(openPR) Die japanischen Schriftzeichen auf dem rechten Unterarm verraten seinen Vornamen. Zbynek Marak ist keineswegs selbstverliebt. Und ebenso wenig ist er abergläubisch. Eigentlich.
Am liebsten trägt der Tscheche die Nummer 27. Wenn für die Black Dragons am Freitag aber bei den Blue Devils Weiden das große Abenteuer Oberliga beginnt (20 Uhr), wird er wieder mit der 24 auflaufen. "Ich hatte zwei gute Jahre in Erfurt", sagt der pfeilschnelle Center mit dem guten Auge und feinen Händchen und hofft, dass er das auch im Frühjahr behaupten kann.Genau 30 Jahre Eishockey liegen dann hinter dem sympathischen Mann aus Vsetin. "Unglaublich, oder?", wundert sich der inzwischen 36-Jährige mit strahlender Miene hin und wieder selbst, wie lange er mittlerweile schon auf Schlittschuhen dem Puck hinterher jagt. Trotz leicht grauer Haarspitzen.
Aber mit derselben Freude und dem gleichen Enthusiasmus, mit dem er seiner nun anlaufenden Jubiläumssaison entgegen fiebert.In dieser betritt nicht nur der EHC Thüringen Neuland, sondern auch der 1,79 Meter große Drachen-Top-Scorer des Vorjahres. "Alles ist schneller, du hast keine Zeit zu überlegen. Und jeder noch so kleine Fehler kostet etwas", weiß der weit herum gekommene Angreifer, dass die Oberliga für den Aufsteiger ein Haifischbecken darstellt.Dass die Drachen in dem nicht untergehen, dafür soll neben den 13 Neuen vor allem auch Zbynek Marak sorgen. Er ist der Kopf der blauen Reihe zwischen Sebastian Buchwieser und Oliver Hackert und mit seinen zehn Jahren in der tschechischen Extraliga und zwölf Einsätzen in der Nationalmannschaft die namhaftestes Figur im Ensemble um Trainer Stefan Kagerer. Dabei passt der Techniker vom Grunde her gar nicht so recht ins spielerische Schema des Coaches. Seines trägt vor allem schnelle, klare Züge, die eher dem kanadischen Hockey entsprechen.
Die Frage, ob die von Kraft geprägte Art erfolgreicher ist als die feine tschechische, die Marak in der Eishockeyklasse der Sportschule dereinst gelernt hat, stellt sich für ihn nicht. "Unsere Schule ist Improvisation", sagt er. Die Übersee-Spielweise schätzt er nicht minder. "Der Druck ist unglaublich, den die Kanadier vor dem Tor erzeugen können. Da sind sie die besten", meint er respektvoll. Er hingegen bevorzugt die Finte und den überraschenden Pass. "Aber der Weg ist egal. Das Tor zu machen ist die Hauptsache", sagt Marak, der sich für Bücher und anderen Sportarten genauso begeistern kann. Vor allem für Tennis. Den zurzeit weltbesten Spieler, Roger Federer, bewundert er. Auch sein einstiges Vorbild Ivan Lendl. "Er hat jeden Tag auf einem etwas kleineren Feld trainiert - acht Stunden lang", weiß Zbynek Marak und erinnert sich etwa an sein einjähriges Gastspiel in Weißrussland. "So hart ist das in Russland", lacht er, wenn er ans tägliche Programm bei Dinamo Minsk in der Saison 2004/2005 denkt. Von 8.30 bis 15 Uhr ist Training angesagt gewesen. "Das war eine Lektion für mich", sagt er, möchte aber die Zeit nicht missen. Das Jahr unter Nationaltrainer Ludek Bukac sowieso nicht. "23 Man wurden mitgenommen. Ich war der 24.", sagt Marak. Dass er 1996 nach der Teilnahme an Vorbereitungsturnieren nicht ins späteren Weltmeisterteam berufen worden ist, wurmt ihn nicht mehr. Stolz kann er auf zehn Jahre in der höchsten tschechischen Liga zurückblicken. Mit 18 Lenzen hat er es dorthin geschafft.
