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Wie inklusive Lehre den Hochschulalltag verändert

17.02.2026 • 14:06 Uhr • Wissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Hamburg, 17. Februar 2026 – Wie verändert sich eine Hochschule, wenn Menschen mit und ohne Behinderung gemeinsam lehren, lernen und den Hochschulalltag gestalten? Nach zweijähriger Laufzeit geht das Forschungsprojekt „Hochschulbildung inklusiv“ an der HAW Hamburg heute mit einer Abschlusskonferenz zu Ende – mit zahlreichen Erkenntnissen, wie Inklusion Teil einer selbstverständlichen, gelebten Praxis werden kann. Gefördert wurde das Vorhaben von der Stiftung Innovation in der Hochschullehre.

Der Hintergrund des Forschungsprojekts: Acht Menschen mit Behinderungen lernen in einem dreijährigen Vollzeit-Qualifizierungsprogramm, wie sie Studierenden sowie Lehr-, Fach- und Führungskräften praktisches Wissen über Inklusion vermitteln. Als sogenannte künftige „Bildungsfachkräfte“ sollen sie eine dauerhafte Arbeitsplatzperspektive erhalten. Die Qualifizierung auf dem Campus der HAW Hamburg, durchgeführt von der Hamburger Arbeitsassistenz, gefördert von Aktion Mensch sowie dem Europäischen Sozialfonds, läuft noch bis Ende des Jahres 2027.

Erstmals kamen systematisch Studierende und angehende Bildungsfachkräfte mit Behinderungen zusammen und entwickelten neue Lehr-Lern-Formate, die Inklusion im Hochschulalltag nicht nur thematisieren, sondern erlebbar machen. Bereits im ersten Qualifizierungsjahr der Bildungsfachkräfte, so die Bilanz des Forschungsprojekts, nahmen 198 Studierende und fünf Hochschullehrende aus verschiedenen Bachelor- und Masterstudiengängen der HAW Hamburg an den innovativen Formaten teil.

Zentral waren die neu entwickelten Co-Seminare, international auch als Gap-Mending-Seminare bekannt. In ihnen arbeiteten Studierende und die angehenden Bildungsfachkräfte direkt miteinander an fachlichen Fragestellungen. Ziel war es, Begegnungen zu ermöglichen, Berührungsängste abzubauen und unterschiedliche Perspektiven auf Augenhöhe zusammenzubringen. Die Seminare basieren auf der Kontakthypothese der Inklusionsforschung: Danach ist direkter Austausch ein wirksamer Weg, um Distanz abzubauen und gegenseitiges Verständnis zu schaffen.

Ergänzt wurden die Co-Seminare durch sogenannte Inklusive Seminare, in denen die angehenden Bildungsfachkräfte selbst die Rolle der Lehrenden übernahmen. Sie unterrichteten Studierende zu Fragen der Kommunikation und Interaktion mit Menschen mit Behinderungen, jeweils fachspezifisch und stets mit unmittelbarem Bezug zur beruflichen Praxis. Damit wurde ihr Erfahrungswissen erstmals systematisch in die hochschulische Lehre integriert und zu einem gleichberechtigten Bestandteil akademischer Wissensvermittlung.

Hamburgs Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal betont: „Inklusion bedeutet, Betroffene zu Beteiligten zu machen. ,Hochschulbildung inklusiv‘ zeigt, wie eine moderne Hochschule Teilhabe ermöglichen und Barrieren abbauen kann, indem Menschen mit Behinderungen ihre Expertise in Studium und Lehre einbringen. Damit befähigen sie Studierende, Verantwortung zu übernehmen und Veränderung in ihre späteren Berufsfelder zu tragen. Die HAW Hamburg geht hier mutig voran und setzt Standards für eine inklusive Hochschulbildung in Deutschland.“

Die Vizepräsidentin für Studium und Lehre der HAW Hamburg, Prof. Dr. Frederike Masemann, unterstreicht die lehrdidaktische Relevanz des Projekts: „Inklusion ist für uns keine Ergänzung, sondern eine Grundbedingung qualitativ hochwertiger Lehre. Dieses Projekt hat eindrucksvoll gezeigt, wie sich Hochschullehre verändert, wenn Menschen mit Behinderungen aktive Gestaltende akademischer Bildung sind. Wir möchten diese Perspektiven fest in unsere Studiengänge integrieren.“

„Unsere begleitende Evaluation zeigt deutlich, wie wirksam die neuen Formate sind“, sagt Projektleiter Prof. Dr. Dieter Röh, Professor für Soziale Arbeit mit dem Schwerpunkt Rehabilitation und Teilhabe an der HAW Hamburg. „Studierende berichteten, dass sie Berührungsängste im Kontakt mit Menschen mit Behinderungen abbauen konnten und zugleich konkrete Hinweise erhielten, wie sie in ihren zukünftigen Berufsfeldern inklusiver handeln können. Das betrifft sowohl die Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen als auch Fragen der Gestaltung von Arbeitsplätzen oder des Umgangs in Teams.“

„Ein Seminarraum kann plötzlich ein Ort werden, an dem Barrieren sichtbar und gemeinsam wieder aufgelöst werden“, so Prof. Dr. Marlene-Anne Dettmann, ebenfalls Projektleiterin und Professorin für Sozialwirtschaft an der HAW Hamburg. „Viele Studierende gaben an, dass sie künftig stärker auf inklusive Strukturen achten wollen. Und die Lehrenden bestätigten: Ihr Blick auf Inklusion hat sich durch die Zusammenarbeit verändert, weg von einem abstrakten Querschnittsthema, hin zu einem praktischen Bestandteil fachlicher und transdisziplinärer Zusammenarbeit.“

Ziel ist es, weitere Seminare in zusätzlichen Studiengängen anzubieten, die Qualifizierung auszubauen und die Bildungsfachkräfte langfristig strukturell an der HAW Hamburg zu verankern. „Wir wünschen uns, dass die dann qualifizierten Bildungsfachkräfte ab 2028 eine feste Größe an unserer Hochschule sind – vielfältig, sichtbar und nachhaltig in der Lehre verankert“, so Prof. Dr. Marlene-Anne Dettmann.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Prof. Dr. Marlene-Anne Dettmann
Fakultät Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik
marlene-anne.dettmann (at) haw-hamburg (dot) de

Prof. Dr. Dieter Röh
Fakultät Soziale Arbeit und Kindheitspädagogik
dieter.roeh (at) haw-hamburg (dot) de

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