 bis 1999 wirkte er als Provinzial der slowakischen Salesianer in Preßburg.
»Es war gut, dass wir uns offen und ehrlich über die Erfahrungen austauschen konnten, die die Kongregation in ganz unterschiedlichen Ländern gemacht hat. Auf diese Weise können wir einander besser verstehen und zu einem vertieften Dialog gelangen«, so das Resümee des ACSSA-Vorsitzenden Norbert Wolff. Bei der nächsten Tagung zur salesianischen Geschichte möchte man sich einem erfreulicheren Thema zuwenden. Für Ende 2009 ist ein weltweites Treffen in Turin geplant, bei dem es um Don Boscos Nachfolger Michele Rua (1837–1910) gehen wird – den salesianischen Generalobern, der dem Don-Bosco-Werk den Weg nach Deutschland geebnet hat.












