(openPR) Die aktuelle Ausstellung der Galerie Jens Goethel zeigt vier junge Positionen zeitgenössischer Kunst im Bereich von Malerei, Zeichnung, Collage und Objektkunst von vier in Hamburg und Leipzig lebenden Künstlern.
Corinne von Lebusa (*1978 Herzberg/Elster)
Um Geschichten zwischen Mann und Frau geht es in den kleinformatigen Malereien und Zeichnungen der Leipziger Künstlerin Corinne von Lebusa. In Anwendung von verschiedenen Techniken der Aquarell- und Ölfarbe, kombiniert mit Tuschzeichnung, gestaltet die Schülerin von Neo Rauch kleine bildhafte Episoden, die abschließend mit Retuschierfirnis lasiert werden. Als kleine Bedeutungspartikel werden zudem Ausschnitte aus Zeitschriften oder eigene Vorzeichnungen collagehaft montiert und in Gestaltung des Gesamten integriert.
In der Präzision ihrer Zeichnung und die Aneinanderreihung von klein gerahmten Bildfeldern, gleichen Lebusas Erzählungen dem Stil des Comic und der Werbegrafik aus dem Amerika der fünfziger Jahre. Wie Illustrationen in medizinischen Handbüchern gestaltet, drückt sich in ihren Werken hinter der großen Fabulierfreude traumhaft Imaginäres und Hintergründiges aus. Die kleinteiligen Bildwerke geben Hinweise auf das Leben und tarieren die erotischen und sexuellen Beziehungen, sowie die komplizierten Beziehungsgeflechte zwischen den Geschlechtern aus. Nüchterne Nacktheit und weiß belassene Körper verursachen einen erbarmungslosen Realismus in der Darstellung, ein Effekt, der wiederum ganz bewusst mit glamourösen Hintergründen in Beziehung gesetzt wird. Schwarz konturiert agieren die Figuren im Bild. In anderen Bildern kokettieren die Frauen mit ihren weiblichen Reizen und provozieren den voyeuristischen Blick des Betrachters.
Lebusas Bilder versprechen keine Lösungen, sondern regen zu Gedankenspielen an und wollen Lebensgewohnheiten hinterfragen. Viele ihrer Andeutungen bleiben allegorisch verschlüsselt. Der Reichtum an Details und die sensible farbliche Gestaltung machen jedoch den großen den Reiz ihrer Arbeiten aus.
Friedrich Lissmann (*1979 Leipzig)
In einer Gemeinschaftsarbeit mit Peter Wächtler ist die Arbeit „Mysterie Star“ von Friedrich Lissmann entstanden. Ein über das Internet bestelltes Schwert, das aufgrund seiner Herstellung eigentlich nur rein dekorativen Ansprüchen genügen sollte, wurde von den beiden Künstlern auf seine Funktionalität hin hinterfragt und mit wenigen Hilfsmitteln wie Zwirn, Kleber und Schrauben zu einer echten, bedrohlichen Waffe umgestaltet.
Das „Pica Pica“ betitelte Objekt, das ein Portrait einer Elster darstellt, umkreist Themen der Selbsterkennung und Reaktionen auf den Anblick des eigenen Bildnisses, gehört doch die Elster neben Hunden, Affen und Delphinen zu den seltenen Tieren, die auf ihr eigenes Spiegelbild reagieren – sich also selbst erkennen. Das Verhältnis der eigenen Vorstellung vom Selbst und Fragen von Eitelkeit und Selbsteinschätzung stehen häufig im Widerspruch zum objektiv wahrnehmbaren Äusseren. Hier arbeitete Lissmann mit der Technik des Siebdruckes auf Zeitungspapier unter Verwendung verschiedener Glas- und Spiegelstücke, sowie naturbelassenem Geäst.
Hua Tang (*1981 Tianjin/China)
Ein ganzer Querschnitt unserer globalisierten Konsumwelt eröffnet sich in den Collagen des chinesischen Künstlers Hua Tang. Viel reisend sammelt er Illustrierte aus der ganzen Welt und bringt die vielfältigsten gedruckten Trouvaillen mit nach Hause. Hat Tang beim Durchblättern eines Magazines ein bestimmtes Bild gesehen, wächst unmittelbar die Idee für die notwendige Umgestaltung. Frei assoziativ geht er vor, wenn er die ausgewählten, oft sonderbaren Ausschnitte neu zusammenstellt. Mit Stift und Farbe greift er in das vorgedruckte Geschehen ein und verwandelt die kleinen Fundstücke zu ganz neuen Bildwerken. Nichts bleibt so, wie es ist und wird verfremdet.
