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Ja-zu-Deutschland.de - Interview zum Thema Messer \"Made in Germany\"

29.08.2007 • 21:26 Uhr • Logistik & Transport
SOLICUT Chef Friedhelm Sträter
SOLICUT Chef Friedhelm Sträter

(openPR) Scharfe Klinge gegen Piraten - Standort Solingen im weltweiten Markt

Kein anderer Industriestandort in Deutschland hat sich so frühzeitig eine eigene Markenidentität gegeben wie Solingen. Weltweit bekannt für seine Schneidwerkzeuge, hat diese spezielle Ausprägung des Begriffes Made-in-Germany besonders unter Produktpiraterie zu leiden. Ja-zu-Deutschland sprach mit Friedhelm Sträter, seit 10 Jahren Präsident der IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid, über Nachahmer, Gegenmaßnahmen und die Chancen Solinger Wertarbeit.



Ja-zu-Deutschland: Herr Sträter, viel Feind, viel Ehr, sagt man. Demzufolge müßte der Standort Solingen sich vor Ehre kaum retten können.

F. Sträter: Ja, so ähnlich ist es wohl. Nein, im Ernst, Solingen hat ja eine ganz eigene Situation durch das “Gesetz zum Schutze des Namens Solingen” von 1938, das in der Neufassung vom 01. Januar 1995 jetzt “Verordnung zum Schutze des Namens Solingen (Solingenverordnung) heißt. Darin wird festgelegt, dass nur solche Schneidwaren den Begriff ”Solingen” führen dürfen, die in allen wesentlichen Herstellungsstufen innerhalb des Solinger Industriegebiets bearbeitet und fertig gestellt worden sind. Das ist eine einzigartig enge Begriffsdefinition. Zudem ist die IHK Wuppertal-Solingen-Remscheid auch noch Inhaber der weltweiten Markenschutzrechte am Namen Solingen.

Ja-zu-Deutschland: Das alles sollte Markenfälschungen doch eigentlich leicht verhindern.

F. Sträter: Verhindern können Sie Fälschungen damit nicht. Sie können sie nur rechtlich leichter verfolgen. Und da haben Sie schon Recht mit dem ”viel Feind, viel Ehr”. Es ist kaum zu glauben, wie einfallsreich versucht wird, hier mit Plagiaten auf den Markt zu kommen. Da werden Städte gegründet mit so schönen Namen wie ”Soligon” oder es wird geworben mit ”hergestellt mit Solinger Qualität” und so weiter. Das ganze hat Dimensionen angenommen, die eine vernünftige Gegenwehr für einzelne Solinger Unternehmen sehr schwer finanzierbar macht.

Ja-zu-Deutschland: Was nicht im Alleingang geht, geht vielleicht gemeinsam?

F. Sträter: Ja, deshalb gibt es den Solingen-Fond. Durch diesen Gemeinschaftsfonds, in den Solinger Unternehmen einzahlen, ist es möglich, Zoll und Polizei zu koordinieren, Privatdetektive zu beschäftigen, Beschlagnahmen durchführen und Falsifikate zerstören zu lassen. Das alles kostet viel Geld und die Chancen, dieses Geld von den Importeuren oder Herstellern zurück zu erhalten, sind recht mäßig. Zur Not machen die ihren Laden einfach dicht und wir haben das Nachsehen.

Ja-zu-Deutschland: Wieso kosten Beschlagnahmen Geld?

F. Sträter: Weil Sie ein hohes Risiko eingehen. Nur mal gesetzt den Fall, wir würden vor Gericht – aus welchem Grund auch immer –
unterliegen. Dies dann entstehenden Kosten könnte keine einzelne Firma tragen, da wäre jedem das Risiko zu hoch und auf eine Verfolgung würde verzichtet.

Ja-zu-Deutschland: Und all der Aufwand rechnet sich?

F. Sträter: Ja, denn wir müssen alles tun, um den Standort zu schützen. Mangelnde Konsequenz wäre da der Anfang vom Ende.

Ja-zu-Deutschland: Nun sind Sie nicht nur Präsident der IHK, sondern auch Geschäftsführer von Solicut, einem der größten Zulieferer und Hersteller von Schneidwaren. Sie kennen die Plagiatproblematik also auch aus der Rolle des Angegriffenen heraus.

F. Sträter: Ja, das ist richtig. Wobei wir bei Solicut uns ja erst vor drei Jahren entschieden haben, aus der Rolle des reinen Dienstleisters herauszutreten und eigene Produkte herzustellen. Das war eine der wichtigsten Maßnahmen, uns von den Unwägbarkeiten des Zuliefergeschäftes unabhängig zu machen.

Ja-zu-Deutschland: Auch, um dem Preisdruck auszuweichen?

F. Sträter: Wenn Sie so wollen, ja. Je mehr Sie für fremde Abnehmer arbeiten, umso abhängiger werden Sie eben. Und wenn dann ein oder zwei Kunden plötzlich zu ausländischen Lieferanten wechseln, oder Ihnen – bildlich gesprochen – das Preismesser an die Kehle setzen, dann klingeln die Alarmglocken. Eine vernünftig vermarktete Eigenmarke reduziert diese damit verbundenen Gefahren erheblich.

Ja-zu-Deutschland: Wie kann man heute noch mit in Deutschland gefertigten Schneidwaren Geld verdienen?

F. Sträter: Och, das geht! Sehen Sie, unsere Messer sind Ausdruck eines Lebensstils! Die Menschen möchten nicht nur qualitativ hochwertige Lebensmittel, sondern suchen auch wieder nach ausgesuchten Küchenprodukten, die die Zubereitung erleichtern und eben den Lifestyle interpretieren. Sicherlich auch als Statussymbol! Man genießt heute wieder bei Tisch, schwelgt in Aromen, schlemmt feine Gerichte und möchte diese Genusswelt auch in seiner Küche haben! Schöne Messer bereichern und erfreuen eben – und das ein Leben lang!

Ja-zu-Deutschland: Made-in-Germany also als Synonym für Hochpreisplazierung?

F. Sträter: In unserem Falle ergänzen sich Preis und Qualität – das eine ist nicht ohne das andere durchsetzungsfähig. Das muss nicht zwangsläufig überall und immer so sein, aber in Deutschland produzierte Waren werden schwerlich im Massenmarkt konkurrenzfähig sein. Und der hochwertigere Gourmetsegment hat immer auch mit Lifestyle zu tun.

Ja-zu-Deutschland: Zum Abschluss noch eine Frage bezüglich des Ausbildungsstandes des Nachwuchses. Zufrieden damit?

F. Sträter: Man sollte nicht immer nur klagen, sondern auch selber etwas für Schulung und Ausbildung tun. Wir stellen Lehrlinge entsprechend ein bzw. bilden in den Sparten der Fertigung aus. Was mich persönlich ärgert ist, dass es uns an Facharbeitern wie an Ingenieuren mangelt. Das ist für Deutschland generell eigentlich peinlich und mir fehlen die Leute im Betrieb! Ich hoffe wirklich, dass wir den Zug der Zeit nicht verpassen!

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