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Iain Couzin erhält den Hector Wissenschaftspreis

02.02.2026 • 15:57 Uhr • Wissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Wie entstehen kollektive Bewegung und Intelligenz bei Tieren – sei es in Vogel-, Heuschrecken- und Fischschwärmen oder in Menschenmengen? Welche neurologischen Strukturen und Prinzipien steuern das synchrone Verhalten von Tausenden von Individuen? Dies sind einige der Fragen, mit denen sich Iain Couzin in seiner Forschung beschäftigt. Für seine herausragenden Beiträge auf dem Gebiet des kollektiven Verhaltens wurde er mit dem Hector Wissenschaftspreis der Hector Stiftung II ausgezeichnet. Der Stiftungsvorstand überreichte den Preis am 30. Januar 2026 in Heidelberg in Anwesenheit der bisherigen Preisträger*innen. Neben Couzin erhielt auch die Biochemikerin Stefanie Dimmeler von der Goethe-Universität Frankfurt den Hector Wissenschaftspreis, der als persönlicher Preis mit 200.000 Euro pro Preisträger*in dotiert ist.

„Ich fühle mich zutiefst geehrt, den Hector Wissenschaftspreis zu erhalten. Diese Auszeichnung spiegelt die gemeinsamen Leistungen meiner Studierenden, Postdoktorand*innen und Kooperationspartner*innen wider, die mit ihrer Kreativität und ihrem Engagement maßgeblich unsere Arbeit zum Verständnis der Entstehung von koordiniertem Verhalten und der Entscheidungsfindung in natürlichen Systemen vorantreiben“, sagt Couzin. Er ist Professor für Biologie an der Universität Konstanz und Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie sowie Sprecher des Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour (CASCB) – einer gemeinsamen Initiative beider Einrichtungen.

„Ich gratuliere Iain Couzin von ganzem Herzen zu dieser besonderen Ehrung. Wir sind enorm stolz darauf, dass er Teil unserer Gemeinschaft ist. Seine hervorragende Arbeit ist eine große Bereicherung für die Forschung und Lehre an der Universität Konstanz“, so Katharina Holzinger, Rektorin der Universität Konstanz. „Dass Iain Couzin diese renommierte Auszeichnung erhalten hat, sendet außerdem ein wichtiges Signal bezüglich unseres Forschungsschwerpunkts Kollektives Verhalten – belegt es doch, dass unser Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour trotz der auslaufenden Förderung als Exzellenzcluster weiterhin auf Erfolgskurs ist.“

Ein Pionier der quantitativen Verhaltensbiologie

Iain Couzin ist ein Pionier der quantitativen Verhaltensbiologie, einem Gebiet, das datengestützte und theoretische Ansätze zur Erforschung von Tierverhalten nutzt. Seine Arbeit hat zu grundlegenden Fortschritten in unserem Verständnis darüber geführt, wie Gruppen – von Insekten bis zum Menschen – sich organisieren, Bewegungen koordinieren und gemeinsam Entscheidungen treffen.

Kennzeichnend für seine Arbeit sind ein hochgradig interdisziplinärer Ansatz sowie der Einsatz modernster Technologien zur Untersuchung des kollektiven Verhaltens in bisher kaum erreichter Größenordnung. Zusammen mit seinem Team entwickelt und nutzt er hochpräzise Tracking-Systeme, KI-gestützte Analysetools und sogar Virtual-Reality-Umgebungen für Tiere. Diese Methoden ermöglichen es, die Handlungen von Tausenden von Individuen gleichzeitig zu beobachten und zu analysieren. Dabei entstehen riesige Datensätze, mit deren Hilfe die Forschenden entschlüsseln können, wie Interaktionen zwischen Individuen zu koordiniertem Gruppenverhalten und kollektiver Intelligenz führen.

Couzins Forschung hat herkömmliche Vorstellungen darüber infrage gestellt, wie kollektive Bewegungen in der Natur entstehen. Seine Erkenntnisse zum kollektiven Verhalten – einschließlich der Rolle neuronaler Synchronisation bei der Koordination von Gruppenbewegungen – reichen weit über die Biologie hinaus und wirken sich auf andere Fachgebiete aus wie die Sozialwissenschaften oder die Robotik, in der Wissenschaftler*innen Schwärme autonomer Maschinen entwickeln.

