(openPR) Nürnberg. Ein dampfgebogenes Massivholzgestell und von Hand verflochtene Lederriemen: Am Schaukelstuhl Dondolo lässt sich ein wesentlicher Teil der Geschichte von Crassevig ablesen. Luigi Crassevig entwarf das Modell 1970. Die Beschäftigung mit gebogenem Holz wurde zum Ausgangspunkt einer Kollektion, die heute ebenso mit geformten Holzflächen und Kunststoffschalen arbeitet. Dabei lohnt sich der Blick auf die Konstruktion: Sie erklärt, weshalb die Sitzmöbel so unterschiedlich ausfallen.
Stuhlbau aus Friaul, skandinavisch geprägt
Crassevig wurde 1969 in Corno di Rosazzo bei Udine gegründet. Skandinavische Einflüsse prägen die Gestaltung, die Fertigung ist in der handwerklichen Tradition Friauls verwurzelt. Zum Sortiment gehören Stühle, Sessel, Hocker und Tische für Wohnräume und die Objekteinrichtung. Nach Unternehmensangaben arbeiten fast 70 Prozent der Zulieferer im regionalen Stuhlbaudistrikt innerhalb eines Radius von 20 Kilometern. Hinter den Entwürfen steht damit ein räumlich eng verbundenes Netz spezialisierter Betriebe.
Zwei unterschiedliche Wege, Holz zu formen
Beim Dondolo wird massives Holz unter Dampfeinwirkung gebogen. Die Ausführung WO ergänzt dieses Gestell um ein handgefertigtes Geflecht aus Lederriemen. Dafür verwendet Crassevig pflanzlich gegerbtes Sattelleder aus der Toskana. Der Schaukelstuhl wird in Italien gefertigt. Holzverarbeitung und Flechtarbeit bleiben am fertigen Sessel sichtbar. Daneben gibt es eine gepolsterte Version; diese ergänzte das Modell 2015. Der Vergleich zeigt, wie sich der Ausdruck desselben Entwurfs verändert: Das Riemengeflecht lässt Durchblicke zu, während die Polsterung eine geschlossene Sitz- und Rückenfläche bildet.
Anders ist der Aufbau bei Anna, dem 1996 entstandenen Entwurf von Ludovica und Roberto Palomba. Die Variante Anna RS besitzt ein Massivholzgestell, während Sitz und Rückenlehne aus geformtem Sperrholz bestehen. Hier werden also unterschiedliche Holzaufbauten innerhalb eines Stuhls eingesetzt. Neben der Holzausführung sind Polsterungen mit Stoff, Kunstleder oder Leder vorgesehen. Die technische Beschreibung nennt für Anna RS eine Stapelbarkeit von bis zu acht Stühlen. Diese Angabe gilt für die konkrete Variante und sollte nicht pauschal auf die gesamte Anna-Familie übertragen werden.
Für einen Essplatz, an dem zusätzliche Stühle nur bei Bedarf gebraucht werden, ist diese Unterscheidung praktisch relevant. Dondolo und Anna zeigen zugleich, weshalb die Bezeichnung „Holzstuhl“ allein wenig über ein Möbel verrät: Massives, dampfgebogenes Holz und geformte, mehrlagige Sitzteile sind verschiedene konstruktive Lösungen.
Eine offene Schale statt geschlossener Flächen
Mit Nett verlässt Crassevig den Werkstoff Holz. Der Entwurf von Ton Haas besitzt eine geometrische Netzstruktur. Bei der Variante Nett R/4L besteht die Schale aus glasfaserverstärktem Polypropylen und ruht auf einem vierbeinigen Stahlgestell. Bis zu zehn dieser Stühle lassen sich stapeln. Die Öffnungen erfüllen außerdem einen konkreten Zweck: Regenwasser kann ablaufen, statt sich auf einer geschlossenen Sitzfläche zu sammeln. Für den Außeneinsatz sieht der Hersteller eine zusätzliche Kataphoresebehandlung des Stahlgestells vor. Die Eignung für die Terrasse hängt somit auch von der gewählten Gestellausführung ab, nicht nur vom Kunststoff der Schale.
Die Raum & Form Seidel GmbH bietet Produkte von Crassevig über design-kiste.de an. Auf der Crassevig-Markenseite sind unter anderem Dondolo, Anna und Nett vertreten. Damit lassen sich gerade jene Entwürfe näher betrachten, an denen die unterschiedlichen Konstruktionsweisen des Herstellers deutlich werden.
Vom geflochtenen Ledersitz über die geformte Holzlehne bis zur offenen Kunststoffschale werden unterschiedliche Anforderungen sichtbar. Bei Dondolo steht der Aufbau eines Schaukelstuhls im Mittelpunkt, bei Anna RS die stapelbare Holzlösung, bei Nett R/4L zusätzlich die Möglichkeit des Außeneinsatzes. Die Materialwahl erklärt damit nicht nur das Erscheinungsbild, sondern auch wesentliche Unterschiede im Gebrauch.



