Es genügt nicht allein das Aufeinandermontieren der ausgewählten Teile, sondern mit Papier, Farbe oder anderen Druckstücken hinterlegt, gestaltet Tang ein neues bildhaftes Ganzes, das sich gerahmt als kleines Kuriositätenkabinett entpuppt. Tang visualisiert Scheinwelten und den Wahnsinn unseres neo-poppigen Lebens. Nie gesehene Kreaturen werden in seinen Bildwerken zum Leben erweckt, liebliche barocke Szenerien aus der französischen Malerei nachgestellt. Heiteres mischt sich mit Skurilem und politisch Toternstem. Ganz unbefangen werden Stile bis an die Grenze der Geschmacklosigkeit gemischt und damit ein neuer Sinn für Ästhetik ausgelotet. In Tangs Universum sind Elefanten so schnell wie düsenangetriebene Maschinen oder sind smokingbekleidete, charmante Barbegleiter von hübschen Blondinen im Stile von Marilyn Monroe. Tätowierte Kraftprotze treten schnöselig smarten Galans gegenüber. Alles ist möglich. Dem geneigten Betrachter werden gefärbte Sprechblasen angeboten, die sich mit eigenen Gedanken ausfüllen lassen.
Auch das Genre der Zeichnung ermöglicht dem Künstler ein unbefangenes, experimentelles Arbeiten. Das Flüchtige, Spontane offenbart sich in der Art von Kritzeleien, die an die Schmierereien in öffentlichen Toiletten erinnern. Die ganze Variationsbreite seines zeichnerischen Könnens zeigt sich in Hua Tangs gesammelten Blättern, die er in Bouquins und Skizzenbüchern sammelt und aus deren Vorlage sich immer wieder neue Bildideen speisen lassen.
Min Wang (*1975 Shanxi/China)
Die vor vier Jahren aus Peking nach Hamburg gekommene Min Wang hat sich in ihren Bildern sehr von dem Leben in der Stadt inspirieren lassen. Hat die Künstlerin anfänglich noch mit Pinsel und Aquarellfarbe auf zusammenrollbare Baumwolle gemalt, sind unter dem Einfluss des Studiums an der HfbK Hamburg die Ölfarbe ihr Ausdrucksmittel und die grundierte Leinwand ihr Bildträger geworden. Geblieben sind die persönlichen, emotionalen Eindrücke und vertraute Wirklichkeiten, die schon immer ihr Themenfeld in der Malerei beeinflussten. Bilder des Tages, wie die sitzenden Vögel auf einem Ampelmast, Schiffe, die im Hafen einlaufen und beladen werden oder Menschen im Straßenbild bestimmen ihre Sujets. Auffallend ist die zarte Farbigkeit ihrer Palette, die gräulich nuanciert, entsprechende Regenstimmungen fühlbar machen. Und wenn etwas von ihrem traditionellen, chinesischen kulturellen Hintergrund geblieben ist, dann ist es die Leichtigkeit, in gewisser Perspektivelosigkeit atmosphärische räumliche Situationen wiederzugeben. Eine Aufsicht oder Untersicht leitet den Blick des Betrachters in das Innere des Bildes. Ganz der Tuschmalerei entsprechend wird der Pinsel fleckenhaft eingesetzt, um farbliche Details herauszuheben. Nicht so sehr die auslaufende Farbe gestaltet das Bild, sondern der präzise gesetzte Pinselstrich. Getupft oder gesprenkelt erscheinen naturhafte Details. So überrascht auch nicht, dass der Pinsel gerade in den Kleinformaten kalligrafisch in die Bildgestaltung eingreift und manche Kleinigkeit vollendet. Zunehmend nähert sich die Künstlerin wieder den Großformaten, die in der chinesischen Tradition bemalter, seidener Wandbespannungen stehen. Neu ist ihr unverstellter Blick auf die unmittelbare Umgebung, die ihr Leben in Hamburg bestimmt und den intimen Charakter ihrer Kunst ausmacht.
Dr. Annette Baumann, September 2007
Galerie Jens Goethel zeigt vom vom 19. Okt. – 30. Nov. 2007
zu Gast bei
KunstLeben
Valentinskamp 38
20355 Hamburg
Corinne von Lebusa, Malerei & Collage
Friedrich Lissmann, Objektkunst
Hua Tang, Zeichnung & Collage
Min Wang, Malerei
Vernissage am 18. Oktober 2007 um 19 Uhr
Öffnungszeiten:
Do - Fr. 15 – 18 Uhr
Sa 12 – 16 Uhr













