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Berufsausbildung: Onboarding braucht Struktur

17.12.2025 • 11:21 Uhr • Politik, Recht & Gesellschaft

(openPR) Innovative Konzepte, um Auszubildenden den Einstieg in die duale Berufsausbildung zu erleichtern: Daran arbeiten Forschende der Universität Würzburg im Projekt „DualON – Duales Onboarding in der Berufsausbildung“. Sie entwickeln ein webbasiertes Training, das sich an Ausbildende in Betrieben und an Lehrkräfte an Berufsschulen richtet.

Praxisnahe Lernmodule sollen ein systematisches und handlungsorientiertes Onboarding ermöglichen. Ziel ist es, den Auszubildenden am Übergang zwischen Schule und Beruf zu mehr Orientierung, Motivation und Integration zu verhelfen.

Sonderpädagogischer Lehrstuhl leitet DualON

Die Leitung des Projekts liegt beim Lehrstuhl für Pädagogik bei Verhaltensstörungen der Universität Würzburg. Zum Team gehören Lehrstuhlleiter Professor Roland Stein und Dr. Philipp Abelein sowie die wissenschaftlichen Mitarbeiter Arthur Rein und Martin Sedlmeier

Das Team agiert in enger Vernetzung mit mehreren Partnern. Eingebunden sind die Handwerkskammer für Unterfranken, die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt sowie Berufsschulen in Mainfranken. Unterstützung kommt von der Agentur für Arbeit Würzburg sowie vom Bayerischen Staatsministerium für Unterricht und Kultus.

Finanziert wird DualON vom Bundesministerium für Bildung, Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMBFSFJ) im Rahmen von InnoVET, einem Innovationswettbewerb für eine exzellente berufliche Bildung. Das Bundesinstitut für Berufsbildung begleitet DualON.

Erste Ergebnisse liegen vor

DualON läuft seit Anfang 2025. Die bisherigen Arbeitsergebnisse zeigen, dass effektives Onboarding nur dort gelingt, wo strukturelle Unterstützung, klare Prozesse und ein eng abgestimmtes Zusammenspiel zwischen Berufsschulen und Betrieben gegeben sind.

„Herausforderungen sind kommunikative Brüche, zeitliche Ressourcenengpässe und die Heterogenität der Zielgruppen. Das erfordert gezielte Strategien, und genau hier setzt DualON an“, sagt Professor Stein.

So sehen die Herausforderungen aus

* Einstellungsbezogene Barrieren: Motive und Haltungen, die eine konsequente Umsetzung von Onboarding-Maßnahmen behindern, werden häufig nicht oder nur unzureichend reflektiert oder thematisiert.
* Adressierung der passenden Zielgruppen: Onboarding-Prozesse werden häufig auf Leitungsebene angesprochen und reflektiert, vor allem von Berufsschul- und Ausbildungsleitungen, aber nicht aktiv umgesetzt. Die Weitergabe an operative Ebenen gestaltet sich in Teilen schwierig und führt zu kommunikativen Brüchen oder zu Informationsverlust.
* Lernortspezifische Adaptionen: Unterschiede zwischen Berufsschule und Betrieb erfordern differenzierte, lernortsspezifische Onboarding-Ansätze.
* Ausbaufähige Kooperation zwischen Berufsschulen und Betrieben: Die Zusammenarbeit zwischen den beiden Lernorten ist häufig unzureichend und bedarf gezielter Förderung.
* Heterogenität der Zielgruppen: Unterschiedliche Berufsfelder und Ausbildungskohorten erschweren es, einheitliche Onboarding-Formate zu entwickeln.

Gelingensbedingungen

* Persönlicher Austausch in Präsenz ist eine zentrale Voraussetzung für effektive Zusammenarbeit und Vertrauensbildung zwischen den dualen Lernorten.
* Gut strukturierte Onboarding-Prozesse sind notwendig, da offene, kreative Zugänge ohne klare Rahmung meist wenig wirksam sind.
* Verankerung von Onboarding-Konzepten auf Leitungsebene: Onboarding gelingt nur, wenn die Leitungspersonen es ausdrücklich wünschen und unterstützen. Ziel ist es, Mitarbeitende zu begeistern, strukturelle Hürden abzubauen und mit realistischen Zielen zu arbeiten.
* Integrierte Evaluation: Eine direkte modulbegleitende Reflexion ist bei der Etablierung von Onboarding-Konzepten essenziell. Nachgelagerte Evaluationsphasen sind in der Praxis oft unpraktikabel, da relevante Rückmeldungen und Informationen von Praxispartnerinnen und -partnern verloren gehen oder Vergessenheit geraten.

Handreichung soll im Frühjahr 2026 fertig sein

Das DualON-Team hat die genannten Herausforderungen und Gelingensbedingungen bei sieben Treffen in enger Zusammenarbeit mit beruflichen Schulen, Kammern und Betrieben diskutiert. „Dabei haben alle Beteiligten den persönlichen Austausch besonders wertgeschätzt“, wie Roland Stein sagt. Dieser Austausch soll auch nach Beendigung der Modulentwicklung im Frühjahr 2026 fortgeführt werden, um die Lernortkooperation nachhaltig zu stärken.

In der bisherigen Modulentwicklungsphase wurden unter anderem die Themenschwerpunkte Preboarding, Onboarding, Feedback und Fehlerkultur, Einsatz von KI und E-Learning in der Personalarbeit, Umgang mit schwierigen Kommunikationssituationen und Sprache am Lernort behandelt. Dabei standen drei Fragen im Fokus:

• Wie gelingt ein guter Start in die Ausbildung?
• Was brauchen Azubis wirklich?
• Wie können die Lernorte Betrieb und Berufsschule erfolgreich kooperieren?

Aktuell werden die Module in Kooperation mit ausgewählten Betrieben und Schulen getestet und evaluiert. Die Ergebnisse werden am Ende in der Handreichung „HOP – Handlungsorientierte Onboarding-Praxis“ gebündelt. Voraussichtlich ab Frühjahr 2026 werden sie auf der Projektwebseite www.dualon.de veröffentlicht.

Datenerhebung: Drei Perspektiven auf das Onboarding

Ein zweiter Meilenstein des Projekts ist eine Befragung, die in den vergangenen Monaten durchgeführt wurde. Das Team befragte 168 Auszubildende, 75 Ausbildende und 78 Lehrkräfte an Berufsschulen zu ihren Erfahrungen mit Onboarding-Prozessen, jeweils differenziert nach den Lernorten Betrieb und Schule.

Die Ergebnisse befinden sich derzeit in der Auswertung. Voraussichtlich im Frühjahr 2026 sollen sie publik gemacht werden. Die Erhebungen liefern nicht nur ein umfassendes Bild aus verschiedenen Perspektiven, sondern helfen auch, die Module gezielt weiterzuentwickeln und an den Bedürfnissen der Praxis auszurichten.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Bei Fragen oder Interesse am Projekt steht das Projektteam zur Verfügung: E-Mail

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