(openPR)
Ein Roman über die verborgenen Räume der Erinnerung – zwischen Jerusalem, Berlin und Paris
Mit ihrem neuen Roman Königsberger Klopse und Gleis 17 legt die Autorin und Fotografin Rengha Rodewill ein Werk vor, das weit über eine Familiengeschichte hinausgeht. Es ist ein Roman über das 20. Jahrhundert, über transgenerationale Wunden, über die Frage nach Herkunft, Zugehörigkeit und der alltäglichen Kunst, mit Schmerz zu leben, ohne ihn weiterzugeben.
Die Autorin, die für ihre Kombination aus dokumentarischer Präzision und poetischer Verdichtung bekannt ist, führt ihre Leserinnen und Leser in das Jahr 1963 – eine Zeit des Wiederaufbaus und der Verdrängung, aber auch der Suche nach neuen Wahrheiten.
Worum es geht – Die Reise von Eveline und Rosa
Im Zentrum des Romans steht Eveline Jordan, eine junge Frau die in Jerusalem lebt, die nach achtzehn Jahren Funkstille einen Brief ihrer erblindenden Mutter erhält. Rosa, eine aus Berlin stammende Jüdin, bittet ihre Tochter, noch ein letztes Mal mit ihr durch Berlin zu reisen, an Orte ihrer Erinnerung. Es soll eine Suche werden „in die Räume, die zu lange verschlossen waren“. Eveline, die in Berlin geboren wurde folgt der Einladung ihrer Mutter – zögerlich, aber mit einer leisen Hoffnung, Antworten auf die Fragen zu finden, die ihr Leben seit Jahren prägen:
Wer war ihre Großmutter? Warum wurde nie offen über die Deportation gesprochen? Wie trägt man die Erbschaft einer Vergangenheit, die man nicht selbst erlebt hat, aber die im eigenen Körper fortlebt?
Die gemeinsame Reise führt Mutter und Tochter durch ein Berlin, das sich noch im Wiederaufbau befindet – eine Stadt aus Widersprüchen, Schweigen und sichtbaren Narben. Besonders eindrucksvoll ist die Szene am Gleis 17 in Grunewald, dem historischen Ort der Deportationen, wo Evelines Großmutter einst auf den Transport geschickt wurde. Der Roman findet hier seinen emotionalen Kern: Erinnerung wird nicht moralisch vorgeführt, sondern existentiell erfahrbar, leise und kraftvoll zugleich.
Historie und Fiktion – ein fein gewobenes Netzwerk
Rodewill verbindet reale Orte, historische Ereignisse und literarische Fiktion zu einem Teppich voller Schattierungen. Berlin erscheint nicht nur als Schauplatz, sondern als lebendiges Archiv, in dem jede Straße Spuren trägt: das Bayerische Viertel mit seiner zerstörten jüdischen Geschichte, das KaDeWe als Ort des Überflusses in einer Zeit der moralischen Leere, die Seineufer von Paris, wohin Evelines Sehnsucht sie zurückzieht, Jerusalem, das für Eveline zugleich Heimat und Ort der inneren Unruhe ist. Dabei ist der Ton des Romans niemals pathetisch. Rodewill schreibt eindringlich, doch klar; sie zeigt, wie Menschen versuchen, trotz Verlusten weiterzuleben.
Ein wiederentdecktes Rezept als Brücke zwischen Vergangenheit und Zukunft
Symbolisch steht im Roman das Familienrezept der Königsberger Klopse.
Was wie ein Detail wirkt, wird bei Rodewill zu einem Schlüsselmotiv: ein Rezept, das von Generation zu Generation weitergereicht wird, ein Geschmack, der Erinnerungen weckt, noch bevor sie bewusst werden, ein Stück Heimat, das selbst die schärfsten Brüche überdauert. Die Königsberger Klopse werden im Roman zu einer zärtlichen Form der Erinnerung, einem Anker, der Eveline hilft, die Fragmente ihrer Geschichte zu ordnen – und sich selbst darin zu erkennen.
Zwischen zwei Männern – und zwischen zwei Leben
Parallel zu ihrer historischen Spurensuche verstrickt sich Eveline in ein Dreieck zwischen: Michael, dem schwedischen Literaturwissenschaftler, der ihre Sensibilität erkennt, und Pierre, dem französischen Ex-Geliebten, der sie einst in Paris zurückließ. Beide Männer spiegeln ihre innere Zerrissenheit: Michael steht für Stabilität, Pierre für Leidenschaft und Ungewissheit.
Doch der Roman macht deutlich:
Es sind nicht die Männer, die über ihre Zukunft entscheiden. Es ist Eveline selbst, die lernen muss, was Zugehörigkeit wirklich bedeutet.
Ein Roman, der das Unsichtbare sichtbar macht
Rodewill gelingt es, die leisen Nuancen des Schweigens einzufangen: die Pausen zwischen Mutter und Tochter, die unausgesprochenen Sätze, das Gewicht der Erinnerung, die nie ganz verblasst. Ihre Figuren tragen die Geschichte in ihren Körpern – in Gesten, Blicken, in jenen unscheinbaren Momenten, die mehr enthüllen als jede Erklärung.
Königsberger Klopse und Gleis 17 ist ein Roman über: die Weitergabe von Traumata, die Suche nach Identität zwischen Kontinenten, die Sehnsucht nach einem Ort, der sich wie Heimat anfühlt, und die Kraft der Versöhnung.
Taschenbuch, 14,- Euro
Erschienen am 12. Dezember 2025
ISBN 978-3-910471-68-9