Als einziger seiner 25-köpfigen Sportklasse. Und er ist der einzige von ihnen, der noch immer auf dem Eis steht. "Es ist nicht nur Beruf, es ist Sport", sagt der 36-Jährige. Trotz der lauernden Unwägbarkeiten will er nichts anderes machen. Kleine Narben auf Nase und Wange erinnern an unliebsame Kellen-Kontakte. Vor Jahren haben aber selbst zwei Kreuzbandrisse und Meniskusschäden den gleichermaßen ehrgeizigen wie bodenständigen Mann nicht zum Aufhören bewegen können. "Aber alles hat seinen Preis", müht sich das 80 kg schwere Kraftpaket um seine Fitness. "Eishockey wird mit dem Kopf gespielt. Aber du brauchst auch die passenden Hände dazu und die Beine", weiß der Techniker. Mit Rad fahren und Hantelstemmen tut er täglich etwas dafür, um auf dem Eis Leistung zu bringen.
Drachen-Trainer Stefan Kagerer weiß, was er an ihm hat. "Er ist ein Kämpfer, ein Malocher - im Training und im Spiel", sieht der Coach in Marak vor allem auch ein Vorbild für die Truppe.Die braucht solche nie aufgebenden Typen. Erst recht bei diesem Hammerauftakt. Erst Weiden, am Sonntag zu Hause Passau (18 Uhr) und die Woche drauf in Rosenheim und gegen Dresden sind die ersten Stationen. "Die Hauptsache ist Selbstvertrauen", weiß Marak. Er hofft, dass "wir die ersten zehn Minuten überstehen." Die Oberliga soll jedenfalls keine Eintagsfliege bleiben. Nicht für die Black Dragons und ebenso wenig für den tschechischen Wirbelwind. Zwei, drei Jahre will der Mann mit der B-Trainer-Lizenz schon noch aktiv sein. Indes nicht bis zuletzt mit der 24. Die letzte Saison ist der 27 vorbehalten. So wie einst bei Zlin, wo seine Extraliga-Karriere begonnen hat.Doch daran denkt er derzeit nicht. Deshalb muss wohl die Familie in Vsetin noch eine Weile ohne den Eishockeynarren auskommen. Am liebsten hätte er sie hier, freut sich Zbynek Marak schon riesig, wenn Frau Silvie mit dem vierjährigen Sohn im Oktober zu Besuch nach Erfurt kommt. Bei jedem Blick auf den Unterarm erinnert ihn Klein-Zbynek daran. . .
Patrick Grueschow
EHC Thüringen e.V.
Arnstädter Straße 53
99096 Erfurt
Geschichte (ab 1990)
1990 wurde der Eishockey in Erfurt mit der Neugründung der Sektion Eishockey beim ESC Erfurt wiederbelebt. Seit der Saison 91/92 nahm die erste Männermannschaft erfolgreich am Spielbetrieb teil und erreichte in der ersten Saison sogar Platz 1 der Hessenliga. Den wohl größten Erfolg feierten die Erfurter Männer mit der Hessenmeisterschaft und dem 1. Platz in der Relegation der Regionalliga Nordrhein-Westfalen und dem damit verbundenen Aufstieg in die 1. Liga Nord (ab 99/00 Oberliga). Auch dort konnte man gut mithalten, verpasste man doch nur knapp die Teilnahme an den PlayOffs zur 2. Bundesliga, welche aber im darauffolgenden Jahr erreicht werden konnte.
Ein Jahr später begannen die Probleme. Auf Grund finanzieller Misswirtschaft meldete der ESC nach der Saison 2000/2001 Insolvenz an und die Black Dragons zogen sich aus dem Spielbetrieb der Oberliga zurück. Es begannen Jahre des Neuaufbaus. Sachsenliga hieß die erste Station, welcher die neugegründete Regionalliga Ost folgte. Seit der Saison 2005/2006 gehen die Black Dragons in der 2005 zusammengelegten Regionalliga Nord/Ost auf Puckjagd.
Neben den Black Dragons gibt es in Erfurt mehrere Freitzeitteams, eine Damenmannschaft und Juniorenteams in alle Altersklassen.
Geschichte (ab 2006)




