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Schlangengift, Mischkulturen und Speed Breeding

12.12.202510:04 UhrWissenschaft, Forschung, Bildung

(openPR) Das Interdisziplinäre Forschungszentrums (iFZ) der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) hat auch in diesem Jahr wieder drei herausragende Abschlussarbeiten mit den iFZ-Masters prämiert. Sie sind entstanden an den experimentell arbeitenden Professuren des iFZ, die den den Studierenden von Biologie, Agrar-, Ernährungs- und Umweltwissenschaften beste Voraussetzungen für spannende Bachelor- und Master-Projekte bieten. Die iFZ-Masters werden am 16. Dezember 2025 vergeben.

Eine der Preisträgerinnen ist Annabelle Heid. In ihrer Masterarbeit untersuchte sie, welches Potenzial die untergenutzten Kulturarten Amaranth und Augenbohne als Blattgemüse in Misch- und Reinkultur und bei unterschiedlicher Bewässerungsintensität haben. Denn Kleinbauern in Subsahara-Afrika sehen sich zunehmenden Herausforderungen durch Dürreperioden und unregelmäßige Niederschläge ausgesetzt. Die Folge sind schwankende Erträge und unzureichende Nahrungsversorgung. Auf der Feldversuchsstation KALRO in Kiboko (Kenia) testete Heid zudem die Wirkung einer Blattdüngung mit einem Braunalgenextrakt auf Vitalität, Produktivität und Trockenstressresilienz der Kulturpflanzen. Während der Braunalgenextrakt keine Verbesserungen brachte, erhöhte der Anbau in Mischkultur den Flächenertrag. Ihre Arbeit zeigt das Potenzial von Mischkulturen und verdeutlicht die Komplexität klimaresilienter Anbaustrategien. Zudem liefert sie Hinweise für die Weiterentwicklung nachhaltiger Anbaukonzepte in trockenen Regionen Ostafrikas.

Das Klima verändert sich, und auch unsere Nutzpflanzen müssen sich daran anpassen. Marie Schlenkrich hat sich damit beschäftigt, wie sich dieser Anpassungsprozess durch gezielte Pflanzenzucht beschleunigen lässt. Eine besonders wirksame Methode ist die Verkürzung der Generationszeit: Bei der „Speed Breeding“-Technik werden die Pflanzen bei höherer Temperatur und längerer Beleuchtung kultiviert, sodass sie früher blühen. Diese Methode funktioniert allerdings nur bei Sommerkulturen, da diese keine Kältephase zur Blütenbildung – die sogenannte Vernalisation – benötigen. Marie Schlenkrich hat in ihrer Masterarbeit belegt, dass auch Winterkulturen von dieser Züchtungsmethode profitieren können. Mit einem Klimakammerversuch konnte sie zeigen, dass sich die Vernalisation bei Winterraps beschleunigen lässt: Bei der „Speed Vernalisation“ wird der Kältereiz schneller durchlaufen und die Pflanzen blühten früher. Diese Technik hat das Potenzial, den Zuchtfortschritt bei Winterraps enorm zu beschleunigen.

Die Erforschung von Schlangengiften liefert seit Jahrzehnten wichtige Einblicke in neurobiologische Prozesse und dient als Grundlage für medizinische Anwendungen sowie die Entwicklung wirksamer Antiseren. Das Gift des Vielgebänderten Kraits, einer der gefährlichsten Schlangen Südostasiens, wurde bislang vergleichsweise wenig untersucht. Die Masterarbeit von Lilien Uhrig präsentiert die erste umfassende proteogenomische Analyse des Giftes dieser Art und beschreibt seine molekulare Zusammensetzung sowie funktionelle Eigenschaften anhand neuer experimenteller Ansätze. Darüber hinaus thematisiert sie mögliche medizinische Nutzungspotenziale. Ihre Ergebnisse deuten darauf hin, dass Variationen des Gifts zwischen unterschiedlichen Individuen des Vielgebänderten Kraits weiter verbreitet sein könnten als bisher angenommen. Das unterstreicht die Notwendigkeit weiterer Untersuchungen an verschiedenen Populationen, um ökologische und evolutionäre Zusammenhänge besser zu verstehen.

wissenschaftliche Ansprechpartner:
Dr. Edwin Weber
iFZ-Geschäftsführung
E-Mail: E-Mail

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