(openPR) Schwache Szenarien und nicht aussagekräftige Steuerungs-Daten werden zum Risiko.
Eine ausreichende LCR allein belegt noch kein wirksames Liquiditätsrisikomanagement. Kritisch wird es für Banken und Sparkassen dort, wo wesentliche Liquiditätsrisiken in der Risikoinventur nicht vollständig erfasst, Refinanzierungsannahmen zu optimistisch gewählt oder Stressszenarien nicht konsequent auf die tatsächliche Risikosituation ausgerichtet werden. Auch inkonsistente Steuerungsdaten, Schwächen im IKS oder eine fehlende Verzahnung von Liquiditäts- und Geschäftsstrategie können dazu führen, dass Risiken zwar berichtet, aber nicht rechtzeitig erkannt und gesteuert werden. ILAAP und MaRisk rücken deshalb nicht nur Kennzahlen, sondern die Qualität des gesamten Steuerungsprozesses in den Mittelpunkt.
Besondere Aufmerksamkeit verlangt der ILAAP. Aufsicht und Prüfer betrachten die inhärenten Liquiditätsrisiken ebenso wie die Wirksamkeit des Liquiditätsrisikomanagements und die Governance durch das Leitungsorgan. Institute müssen sämtliche wesentlichen ILAAP-Risiken in der Risikoinventur identifizieren, einen qualitativ ausreichenden internen Liquiditätspuffer sicherstellen und Annahmen sowie Risikoquantifizierungsmethoden auf Angemessenheit, Konsistenz und Validität überprüfen. Regelmäßige Stresstests müssen zudem belastbar zeigen, wie lange das Institut auch unter verschärften Bedingungen überlebensfähig bleibt.
Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Refinanzierungsplanung. Eine solide kurz- und mittelfristige Refinanzierung muss mit der Liquiditätsrisikosteuerung, dem Geschäftsmodell und den regulatorischen Kennzahlen zusammenpassen. LCR, NSFR und Additional Liquidity Monitoring Metrics sind dabei ebenso relevant wie die Qualität hochliquider Aktiva und die Verrechnung von Liquiditätsrisikokosten. Entscheidend ist, ob aus Kennzahlen und Reporting tatsächlich Steuerungsimpulse entstehen und mögliche Engpässe frühzeitig sichtbar werden.
Für die Interne Revision erweitert sich damit das Prüfungsfeld erheblich. Sie muss beurteilen, ob Risiko- und Geschäftsstrategie konsistent sind, Limite, Szenarien und Stresstests wirksam funktionieren und die Verfahren zur Liquiditätsrisikomessung im ILAAP belastbar ausgestaltet sind. Hinzu kommen die Prüfung von Datenqualität und Konsistenz der Steuerungsdaten sowie die Frage, ob IKS und Schlüsselkontrollen relevante Schwachstellen zuverlässig erkennen. Liquiditätsrisikosteuerung und Refinanzierungsplanung müssen deshalb angemessen in die risikoorientierte Prüfungsplanung der Gesamtbanksteuerung einbezogen werden.
Das Online-Seminar „Prüfung und Beurteilung von Liquiditätsrisiken und Refinanzierungsrisiken“ am 10. November 2026 setzt genau an diesen Prüfungs- und Steuerungsfragen an. Teilnehmende erfahren, wie Liquiditäts- und Refinanzierungsrisiken unter ILAAP- und MaRisk-Gesichtspunkten beurteilt, wesentliche Risiken in der Risikoinventur erfasst und Annahmen, Methoden, Limite sowie Stresstests kritisch geprüft werden können. Der Praxisbezug reicht von LCR, NSFR und ALMM über Liquiditätspuffer und Refinanzierungsplanung bis zur Wirksamkeitsprüfung von IKS, Schlüsselkontrollen und Steuerungsdaten.
Falk Beyer, Prüfungsleiter Revision Risikomanagement bei der Sparkasse KölnBonn, zeigt aus Revisionsperspektive, wie ILAAP, Liquiditätsrisikomessung und Refinanzierungsplanung geprüft und Schwachstellen bei Risikoinventur, Szenarien, Stresstests, Kennzahlen, Datenqualität und internen Kontrollen systematisch identifiziert werden können.
Damit geht es bei der Prüfung von Liquiditätsrisiken nicht um die isolierte Kontrolle regulatorischer Kennzahlen. Entscheidend ist, ob Risikoinventur, Refinanzierungsplanung, Stresstesting, Reporting, IKS und Gesamtbanksteuerung ein konsistentes System bilden und auch unter Stressbedingungen rechtzeitig belastbare Steuerungsinformationen liefern.
Die zentrale Botschaft: Liquidität kann innerhalb kurzer Zeit zum existenziellen Risiko werden. Institute müssen deshalb nicht nur regulatorische Kennzahlen einhalten, sondern nachweisen können, dass ihre Annahmen, Daten, Szenarien und Kontrollen eine belastbare Liquiditäts- und Refinanzierungssteuerung ermöglichen. Genau diese Wirksamkeit wird für Revision und Risikomanagement zum entscheidenden Prüfmaßstab.
Weitere Informationen und Anmeldung unter:
https://www.akademie-heidelberg.de/seminar/pruefung-und-beurteilung-von-liquiditaetsrisiken-und-refinanzierungsrisiken












