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Es gibt sie noch – Handys „Made in Germany“

Bild: Es gibt sie noch – Handys „Made in Germany“
fitage Geschäftsführer Dr. med. Darius Khoschlessan
fitage Geschäftsführer Dr. med. Darius Khoschlessan

(openPR) Ja-zu-Deutschland.de im Gespräch mit dem Geschäftsführer der Firma fitage Dr. med. Darius Khoschlessan

Ja-zu-Deutschland: Herr Dr. Khoschlessan, Sie haben sich mit Ihrem Unternehmen auf Seniorenprodukte spezialisiert und lassen jetzt im Auftrag zwei Handymodelle am Standort Deutschland produzieren, die besonders für Senioren geeignet sind. Haben Sie damit eine Nische für sich erobert?



Dr. Khoschlessan: Zweifelsohne. Schon seit 15 Jahren bin ich mit dem Fachhandelssystem SENIO für Senioren tätig. Daher erhielt ich auch – direkt von den meist älteren Kunden – die Anregung verschiedene Produkte, die auf dem Weltmarkt fehlten selbst herzustellen. So flossen viele Ideen unserer Kundschaft direkt in die Geräte ein. Insbesondere der Wunsch, Qualität Made in Germany kaufen zu können.

Ja-zu-Deutschland: Wenn man sich die Entwicklung bei Nokia im Moment anschaut, dann stellt man sich die Frage, ob man überhaupt noch konkurrenzfähig in Deutschland Handys produzieren kann. Was ist das Geheimnis Ihrer Firma? Haben Sie in diesem Bereich keine Konkurrenz oder produzieren Sie hier günstiger, als es anderen möglich ist? Kann Nokia vielleicht noch etwas von Ihnen lernen?

Dr. Khoschlessan: Wir werden in Deutschland kaum in der Liga der Billig-Geräte mithalten können. Wenn wir aber unser Know-How und technischen Fähigkeiten gezielter auf künftige Entwicklungen ausrichten, dann können wir Standorte sichern. Als Beispiele sehe ich hier Produkte für ältere Menschen, Telemedizin oder Schutz- und Sicherheitssysteme, die in Handys sinnvoll integriert werden. Anstelle weiter auf unnütze und trendige Spielereien zu setzen, können Handys zur echten Alltagshilfe werden. Fitage kann deshalb überleben, weil wir derzeit noch in einer vom Weltmarkt ignorierten Nische leben. Die großen Hersteller warten jedoch ab, ob wir erfolgreich sind und versuchen dann unsere Markterfahrungen zu kaufen oder zu kopieren. Bisher waren aber alle Versuche der großen Unternehmen „Seniorenhandys“ anzubieten gefloppt. Erfolge bloß zu kopieren reicht halt nicht. Deutsche Unternehmen sollten daher immer einen Tick innovativer und näher am Markt agieren, als man es von Asien oder andern Ländern aus kann. Das ist aber gar nicht mal schwierig. Seitens der Produktion sind wir im Rahmen unserer Produkte nicht sehr viel teurer, als es eine Produktion z.B. in Rumänien oder China wäre. Der Standort Deutschland erspart uns sehr viel Zeit und Geld bei der Kommunikation, der Qualitätsausrichtung oder der technischen punktgenauen Ausrichtung. Das wiegt insbesondere bei kleineren Stückzahlen die höheren Personalkosten auf. Ich werde mich hüten, hier Nokia noch Ratschläge zu geben, was sie besser machen können. Aber Nokia kann durchaus von uns lernen. Wir haben es geschafft, durch eine gute Marktbeobachtung exzellente Produkte zu schaffen und haben fitage ohne einen Cent Subventionen aufgebaut. Öffentliche Förderung oder Venture-Kapital gab bei uns nicht! Seniorenprodukte oder den Seniorenmarkt wirtschaftlich zu fördern, war den entsprechenden Stellen in Politik und bei Geldinstituten viel zu „risikoreich“. In einer – gerade für kleine und mittelständische Unternehmen - unglaublich benachteiligenden Subventionsvergabe durch die Politik und die EU sehe ich ein Hauptproblem der Arbeitsplatzgefährdung. Unter realistischen Bedingungen und ohne die Subventionsverzerrungen hätte vielleicht auch bei Nokia die Entscheidung pro Rumänien anders ausgesehen.

