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Historische Chance für Reform

21.01.202612:15 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Berlin, 21.01.2026. Mit dem Workshop „Personalstrukturen neu gestalten – Impulse des Wissenschaftsrats für ein zukunftsfähiges Wissenschaftssystem in der Umsetzung“ haben der Wissenschaftsrat und der Stifterverband am 19. und 20. Januar 2026 in Berlin zentrale Akteure aus Wissenschaft, Wissenschaftsmanagement und Politik zusammengebracht. Ziel der zweitägigen Veranstaltung war es, Umsetzungsschritte für die im Juli 2025 vom Wissenschaftsrat veröffentlichten Empfehlungen zu Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem zu diskutieren.

„Unser Wissenschaftssystem steht vor weitreichenden Veränderungen; die Einsicht in den strukturellen Reformbedarf war nie so hoch wie jetzt. Das ist eine historische Chance: Wir können das System gemeinsam attraktiver, leistungsfähiger und international anschlussfähiger machen“, sagte der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Wolfgang Wick. „Die wissenschaftliche Praxis hat sich stark gewandelt und wird sich noch weiter verändern. Entscheidend ist jetzt, dass wir eine größere Vielfalt an unterschiedlichen Zielpositionen in der Wissenschaft schaffen und die Durchlässigkeit auch zu anderen Sektoren wie der Wirtschaft deutlich erhöhen.“

„Das Wissenschaftssystem braucht eine grundlegende Reform seiner Personalstrukturen. Sie müssen verlässlicher, transparenter und international wettbewerbsfähiger werden“, betonte Andrea Frank, die stellvertretende Generalsekretärin des Stifterverbandes. „Attraktive Stellen sind die Grundlage für exzellente Wissenschaft, Innovationen und gut ausgebildete Fachkräfte, auf die Unternehmen und wir als Gesellschaft angewiesen sind. Jetzt gilt es, den Kulturwandel im Wissenschaftssystem aktiv zu gestalten und die guten Konzepte erfolgreich umzusetzen. Dabei wird der Stifterverband – gefördert durch das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt – ab Herbst 2026 interessierte Hochschulen im Rahmen einer Peer-to-Peer-Strategieberatung bei ihrer Entwicklung und Umsetzung von zukunftsgerichteten Personalstrukturen begleiten und unterstützen“, so Frank.

Etwa 80 Vertreterinnen und Vertreter von Universitäten, Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und außeruniversitären Forschungseinrichtungen tauschten sich in Workshops unter anderem darüber aus, wie zukunftsfähige Personalstrukturen strategisch geplant und organisatorisch verankert werden können. Dabei stand insbesondere im Fokus, wie zwischen Qualifizierungs- und Dauerstellen klar unterschieden und differenzierte Profile für wissenschaftliche und wissenschaftsnahe Tätigkeiten entwickelt werden können.

Ein zentrales Ergebnis der Diskussionen war die Notwendigkeit, ins Handeln zu kommen und einrichtungsbezogene Personalstrukturkonzepte zu entwickeln, die strategisch mit den Leistungszielen und unterschiedlichen Profilen der Einrichtungen verknüpft sind. Länder und Bund spielen für den notwendigen Kulturwandel im Wissenschaftssystem eine zentrale Rolle – durch engagierte ideelle Unterstützung, aber auch ganz konkret durch rechtliche Anpassungen und gezielte Anreiz- und Unterstützungsmaßnahmen.

Birgit Spinath, Vorsitzende des Ausschusses Tertiäre Bildung des Wissenschaftsrats, sagte: „Das Modell des Wissenschaftsrats gibt eine klare Orientierung für künftige Personalstrukturen. Nun kommt es darauf an, dass die Einrichtungen diesen Impuls in eigene Strategien übersetzen und von der Politik dabei unterstützt werden. Das Ziel sind attraktive und vielfältige Karrierewege mit klaren Entwicklungsperspektiven – auch jenseits der Professur.“

Der Wissenschaftsrat schlägt ein Personalstrukturmodell mit vier Stellenkategorien vor, die für wissenschaftliche genauso wie für wissenschaftsnahe Aufgabenprofile gelten. Deutlich früher als bislang, etwa nach zwei bis drei Jahren nach der Promotion, sollen Entscheidungen über den Verbleib und die weitere Entwicklung im Wissenschaftssystem getroffen werden. Befristete Verträge sollen danach deutlich seltener als bislang vergeben werden, nämlich nur noch bei sehr guten Prognosen für Personen auf Entwicklungsstellen sowie auf Projektstellen. Auf Funktionsstellen sollen unbefristete Beschäftigungsverhältnisse dafür sorgen, dass wichtige Expertise kontinuierlich entwickelt und gebunden wird und dadurch ein hohes Maß an Professionalität etabliert werden kann, etwa in Bereichen wie IT, Infrastrukturen oder Wissenschaftsmanagement.

Der Workshop wurde vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt gefördert. Umsetzungspartner für das nachfolgende Programm zur Peer-to-Peer-Strategieberatung ist der Stifterverband.

Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem | Positionspapier

Personalstrukturen im deutschen Wissenschaftssystem | Kurzfassung

Informationen zum Audit Personalentwicklung

Über den Wissenschaftsrat
Der Wissenschaftsrat berät die Bundesregierung und die Regierungen der Länder in Fragen der inhaltlichen und strukturellen Entwicklung der Hochschulen, der Wissenschaft und der Forschung. Er verfolgt das Ziel, ein leistungsstarkes, differenziertes und vernetztes Wissenschaftssystem zu unterstützen, das in die Gesellschaft hineinwirkt und international konkurrenzfähig ist.

Über den Stifterverband
Der Stifterverband ist eine Gemeinschaft von rund 3.500 engagierten Menschen, Unternehmen und Organisationen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Ziel seiner Arbeit ist, Bildung und Wissenschaft neu zu denken und zu gestalten, um die Innovationskraft der Gesellschaft nachhaltig zu stärken. Als zentraler Impulsgeber analysiert er aktuelle Herausforderungen, fördert Modellprojekte und ermöglicht deren Verbreitung in vielfältigen Netzwerken. Er vernetzt Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft, entwickelt gemeinsam Ideen und stößt politische Reformen an. In seinem Wirken konzentriert er sich auf zwei Handlungsfelder: Bildung und Kompetenzen sowie Kollaborative Forschung und Innovation.

Kontakte:
Wissenschaftsrat
Georg Scholl
Pressesprecher
T 0221 3776 243

Stifterverband
Peggy Groß
Pressesprecherin
T 030 322982-530

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