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Virtuelle Maus statt medizinischer Fortschritt

16.06.2026 • 10:43 Uhr • Politik, Recht & Gesellschaft
Symbolbild zur freien Nutzung (© Ärzte gegen Tierversuche e.V.)
Symbolbild zur freien Nutzung (© Ärzte gegen Tierversuche e.V.)

(openPR) Ärzte gegen Tierversuche kritisiert Festhalten am tierversuchsbasierten System durch digitale Nachbildung von „Versuchs“tieren

Forschende aus der Schweiz haben ein KI-gestütztes Computermodell entwickelt, das die Verteilung von Nanomaterialien in den Organen einer „Labor“maus voraussagen soll. Ziel des Projekts ist es, die Zahl der Tierversuche in der Medikamentenentwicklung zu reduzieren. Der bundesweit tätige Verein Ärzte gegen Tierversuche (ÄgT) bewertet diesen Ansatz als wissenschaftliche Sackgasse. Da das Modell auf der Biologie von Mäusen basiert, liefere es keine relevanten Daten für die Anwendung am Menschen. Statt tierbasierte Forschung – ob real oder digital – weiterzuentwickeln, fordert Ärzte gegen Tierversuche einen konsequenten Umstieg auf moderne, tierversuchsfreie Forschungsmethoden, die unmittelbar auf den Menschen ausgerichtet sind und einen echten medizinischen Fortschritt ermöglichen.

In dem aktuellen Forschungsprojekt der Eidgenössischen Materialprüfungs- und Forschungsanstalt (Empa) haben Wissenschaftler mithilfe von maschinellem Lernen ein in-silico-Modell einer Maus erschaffen. Diese „virtuelle Maus“ berechnet, wie sich winzige Nanopartikel im Organismus des Nagers verteilen und in welchen Organen wie Lunge, Nieren, Leber oder Milz sie sich ansammeln. Damit soll das Modell als Entscheidungshilfe in der Medikamentenentwicklung – beispielsweise beim Transport von Chemotherapeutika über die Blut-Hirn-Schranke zur Behandlung von Hirntumoren – dienen und die Anzahl realer Tierversuche minimieren.

Aus Sicht von Ärzte gegen Tierversuche greift dieser Ansatz jedoch wissenschaftlich zu kurz. Das grundlegende Problem der fehlenden Übertragbarkeit von Tierversuchsdaten auf den Menschen wird durch die Digitalisierung eines ungeeigneten Modells nicht gelöst, sondern lediglich verlagert.

„Die Entwicklung zeigt zwar, dass auch in der etablierten Forschung nach Wegen gesucht wird, die immense Anzahl an Tierversuchen zu senken, doch eine virtuelle Maus bleibt im Kern eben eine Maus. Für den kranken Menschen sind diese Daten irrelevant“, erklärt Dr. med. vet. Gaby Neumann, wissenschaftliche Referentin bei ÄgT. „Die ohnehin fehlende Übertragbarkeit von Tierversuchsergebnissen auf den Menschen wird nicht dadurch besser, dass man die nicht mit dem Menschen vergleichbare Physiologie eines Nagetiers digitalisiert. Was wir brauchen, ist keine virtuelle Maus, sondern eine konsequent humanbasierte Forschung.“

Das Empa-Modell basiert auf biologischen Daten von Mäusen, um die Verteilung von Nanopartikeln zu kalkulieren. Menschliche Barrieren, Zellstrukturen und Stoffwechselwege unterscheiden sich jedoch drastisch von denen eines Nagetiers. Die gezielte Bekämpfung von Krankheiten beim Menschen erfordert daher zwingend den Einsatz von Methoden, die auf menschlichen Systemen beruhen.

„Tierversuche und ihre digitalen Abbilder sind eine Sackgasse für die moderne Medizin. Statt Ressourcen in die mathematische Nachbildung von Mäuseorganen zu investieren, muss der Fokus vollständig auf bereits existierenden, tierversuchsfreien Methoden für den Menschen liegen“, so Neumann. „Multi-Organ-Chips, Organoide und moderne in-silico-Modelle auf Basis menschlicher Zell- und Gewebedaten sind der einzige Weg, um Medikamente sicher und effektiv für Patienten zu entwickeln. Nur eine humanbasierte Forschung bringt die medizinische Wissenschaft wirklich voran.“

Der Verein fordert daher ein konsequentes Umdenken in der Forschungsförderung und Politik, um nicht länger veraltete Tierversuchsstrukturen digital zu konservieren, sondern den Ausstieg aus dem Tierversuch durch echte, auf den Menschen übertragbare Innovationen zu realisieren.

Quelle

Weniger Tierversuche dank virtueller Maus. Empa 28.05.2026 >>

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