(openPR) Vormarsch der Krankheit stellt ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem
Berlin - Heute haben über 300 Delegierte auf dem WHO Ministerforum ”Gemeinsam gegen Tuberkulose” eine Erklärung zur Eindämmung von Tuberkulose verabschiedet. Diese ”vergessene” Krankheit stellt durch ihr Wiederauftreten ein zunehmendes Gesundheitsproblem innerhalb der Europäischen WHO Region dar. Die Erklärung mahnt dringenden Handlungbedarf an, um die hohen Zahlen an Erkrankungen sowie die Entstehung schwer behandelbarer multiresistenter (MDR-TB) und extrem multiresistenter (XDR-TB) Formen der Krankheit einzudämmen. Sie verpflichtet Mitgliedstaaten und internationale Partnerorganisationen zu einem verstärkten politischen und finanziellen Engagement, um die Krankheit unter Kontrolle zu bringen und schließlich zu besiegen.
Ziel des Ministerforums war es, die Erkrankung Tuberkulose stärker in das Bewusstsein öffentlicher Entscheidungsträger zu rücken. Zahlreiche Gesundheitsministern sowie hochrangigen Regierungsvertretern aus 49 der 53 Länder der Europäischen WHO Region auch hochrangige Vertreter der Vereinten Nationen, zwischenstaatlicher Organisationen und Nichtregierungsorganisationen nahmen an der Veranstaltung teil. Auf der Tagesordnung standen aktuelle Herausforderungen für Gesundheitssysteme beim Kampf gegen TB und notwendige Maßnahmen, um das sechste Millenniumsziel der Vereinten Nationen zu erreichen, bis 2015 die Ausbreitung von Tuberkulose aufzuhalten und allmählich eine Trendumkehr zu erreichen.
Weltweit ist die Europäische WHO Region derzeit neben Afrika die einzige Region, in der die TB-Infektionszahlen zu langsam zurückgehen, um das sechste Millenniumsziel noch zu erreichen. Die Erklärung zeigt Wege auf, um hier schneller voranzukommen: zum einen sollen sowohl auf globaler als auch auf europäischer Ebene zusätzliche finanzielle Mittel sichergestellt werden; zum anderen verpflichtet sich jeder Mitgliedsstaat dieses Ziel auf seine eigene politische Agenda zu setzen.
Die Deklaration wurde im Zeitraum eines Jahres erarbeitet. Mehrere internationale Treffen beteiligter Staaten und Partner gingen der Verabschiedung voraus. Die finale Version der Deklaration finden Sie unter: http://www.euro.who.int/tuberculosis/TBForum/20070926_1
Zu dem auf dem Forum verabschiedeten Dokument äußerte sich Dr. Mark Danzon, WHO Regionaldirektor für Europa: „Welche Bedeutung hat diese Erklärung für mehr als 445.000 TB-Patienten in der Europäischen WHO Region? Letztendlich stehen die Handelnden der Gesundheitspolitik in der Verantwortung, die in Berlin gefassten Entschlüsse umzusetzen. Als WHO stehen wir mit maßgeschneiderten Tuberkulose Programmen zur Hilfe bereit, die einen positiven Beitrag zur Verbesserung der Gesundheit darstellen. Die in Berlin diskutierten Herausforderungen können mit politischer Unterstützung erfolgreich in die Tat umgesetzt werden. Aus diesem Grund haben wir dieses Ministerforum einberufen. Wir wollten auf die Probleme, die Tuberkulose den Gesundheitssystemen unserer Mitgliedsstaaten bereitet, aufmerksam machen und die Regierungen dazu zu motivieren, mehr zu tun.“
Jorge Sampaio, UN Sonderbeauftragter des „Stop TB Partnership“ Programms fügte hinzu:
„Ohne die Bereitschaft von Politikern und Regierungen, den Kampf gegen TB aufzunehmen, kann die gegenwärtige Lage nicht verbessert werden. Das Ministerforum ist ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Mehr internationale Zusammenarbeit und Koordination auf sämtlichen Ebenen bleibt weiterhin notwendig.“
Für das gastgebende Land betonte Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt: „Erfolge in der Tuberkulosebekämpfung stehen immer auf zwei Beinen: Dem medizinischen Fortschritt und der Unterstützung durch die Gesundheitspolitik – eines ist ohne das andere nicht denkbar. Deshalb hat Deutschland bereits im März in Berlin anlässlich des Welttuberkulosetages eine Fachkonferenz veranstaltet, die den aktuellen Stand der Tuberkuloseforschung gebündelt hat. Das heutige Ministerforum zur Tuberkulose am gleichen Ort gibt den politischen Startschuss, die Tuberkulosebekämpfung noch aktiver anzugehen als bisher.“
Auszüge aus der Deklaration:
Im Blickpunkt stehen die Tuberkulose-bedingten Herausforderungen der Europäischen WHO Region. Die Erklärung betont dabei insbesondere:
- 2005 gab es 445.000 Tuberkuloseneunfizierungen, 66.000 Menschen erlagen der Krankheit.