Vielfach zitiert und international ausgezeichnet

Couzins wissenschaftlicher Einfluss spiegelt sich auch in der Reichweite seiner Publikationen wider, von denen viele in hochkarätigen Fachzeitschriften veröffentlicht wurden und zu den meistzitierten weltweit gehören. Zwischen 2018 und 2025 war er sieben Mal auf der Clarivate Analytics-Liste der „Global Highly Cited Researchers“ zu finden. Seine Arbeit wurde bereits zuvor mit renommierten Preisen ausgezeichnet, darunter der Fyssen International Prize 2024, der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2022, der Lagrange-Preis 2019 und die Scientific Medal of the Zoological Society of London 2018. Im Jahr 2025 wurde er zum Fellow der Royal Society gewählt, der nationalen Akademie der Wissenschaften des Vereinigten Königreichs.

Über den Hector-Wissenschaftspreis

Einer der Schwerpunkte der Hector-Stiftungen ist die Förderung herausragender Forschungsleistungen. Seit 2009 vergibt die Hector Stiftung II jährlich den aktuell pro Person mit 200.000 Euro dotierten Hector Wissenschaftspreis. Mit dem Preis werden Professor*innen an deutschen Hochschulen und Forschungseinrichtungen für ihre bahnbrechenden Forschungsleistungen und ihr außergewöhnliches Engagement in der Lehre und der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses geehrt. Darüber hinaus werden die Preisträger*innen Mitglieder der Hector Fellow Academy – eine junge Wissenschaftsakademie, die 2013 gegründet wurde. Sie hat das Ziel, Deutschland als Forschungs- und Wissenschaftsstandort zu stärken, indem sie Nachwuchswissenschaftler*innen unterstützt und gemeinsame interdisziplinäre Projekte ihrer Mitglieder fördert, die zur Lösung globaler Herausforderungen beitragen sollen. Zu den bisherigen Preisträger*innen gehören Professor*innen aus verschiedenen Disziplinen der Natur- und Ingenieurwissenschaften, der Psychologie und der Medizin.

Faktenübersicht:

- In Anerkennung seiner herausragenden Forschungsleistungen auf dem Gebiet des kollektiven Verhaltens erhielt Professor Iain Couzin FRS den Hector Wissenschaftspreis und wurde als Mitglied in die Hector Fellow Academy aufgenommen. Der Preis ist als persönlicher Preis mit 200.000 Euro dotiert.

- Iain Couzin FRS ist Professor für Biodiversität und kollektives Verhalten an der Universität Konstanz, Direktor am Max-Planck-Institut für Verhaltensbiologie und Sprecher des Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour an der Universität Konstanz.

- Das Centre for the Advanced Study of Collective Behaviour (CASCB) ist ein weltweit führendes Spitzenforschungszentrum für die Erforschung von Schwarmverhalten, in dem drängende Fragen über Arten- und Organisationsebenen hinweg interdisziplinär angegangen werden. Es handelt sich um eine gemeinsame Initiative der Universität Konstanz und des Max-Planck-Instituts für Verhaltensbiologie. Von 2019 bis 2027 wird das CASCB als Exzellenzcluster im Rahmen der Exzellenzstrategie des Bundes und der Länder gefördert.

Hinweis an die Redaktion:
Bildmaterial kann im Folgenden heruntergeladen werden.

Bild 1: https://www.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2026/iain_couzin_erhaelt_den_hector_wissenschaftspreis_1.jpg
Bildunterschrift: Iain Couzin (rechts) bei der Übergabe des Hector Wissenschaftspreises durch Uwe Bleich, Vorstandsmitglied der Hector Stiftungen.
Copyright: Marco Schilling

Bild 2: https://www.uni-konstanz.de/fileadmin/pi/fileserver/2026/iain_couzin_erhaelt_den_hector_wissenschaftspreis_2.jpg
Bildunterschrift: v.l.n.r.: Die diesjährigen Preisträger*innen des Hector Wissenschaftspreises, Iain Couzin und Stefanie Dimmeler, gemeinsam mit den Stifter*innen Josephine und Hans-Werner Hector.
Copyright: Marco Schilling

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