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No Job – No Future. Legastheniker haben als Bewerber schlechte Chancen

26.04.200711:31 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) „Im Juni habe ich mein Abitur in der Tasche. Ich habe gekämpft, damit ich einen guten Notenschnitt erreiche, denn ich bekomme in allen Fächern einen Notenabzug wegen meiner mangelhaften Rechtschreibleistung. Das drückt meine Abi-Note um eine ganze Note. In Bayern hätte ich glatt eine 2,5 geschafft, denn da gibt es für Legastheniker den Notenschutz auf Rechtschreibleistungen bis zum Abi. Jetzt werde ich wohl mit einer 3,5 rauskommen, was nicht gerade hilfreich für meine Bewerbungen ist“, klagt Manuel Becker*.



Manuel gehört zu den ca. 5% der Menschen, die eine Legasthenie (Lese-/Rechtschreibstörung) haben. Die Legasthenie hat keinen Einfluss auf die fachliche Kompetenz der Menschen, sondern hindert sie ausschließlich in den technischen Fertigkeiten des Rechtschreibens. „Wenn ich bei meinen Bewerbungen offen schreibe, dass ich Legastheniker bin, kommen die Bewerbungen zurück. Wenn ich es nicht schreibe, dann habe ich in den Bewerbungsrunden wieder schlechtere Chancen, denn wenn ich es dann geschafft habe, eingeladen zu werden, bekomme ich schmunzelnd meine Eingangstests zurück, so frei nach dem Motto: „Abi in der Tasche und keine Ahnung von Rechtschreibung“, berichtet Manuel.

Bei Tobias Müller* sieht das ganze noch schlechter aus. Tobias hat einen IQ von 130 und besucht die 9. Klasse in der Hauptschule. Er wurde in der 7. Klasse von der Realschule auf die Hauptschule querversetzt, weil seine Rechtschreibleistungen weit unter den Anforderungen lagen. Der Schulleiter riet Tobias, sich auf der Hauptschule fleißig anzustrengen, denn es sei keine Einbahnstraße, er könne trotzdem die Mittlere Reife schaffen. „Auf der Hauptschule fühlte ich mich total deplatziert, denn der Stoff war für mich viel zu einfach. Klar, ich habe gleich einen guten Notensprung geschafft und war Klassenbester. Damit fing das Problem mit meinen Mitschülern an. Ich wurde als Streber gemobbt und habe dann als einzigen Ausweg meine Leistungen wieder dem Klassenniveau angepasst, damit man mich endlich in Ruhe lässt. Nun stehe ich mit einem mittelprächtigen Hauptschulabschluss da und weiß nicht, wie es mit mir weiter geht. Ich hänge total durch und habe keinen Bock mehr, irgendetwas in Angriff zu nehmen, denn es wird ja sowieso nichts draus“, resigniert Tobias.

Der BVL - Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. kennt aus seiner Jugendarbeit die Probleme von Jugendlichen bei der Ausbildungs- und Arbeitsplatzsuche. Der Weg durch die Schule ist für viele betroffene Kinder schon ein sehr steiniger Weg. Wenn dann der Abschluss nach all den Mühen und vielen Niederlagen geschafft ist, ist das Ende der Diskriminierung noch immer nicht in Sicht. Der BVL hat aus diesem Grund im letzten Jahr eine gutachterliche Stellungnahme zu den Rechten von Legasthenikern ausarbeiten lassen, die aufzeigt, dass fast alle schulrechtlichen Regelungen für die betroffenen Schüler verfassungswidrig sind. Mit seiner Fachtagung im März wurde die Öffentlichkeit, zusätzlich zu dem bereits im Herbst 2006 veröffentlichten Sonderheft, über die Rechte von Legasthenikern informiert. Der BVL wird im Herbst Elternschulungen anbieten, um die Eltern zu stärken, gezielt die Rechte ihrer Kinder einzufordern.

„Da wird politisch zum „Europäischen Jahr der Chancengleichheit“ aufgerufen und wir stehen hier noch ganz am Anfang. Dabei könnte den betroffenen Schülern schnell geholfen werden, wie es z.B. in Bayern schulrechtlich schon praktiziert wird. Die betroffenen Menschen müssen ebenso bei der Ausbildungsplatz- und Arbeitssuche mehr Akzeptanz und Toleranz erfahren, denn auf der einen Seite wird bemängelt, dass wir zu wenig Nachwuchs haben und auf der anderen Seite bekommt der Nachwuchs keine Chance“, kritisiert Christine Sczygiel, Bundesvorsitzende des BVL.

Weitere Informationen zum Thema Legasthenie und zum Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. sind im Internet abrufbar unter www.bvl-legasthenie.de.

* Der Name wurde von der Redaktion geändert.

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Annette Höinghaus
c/o Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e. V.
Postfach 11 07
30011 Hannover

E-Mail: E-Mail
Telefon: +49 4193 96 56 02

Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V.

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