- In 18 Ländern der Europäischen WHO Region bedarf die Kontrolle der Tuberkulose besonderer Aufmerksamkeit. Dabei dürfen die restlichen Länder nicht außer acht gelassen werden: jüngst kam es in Ländern mit einer relativen geringen Tuberkulosebelastung zu einer Umkehr der Zahlen.
- Innerhalb verschiedener Gruppen wie beispielsweise Migranten, Obdachlosen, Gefängnisinsassen und weiteren gefährdeten Gruppen ist die Zahl der Tuberkuloseinfektionen länderübergreifend besonders hoch.
- Obwohl ständig neue Tuberkulosestämme auftreten, wurden seit Jahrzehnten weder neue Methoden der Diagnostik noch Medikamente oder gar Impfstoffe entwickelt.
- In zahlreichen Ländern der Europäischen WHO-Region herrscht ein Mangel an medizinischem und Tuberkulose-geschultem Fachpersonal.
- Bei HIV/AIDS-Patienten ist Tuberkulose die häufigste Todesursache. Nur wenige Länder berücksichtigen diese Ko-Infektion in angemessener Weise.
Weitere Informationen über aktuelle Herausforderungen im Kampf gegen die Tuberkulose finden Sie auf unserem Faktenpapier:
http://www.who.int/mediacentre/factsheets/fs104/en/index.html
Begleitende Veranstaltung der Zivilgesellschaft
Am 21. Oktober organisierte das „Open Society Institute“ (OSI) ein Treffen von Kommunalvertretern und Angestellten der kommunalen Gesundheitssysteme. Ziel des Treffens war die Vernetzung der Akteure und die Förderung des Austauschs untereinander. Die Teilnehmer beschlossen in Zukunft stärker als bisher zusammenzusarbeiten und betonten die Notwendigkeit weiterer Mittel im Kampf gegen Tuberkulose. Sie unterbreiteten heute den Delegierten des Ministerforums ihr Angebot zur Zusammenarbeit.
Die First Lady Georgiens und Tuberkulosebotschafterin des globalen „Stop TB Partnership“ Programms, Frau Sandra Roelofs, begrüßte den Einsatz der Zivilgesellschaft: ”Jeder einzelne Patient bedarf über eine medizinische Behandlung hinaus Fürsorge und Pflege. Erst wenn das gewährleistet ist, schreiten wir im Kampf gegen die Tuberkulose auch menschlich voran.“
Weitere Informationen erhalten Sie hier:
Fachliche Informationen:
Dr Risards Zaleskis
Regional Adviser, Tuberculosis Control
WHO Regional Office for Europe
Scherfigsvej 8, DK-2100 Copenhagen Ø, Denmark
Tel.: +45 3917 1335. Fax: +45 3917 1818
E-mail:
Dr Lucica Ditiu
Medical Officer, Tuberculosis Control
WHO Regional Office for Europe
Scherfigsvej 8, DK-2100 Copenhagen Ø, Denmark
Tel.: +45 3917 1378. Fax: +45 3917 1818
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Ms Liuba Negru
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