Ja-zu-Deutschland: Mal angenommen, Nokia hält an der Standortverlagerung fest. Ist Ihr Unternehmen dann Deutschlands größter „Handyproduzent“ oder kennen Sie noch andere Unternehmen?

Dr. Khoschlessan: Mir ist keines – zumindest das dann auch unter eigener Marke auftritt – bekannt.

Ja-zu-Deutschland: Gibt es bei Ihnen Überlegungen, über Seniorenhandys hinaus mal ein Handy für die „Jüngeren“ zu produzieren?

Dr. Khoschlessan: Ja, verschiedene Planungen laufen schon und sie werden Innovationen Made in Germany enthalten.

Ja-zu-Deutschland: Ja-zu-Deutschland.de hat in den letzten Tagen sehr viele Anfragen erhalten von Verbrauchern, die auf der Suche sind nach einem Handy Made in Germany. Profitieren Sie bereits von der Verlagerung Nokias? Haben Sie mehr Anfragen seitdem?

Dr. Khoschlessan: Tatsächlich erhalten wir immer wieder von Kunden zustimmende Äußerungen, dass wir in Deutschland produzieren. In den Kontakten kommt wirklich eine deutliche Wut und Unverständnis für Nokia zum Ausdruck.

Ja-zu-Deutschland: Was halten Sie eigentlich von den Boykottaufrufen, die im Wahlkampf von allen Politikern zu lesen sind? Hat sich Herr Seehofer schon bei Ihnen gemeldet und möchte eins Ihrer Handys haben?

Dr. Khoschlessan: Nein, Politiker haben sich bisher noch nicht gemeldet. Das bestätigt auch den hohen Anteil des Wahlkampfgetöses, das dahinter steckt. Politiker sind meines Erachtens gewählt um politisch in unserem Sinne tätig zu werden. Wenn sie da versagen und Boykottaufrufe starten ist das ein Eingeständnis des Versagens der eigenen Zunft.


Ja-zu-Deutschland: Hand aufs Herz, könnten Sie Ihre Handys nicht auch günstiger im Ausland produzieren lassen, wie es Nokia, Motorola und all die anderen tun?

Dr. Khoschlessan: Wir haben das selbstverständlich zu Anfang geprüft. Für unsere Produkte und Stückzahlen ist Deutschland aber nach wie vor die erste Wahl.

Ja-zu-Deutschland: Zurzeit bieten Sie zwei Seniorenhandys an. Haben Sie das Gefühl, dass für Ihre Zielgruppe der Herkunftsbezeichnung „Made in Germany“ eine größere Rolle spielt als für die Jugend?

Dr. Khoschlessan: Ganz sicher ist Made in Germany für Ältere, aber auch für die jüngeren Angehörigen ein ganz entscheidender Kaufaspekt.

Ja-zu-Deutschland: Abschließend können Sie als Unternehmer noch zwei Wünsche äußern. Was wünschen Sie sich von der deutschen Politik und wie kann Ja-zu-Deutschland.de Ihr Unternehmen noch besser präsentieren?

Dr. Khoschlessan: Ich wünsche mir, dass in einem der wenigen auch künftig noch wachsenden Märkte – nämlich dem der von der demographischen Entwicklung abhängt - endlich mehr investiert wird und auch kleine Unternehmen unterstützt werden. Wenn Deutschland es verpasst, in diesem weltweiten Trend des „Ageing“ Marktführer zu bleiben bzw. es zu werden, dann vergeben wir eine sehr wichtige Chance!
Von den Kunden wünsche ich mit eine verstärkte Ausrichtung auf Produkte aus Deutschland, denn sie sichern nicht nur Arbeitsplätze hier, sondern sie setzen auch ökologisch und qualitativ häufig Maßstäbe, die uns allen langfristig zu Gute kommen. Ja-zu-Deutschland ist da ein ganz wichtiger Wegweiser, um Kunden zu helfen die richtige Auswahl zu treffen.

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